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Einzellagen schalten auf Highspeed

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Von: Jürgen Vogt

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Jetzt wird‘s bunt: Zahllreiche Streusiedlungen und Einzellagen in Lippetal werden künftig Highspeed-Internet haben.
Jetzt wird‘s bunt: Zahllreiche Streusiedlungen und Einzellagen in Lippetal werden künftig Highspeed-Internet haben. © Peter Dahm

Die Gemeinde Lippetal steht kurz vor dem Sprung auf die digitale Überholspur. Nachdem große Orte wie Herzfeld und Lippborg längst an das Highspeed-Netz der Deutschen Telekom und das TV-Kabelnetz der Vodafone angeschlossen sind, bekommen jetzt auch die abgelegenen Einzellagen die digitale Überholspur freigeschaltet. Und das zu einem Preis, der die Gemeinde kaum belastet.

Lippetal - Ein Blick auf die Landkarte lässt die Augen von Matthias Lürbke leuchten: Vor allem im Norden der Gemeinde Lippetal sind dutzende von Flächen grau markiert. Hier werden demnächst Bauarbeiten stattfinden, damit die Bewohner digital auf der Höhe der Zeit sind. Möglich macht das eine vom Kreis Soest koordinierte Aktion, bei der sämtliche Städte und Gemeinden eingebunden sind. Christoph Hellmann als „Gigabit-Koordinator“ für den Kreis Kreis erklärt, wie das geht. „An Stellen, wo der privatwirtschaftliche Markt nachweislich versagt, dürfen wir mit Bundes- und Landesfördermitteln agieren.

Keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte

„Eigentlich keine weißen Flecken“ gibt es beim Breitbandausbau in Lippetal nach Angaben von Wirtschaftsförderer Hans-Joachim Hobrock mehr, wenn die Einzel- und Randlagen angeschlossen sind. Schon in den 1990er Jahren sei in den Kernbereichen für das Kabelfernsehen Glasfaser verlegt worden. Alle diese Anschlüsse hätten jetzt die Chance, mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde zu surfen. Daneben gebe es seit 2017 über viele Verzweigerkästen Glasfaser, lediglich die letzten Strecken bis in die Haushalte laufe noch über Kupfer. Mögliche Geschwindigkeit: 250 Megabit pro Sekunde. Dort, wo die Telekom die Verteilerkästen nicht freigegeben hat, vermutet der Wirtschaftsförderer deutlich geringere Geschwindigkeiten. Allerdings wären hohe Geschwindigkeiten von bis zu einem Megabit pro Sekunde möglich, wenn die Anwohner sich ans Netz anschließen lassen.

Danach folgten im „3. Aufruf“ noch einige Anschlüsse im Westen Herzfelds und auf dem Weg in Richtung A44. Hier ist inzwischen ebenfalls Highspeed mit einem Gigabite pro Sekunde möglich. „Eigentlich sollte am Ende niemand mehr übrig sein, so dass alle in Lippetal mindestens mit 100 Mbit surfen können“, so Hobrock.

Eine weitere Besonderheit: Über das funkbasierte „LoRa“-Netz steht im Süden der Gemeinde das „Internet der Dinge“ zur Verfügung. Das warnt etwa, wenn Wasser im Keller steht, liest Stromzähler oder überwacht Strom- und Wassernetze.

Allerdings nur dort, wo die bisherige Datengeschwindigkeit 30 Megabit pro Sekunde unterschreitet. Das trifft auf die vielen Einzellagen in Lippetal zu.“ Von Zuwegungen von bis zu fünf Kilometern Länge in Einzelfällen berichtet Hellmann dann; und davon, dass so ein kostspieliges Projekt ohne Förderung undenkbar wäre.

Eben diese Förderung hat der Kreis und damit die Gemeinde aber jetzt gesichert. Im so genannten „6. Aufruf“ fördern Bund und Land den Breitbandausbau mit insgesamt 90 Prozent der Kosten: Für Lippetal bleibt nur der kleine Rest von 10 Prozent übrig. „Wir sind stolz, dass wir das hinbekommen haben“, sagt Christoph Hellmann noch.

Wir sind in der Gemeinde Lippetal bei diesem Projekt am meisten betroffen. Wir haben rund 440 Liegenschaften, für die brauchen wir 170 Kilometer Leitungslänge.

Matthias Lürbke, Bürgermeister

Damit spricht er Matthias Lürbke aus dem Herzen. „Wir sind in der Gemeinde Lippetal bei diesem Projekt am meisten betroffen. Wir haben rund 440 Liegenschaften, für die brauchen wir 170 Kilometer Leitungslänge.“ Und angesichts der Finanzierung meint er: „Das ist eine einmalige Chance, ein hervorragendes Projekt“. Gar von einem „Segen für die Gemeinde“ spricht der Bürgermeister.

Klar: Die Rand- und Einzellagen sind unattraktiv für die privaten Anbieter. Im Gegensatz zu den größeren Orten, wo die Telekom und Vodafone sich beim Ausbau Gewinne versprechen, wäre der Anschluss in abgelegenen Lagen ein Zuschussgeschäft. So hat die Telekom sich den Ausbau vor allem in Lippborg und Herzfeld auf die Fahnen geschrieben. Vodafone hat sich im Süden der Gemeinde südlich der Lippe engagiert.

Zwei Firmen bauen aus

Zwei Firmen haben den Zuschlag für die Bauarbeiten erhalten. Die kreisweit förderfähigen 2771 privaten Adressen, 72 Schulen und drei Krankenhäuser werden durch die Westenergie Breitband GmbH ausgebaut, die 1126 förderfähigen Gewerbebetriebe in den 23 Gewerbegebieten durch die Vodafone GmbH. Der Kreis Soest hat auf seiner Internetseite www.kreis-soest.de unter dem Suchbegriff „Breitbandausbau – 6. Aufruf“ eine Karte bereit gestellt, auf der alle geplanten Anschlussgebiete markiert sind. Weil derzeit noch Feinplanungen laufen, können konkrete Ausbautermine für die Bauabschnitte noch nicht genannt werden.

Schon in den nächsten Wochen werden die Bauarbeiten losgehen. Abschnitt für Abschnitt soll ausgebaut und dann direkt freigeschaltet werden. Die Kosten kreisweit belaufen sich auf rund 115 Millionen Euro.

In der Gemeinde Lippetal sind im Finanzplan für die Jahre 2021 bis 2024 jährlich 380000 Euro für den Eigenanteil beim Ausbau veranschlagt, insgesamt also rund eineinhalb Millionen Euro. Die letzten Anschlüsse in der Gemeinde sollen 2024 online sein.

KOMMENTAR VON JÜRGEN VOGT

Gemeinde nutzt einmalige Chance

Neben anderen Kernthemen wie dem Klimaschutz oder der Corona-Krise bestimmt die Digitalisierung bundesweit die Diskussionen. Und damit auch in Lippetal. Eine Gemeinde mit vielen Einzellagen und Streusiedlungen schreckt die Privatanbieter beim Highspeed-Ausbau ab. Zukunftsfähig ist aber auch hier nur, wer den Sprung auf die Highspeed-Datenautobahn nicht verpasst. Schon früh hat der Kreis Soest das erkannt – und sämtliche Städte und Gemeinden für ein gemeinsames Vorgehen gewonnen. Gute Arbeit. Jetzt trägt diese Aktion Früchte. Denn die satten Fördergelder gelten unter Fachleuten als einmalige Chance, auch die Randlagen zukunftsfähig zu machen. Anstatt auf viele Jahre abgehängt zu bleiben, machen sich jetzt die vielen grauen Flecken auf der Landkarte daran, demnächst auf „grün“ geschaltet zu werden. Bei diesen Aussichten dürfen wir einfach mal den Hut ziehen. In Highspeed natürlich.

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