Sanierung der Landstraße: Betriebe in der Hovestädter Straße beklagen drastischen Umsatzrückgang

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Mit blühenden Blumen machen Heinz und Annette Korff auf ihr Blumengeschäft in der Hovestädter Straße aufmerksam, weil der Durchgangsverkehr ausbleibt, sind die Kundenzahlen und Umsätze jedoch deutlich gesunken, berichten sie.

Oestinghausen – Der ständige Strom potenzieller Kunden, der normalerweise in Form des Autoverkehrs an der Gärtnerei Korff vorbei fließt, er ist versiegt, seit die Bauarbeiten zur Erneuerung der Landstraße zwischen Oestinghausen und Hovestadt begonnen haben. Eine Folge der Absperrungen und Umleitungen. Für Betriebe wie die Gärtnerei Korff, die in großem Maß auf Laufkundschaft angewiesen ist, sind die Folgen gravierend.

Normalerweise würden auf der Straße einem Experten zufolge pro Tag 4 000 Fahrzeuge fahren, berichtet Annette Korff. Jetzt werde aber allenfalls ein Drittel der Kundenzahl erreicht, der Umsatz sei entsprechend auf ein Drittel der normalen Beträge eingebrochen: „Das ist ganz bitter, dabei sind gerade erst zwei Wochen rum und die Baustelle soll ein halbes Jahr dauern.“ 

Nachmittags betreut Annette Korff den Verkauf inzwischen allein, das Personal bestehend aus drei Teilzeitkräften, baut vorerst Überstunden ab. Wie es dann weiter geht, ist noch offen. Annette Korff befürchtet jedoch schon jetzt langfristige Folgen. 1997 gab es nämlich schon einmal eine neunmonatige Straßenbaustelle mit einschneidenden Rückgängen. Annette Korff: „Wir haben drei Jahre zu knapsen gehabt, bis wir das aufgeholt hatten.“ 

Zudem besteht die Gefahr, dass die für den Verkauf produzierten Waren nicht abgesetzt werden können und am Ende verderben. Im Moment sind dies insbesondere Frühlingsblüher wie Primeln für die Endverbraucher, ab Ende Mai kommt der Verkauf der selbst produzierten Tomaten hinzu. 

Zwecks Sanierung der Landstraße ist derzeit der Bauabschnitt zwischen dem Deilweg und dem Ortseingang Hovestadt an der Reihe. Die anderen Abschnitte, insbesondere auch in Oestinghausen sind für den Anliegerverkehr ohne weiteres befahrbar.

Bittere Erfahrungen schildert auch Bernd Kischel, Geschäftsführer und Eigentümer der Lippetaler Zauntechnik GmbH an der Oestinghausener Straße 14: „Das ist eine Katastrophe, wenn das bis September so bleiben sollte, weiß ich nicht, ob es meine Firma noch gibt.“ 80 Prozent des Umsatzes macht die GmbH in der Region, gerade die Privatkundschaft will sich beraten lassen und die Einkäufe abholen, und sehe sich durch die Absperrungen blockiert. 

Kischel hat inzwischen auf eigene Kosten Schilder erstellen lassen und an den Absperrungen platziert, um darauf hinzuweisen, dass sein Betrieb erreichbar ist. Die Straßenbaufirma Oevermann sei in dieser Frage sehr kooperativ, so Kischel. Die Kosten für die Schilder oder das Umprogrammieren der Homepage, um Kunden auf die Erreichbarkeit hinzuweisen, müsse er aber selbst tragen. 

Deutliche Kritik übt der Unternehmer in diesem Zusammenhang am Verhalten der Gemeinde: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Gewerbetreibenden im Vorfeld mal eingeladen werden, um zu klären, wie man mit der Situation umgehen kann.“ 

Betriebe außerhalb der Sperrungen weniger betroffen

Andere Betriebe, die nicht in dem abgesperrten Bereich liegen, spüren die Auswirkungen der Baustelle weniger. Für die Fleischerei Kleeschulte mit Standorten in Hovestadt und beim Aldi in Oestinghausen berichtet Stefanie Kleeschulte: „Wir merken das nicht so, allenfalls der Lastwagenverkehr fehlt etwas beim Frühstücksgeschäft.“ Ausdrückliches Lob zollt sie der Umleitung der Gemeinde mit der Einbahnstraßenlösung. 

Minimal geringer sind Vera Christiani zufolge die Umsätze in der gleichnamigen Bäckerei in Oestinghausen. Das Hauptproblem scheint demnach darin zu bestehen, dass die Betriebe an der Hovestädter Straße/Oestinghauser Straße und den anliegenden Gewerbegebieten von den Kunden gemieden werden. 

Was ist mit Abhilfe? Ludger Schenkel, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Leiter des Ordnungs- und Sozialamts, betont, dass die Möglichkeiten der Gemeinde begrenzt seien. Von Oestinghausen aus sei ausgeschildert, dass die Zufahrt zu den Gewerbegebieten frei ist. Über Nordwald und die Straße Am Winkel sei Oestinghausen auch aus der Gegenrichtung erreichbar, bezüglich der Fahrstrecke sei dies ein minimaler Mehraufwand für potenzielle Kunden. 

Zusätzlich könnten eigene Schilder der Gewerbetreibenden hilfreich sein. Zudem seien die Gewerbebetriebe abgesehen von der Gärtnerei Korff nicht auf Laufkundschaft angewiesen, sondern würden eher gezielt angefahren.

Betriebe sind ohne weiteres erreichbar

Die Straßenbaustelle befindet sich derzeit in dem ersten Bauabschnitt zwischen der Kreuzung Hovestädter Straße/Deilweg in Oestinghausen und dem Ortseingang Hovestadt. Wegen der Umleitung steht an der Einfahrt in die Straße nach Hovestadt im Kreisverkehr eine Sperre, vom Kreisel Oestinghausen aus sind die Straße und die anliegenden Geschäfte und Betriebe aber ohne weiteres erreichbar. Von Hovestadt über Nordwald und die Straße Am Winkel ist der Abschnitt der Hovestädter Straße zwischen der Kreuzung Deilweg und Oestinghausen derzeit ebenfalls frei.

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