Datenschutz und Wirtschaftlichkeit

Sorgen um Datensicherheit: Apotheke im Kreis Soest stellt das Testen ein

Schnelltests helfen: Ein Faktor, um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten, sind die Schnelltests.
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Eine Apotheke im Kreis Soest führt keine Corona-Tests mehr durch.

Wer in diesen Tagen einen Corona-Schnelltest in der Lippe-Apotheke in Herzfeld machen will, wird enttäuscht: Seit dem 1. Juli ist das Haus aus den Schnelltestungen auf das Corona-Virus ausgestiegen. 

Lippetal-Herzfeld - Der Grund: Inhaber Julian Bathke hat Bauchschmerzen wegen der neuen Corona-Testverordnung des Bundes, fürchtet Datenlecks und Haftungsprobleme ebenso wie ein unwirtschaftliches Test-Geschäft.

„Ich halte zahlreiche neue und umfassende Dokumentationspflichten in dieser Verordnungen eher für ,sinnfrei‘. Diese sind mit der heilberuflichen Schweigepflicht und auch aus menschlichen Überzeugungen für mich nicht hinnehmbar“, wird Bathke deutlich. Ihm gehe es nicht um ein gut bezahltes Zusatzgeschäft.

Datenschutz bei Corona-Test: „Nur noch Schrott“

„Ich möchte meine Mitarbeiter, die diese Aufgabe bei voller Auslastung im Tagesgeschäft mit großem Einsatz durchziehen, angemessen entlohnen und ihnen weiter Planungssicherheit im Betrieb geben“, so der Leiter der Lippe-Apotheke. Dies sei durch die plötzliche Kontroll- und Regelungswut der Regierung nahezu unmöglich geworden. So sehen die neuen Vorgaben vor, dass die Bezüge um ein Drittel reduziert werden und „anstatt guter Tests nur noch Schrott gekauft werden kann“.

Das sei nicht hinnehmbar. Teststellenbetreiber, die nur auf das schnelle Geld aus seien und ihre Aufgabe nicht mit der nötigen Sorgfalt versehen, würden durch diese Maßnahmen nicht aufgehalten. Sie würden nur kreativer. Anstatt jetzt alle Betreiber unter Generalverdacht zu stellen, hätte man sich früh auf überprüfbare Standards einigen sollen, anstatt diese jetzt nachträglich „hinein zu verordnen“.

Ein weiterer Aspekt sei die problematische Datenschutzlage. Bislang wurden nur positiv getestete Personen an Gesundheitsämter gemeldet, die entsprechende Kontakte in die Warn-App einpflegten. Darüber hinaus waren bisher persönliche Daten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum unter dem Vorbehalt des Datenschutzes zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr nachvollziehbar. „Jetzt soll ich einen Vertrag unterschreiben, der mich verpflichtet, sämtliche Daten in ein System einzupflegen, ohne dass ich weiß, was mit diesen Daten passiert. Und noch dazu bin ich in der Haftung“, empört sich Julian Bathke.

Datenschutz bei Corona-Test: Es geht um einen Ruf

Dem Apotheken-Inhaber geht es auch um den guten Ruf seines Berufsstandes: Die Heilberufe stünden seit Jahrhunderten für Datenschutz, Diskretion und Verschwiegenheit. Die Abrechnung über die Kassenärztliche Vereinigung gewährleiste seit vielen Jahren einen entsprechenden Umgang mit persönlichen Daten.

„Nun aber sollen alle Teststellenbetreiber einen Vertrag unterzeichnen, der die Überleitung in die Corona-Warn-App regelt. Alle müssen sich einer Vielzahl von Verpflichtungen unterwerfen. Die Pflichten des Schnittstellenbetreibers unter dem Dach eines großen Telefonkonzerns bleiben dagegen außer dem Abgreifen von Kundendaten gänzlich unklar. Ohne eigene Kontrollfunktion muss also jeder Betreiber einer Teststelle in Zukunft für jegliches Datenleck in unbekannter Höhe haften“, so Julian Bathke weiter.

Eigentlich sei ihm das Angebot der Schnelltests wichtig. Doch nun lasse er den Vertrag erst einmal von einem Anwalt prüfen. Mindestens bis zu dessen Einschätzung lasse er das Testen ruhen.

Testmöglichkeiten gibt es in Lippetal aber trotzdem noch.

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