Kultobjekt John Deere 3010: 

Sohn rettet Papas Schlepper

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Den Platz auf dem John Deere-Thron will Klaus Albersmeier nicht mehr missen. Heinz Gerd Schlieper (links) und das Restaurations-Team fühlen sich aber auch im Schatten des restaurierten Modells 3010 pudelwohl.

Hüttinghausen - Es ist eine tragische Liebesgeschichte mit Happy End. Eine, die sich um zwei Generationen rankt, einen Trecker und einen wunderbaren Zufall. Der Hauptdarsteller ist ein John Deere 3010 Trecker aus dem Jahr 1962. In den hochkarätig besetzten Nebenrollen spielen Antonius und Klaus Albersmeier.

Er war verkauft, verschwunden, aus dem Sinn – und in einem desolaten Zustand: Der John Deere 3010 Trecker, den Antonius Albersmeier 1962 für seinen Hof in Hüttinghausen gekauft hatte. Direkt aus den USA war er seinerzeit importiert worden als eines von nur 150 in Deutschland verkauften Exemplaren. Groß war die Aufregung, als Antonius in jenem Jahr nicht nur den Hof übernommen hatte, sondern auch noch den einzigen im Kreis Soest existierende Schlepper aus den USA präsentierte. So berichtet es Klaus, der Sohn von Antonius, der heute den Hof verantwortet. Mit 65 PS sei der Amerikaner nämlich nicht nur ein Exot, sondern auch ein Kraftprotz gewesen, der als „viel zu groß“ belächelt worden sei.

Im Jahr 1964 verkauft Antonius den John Deere, ersteht ein noch einmal 10 PS kräftigeren Schlepper gleicher Marke. Der ausgemusterte John Deere landet über Umwege schließlich bei Heinz Gerd Schlieper. Der in Ampen aufgewachsene Händler lagert das, was von dem Trecker übrig ist, viele Jahre in seinem Landmaschinenhandel in Sonnenwalde in Brandenburg.

Schrott oder wertvolle Teile? Keine Frage: Jedes dieser Stücke hat das Zeug zum Schmuckstück.


Im Jahr 2012 wendet sich das Schicksal dann zum Guten: Zufällig kommt Klaus Albersmeier mit Freunden auf dem Rückweg von einer Motorradtour durch den Ort im Osten, erinnert sich an seinen Bekannten und dessen Landmaschinenhandel und macht kurzerhand einen Überraschungsbesuch. „Den John Deere hatte ich überhaupt nicht mehr im Sinn“, erinnert sich Klaus. Vielmehr habe er schlicht die Gelegenheit zu einem Besuch nutzen wollen. Eben diese Gelegenheit mündet dann aber in eine echte Überraschung. Zum Teil restauriert, dann aber unter einer alten Plane fast vergessen, fristet die einstige Sensation der Soester Börde ein eher trostloses Dasein. Klaus Albersmeier fackelte nicht lange und kaufte das, was von Papas Lieblingsschlepper übrig war. „Dabei habe ich immer an meinen Vater gedacht. Denn der Trecker ist für mich auch eine wichtige Erinnerung an ihn.“ Antonius Albersmeier war 2008 gestorben.

Aus diesem Gerüst wurde in 400 Arbetsstunden ein echtes Schmuckstück.

Zurück auf dem heimischen Hof dauert es dann aber doch noch sieben Jahre, ehe der einstige Stolz von Antonius Albersmeier wieder strahlt: Mit runderneuerter Technik und Originalfarbtönen steht er nun stolz auf dem Hof der Albersmeiers in Hüttinghausen. Nicht mehr als zukunftsweisendes Vorzeigeobjekt, sondern als Erinnerung an die guten, alten Zeiten. „Ich bin stolz und überglücklich“, sagt Klaus Albersmeier. Ob der John Deere 3010 noch genutzt wird? „Ja, manchmal“, sagt Klaus Albersmeier. Zum Beispiel während der Aktion von „Land schafft Verbindung“ vor den Supermärkten. „Da war er mit dabei. Und er war ein echter Hingucker.“

400 Arbeitsstunden

Der John Deere 3010 hat das Baujahr 1962. Aus den Resten fertigte ein findiger Restaurator auf dem Hof Albersmeier einen auf 32 Stundenkilometer umgebauten Schlepper, der mit einer 12-Volt-Batterie ausgerüstet ist. Dafür zerlegte er den John Deere komplett, nutze einen Sandstrahler, ehe die rund 500 Teile grundiert und mit Originalfarbtönen wieder in Form gebracht wurden. Rund 400 Arbeitsstunden stecken in der Restaurierung.

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