1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Lippetal

SPD, FDP, Grüne und BG für Modul-Wohnen auf Zeit

Erstellt:

Von: Michael Dülberg

Kommentare

Mobile Häuser werden immer beliebter: Das Tiny-House- Hotel am Kanal
Mobile Häuser werden immer beliebter: Das Tiny-House- Hotel am Kanal in Hamm erfreut sich zahlreicher Gäste. © DÜLBERG

Früher einmal war es ganz normal, wenn ein Berufsleben sich in einer einzigen Firma und an einem Ort abspielte, heute ist es eher eine Seltenheit.


Lippetal – Deshalb fragen sich zahlreiche Lokalpolitiker neuerdings auch in der Gemeinde Lippetal, ob alle Menschen, die in einem Eigenheim leben wollen, unbedingt ein feststehendes Haus benötigen oder ob es nicht auch so genannte Modulhäuser geben sollte, die auf Pachtgrundstücken bei Bedarf aufgestellt und beim Umzug der Menschen in andere Orte wieder abgebaut werden können. Die Fraktionen von FDP, BG, Grünen und SPD haben jetzt einen Antrag an Bürgermeister Matthias Lürbke formuliert, in dem sie fordern, dass die Verwaltung den Bedarf an pachtbaren Grundstücken für mobile Modulhäuser ermittelt.

Modul-Wohnen auf Zeit: Mobile Holzhäuser


Sollte entsprechendes Interesse festgestellt werden, soll die Gemeinde Lippetal geeignete Grundstücke erwerben, erschließen und an Privatpersonen für mindestens zwei Jahre zum Zwecke der Eigenheimnutzung verpachten.

Voraussetzungen für die Pachtung sollte sein:

- Es handelt sich um Vollholz-Häuser,

- es werden erneuerbare Energien genutzt

- und es gibt nur eine minimale Bodenversiegelung.

Darüber hinaus soll die Verwaltung überprüfen, ob für diesen laut der Antragsteller „innovativen und positiv nachhaltigen Ansatz“ Zuschüsse für Planung, Erwerb und Erschließung abrufbar sind.

Modul-Wohnen auf Zeit: Weniger Versiegelung


In der weiteren Erklärung erläutern die Antragsteller ihre Zukunftsvision: Massivbauweise versiegele Flächen dauerhaft, die Errichtung eines Massiv-Einfamilienhauses setze durchschnittlich 40 Tonnen Kohlendioxyd frei und binde Menschen langfristig an einen Ort. Das sei nicht mehr zeitgemäß aufgrund häufigerer Arbeitsplatzwechsel, befristeter Arbeitsverträge sowie diverser Lebens- und Familienkonstrukte. Deshalb solle es Zuziehenden in Lippetal auch möglich sein, mobile Häuser aufzustellen. Ein Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde Lippetal wäre die Ausweisung erschlossener Grundstücke für mobile Häuser zur Pacht. Im Klaretext: Privatpersonen pachten diese Grundstücke für mindestens zwei Jahre von der Gemeinde.

Modul-Wohnen auf Zeit: An die Kanalisation


Die mobilen Häuser sollen an die Kanalisation angeschlossen werden. Klassische Wohnwagen seien jedoch nicht zulässig, damit das Mobilhaus-Wohngebiet nicht etwa einen Campingplatzcharakter erhält.

Neben der so erzielten an individuelle Lebensverhältnisse angepasste und für Personen mit kleineren und mittleren Einkommen bezahlbare Wohnraumbereitstellung soll dieses kommunale Wohnprojekt nicht nur CO2-neutral sein, sondern auch Kohlendioxyd kompensieren. Das soll durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

- Vollholzbauweise auf Schraubfundamenten zur CO2 -Speicherung,

- Dezentrale und autarke Energieversorgung mit erneuerbaren Energien und

nachwachsenden Rohstoffen,

- Belaubte Hecken zur Grundstücksabgrenzung zur CO2 -Kompensation und Verbesserung des Mikroklimas,

- Kleinteilige, ausschließlich wasserdurchlässige Bodenbefestigungen.

Die Verwaltung weist in ihrer Vorlage für die Beratung am Montag, 29. November, ab 18 Uhr in öffentlicher Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses darauf hin, dass es ihrer Kenntnis nach weder in Lippetal noch in den Nachbarkommunen bisher Nachfragen von Bauwilligen nach solchen Häusern auf Zeit gegeben hat.

Somit sei kein Bedarf festzustellen. Dieser sei auch kaum von ortsansässigen Bürgern zu erwarten, da die Verpachtung ja eher kurzweilig und flexibel angedacht sei.

Modul-Wohnen auf Zeit: Verwaltung skeptisch

Sachbearbeiter Michael Vogel aus dem Lippetaler Bauamt erklärt in der Vorlage zur Sitzung, dass nach Information der Bauordnung des Kreises Soest solche mobilen Modulhäuser, die zu Wohnzwecken genutzt werden, baurechtlich wie vollwertige Massivhäuser zu bewerten sind. Eine entsprechende Nutzung sei somit bereits jetzt im Innenbereich gemäß Paragraph 34 des Baugesetzbuches durchaus möglich, wenn das Einfügungsgebot beachtet werde oder auch in Bebauungsplangebieten unter Einhaltung der planungsrechtlichen und bauordnungsrechtlichen Vorgaben möglich sei.

Sollte Bedarf demnächst festgestellt werden, soll die Gemeinde Lippetal Grundstücke erwerben, erschließen und dann für mindestens zwei Jahre verpachten. Dabei muss laut Bauverwaltung jedoch berücksichtigt werden, dass private Grundstückseigentümer zurzeit kaum bereit sind, ihre Flächen zu Wohnbauzwecken anderer Investoren zu veräußern.

Das bestätige laut Verwaltung ebenfalls die derzeitige Marktlage in Grundstücksangelegenheiten. Darüber hinaus wären für die geplante Herangehensweise verwaltungsseitig wohl zusätzliche personelle Kapazitäten erforderlich.

Auch interessant

Kommentare