Rotary präsentiert "Wir Wunderkinder" im Soester Universum

Familienfoto aus der späten Jugend (von links): Helmut, Hubertus, Vater Hellmuth Felmy und Tatort-Legende Hansjörg. Letzterer war so beliebt, dass in seiner Zeit als „Kommissar Haferkamp“ sogar Neugeborene nach ihm mitdem Vornamen „Hansjörg“ benannt wurden.

LIPPETAL - „Wir Wunderkinder“ – dieser Spielfilm aus dem Jahre 1958 wird im Rahmen einer öffentlichen Matinee am Sonntag im Universum-Kino in Soest auf Anregung des Rotary-Clubs Lippetal aufgeführt. Der Streifen präsentiert eine ganze Riege noch heute bekannter Schauspieler wie Tatort-Kommissar Hansjörg Felmy. Wir sprachen mit seinem Bruder Hubertus.

„Wir Wunderkinder“ erhielt den Golden Globe, nach dem Oscar die zweitbedeutendste Auszeichnung für ausländische Kinofilme in Hollywood, und charakterisiert die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der es noch unverbesserliche Anhänger des Dritten Reiches gab, aber auch den unbändigen Willen den Wiederaufbau, als Wirtschaftswunder bekannt, zu vollbringen. Im Universum-Kino in Soest läuft der Film am Sonntag (6. April) um 11 Uhr.

Eine besondere Note erhält diese Matinee durch die Anwesenheit von Hubertus Felmy (85), einen der beiden Brüder des 2007 verstorbenen Schauspielers Hansjörg Felmy. Hubertus Felmy, geboren 1928 in Stuttgart und seit 1989 Soester Bürger, war 2010 bis 2011 Präsident des Rotary Clubs Lippetal und ist inzwischen dort Ehrenmitglied. Anzeiger-Redakteur Michael Dülberg sprach mit ihm über die Familie Felmy, den berühmten Schauspieler Hansjörg und den Film „Wir Wunderkinder“.

Woher stammt ihre Familie und wo sind Sie aufgewachsen?

Hubertus Felmy: Mein Vater Hellmuth war gebürtiger Berliner. Er war in beiden Weltkriegen Offizier der Luftwaffe, gehörte zu den „Alten Adlern“, und flog schon vor dem ersten Weltkrieg mit in Eindecker-Flugzeugen als „Beobachter“. Mein Bruder Helmut (1927) und ich wurden in Stuttgart geboren, Hansjörg 1931 in Berlin, aber die Familie ist oft umgezogen. Die längste Zeit lebten wir in Braunschweig, weitere Stationen zuvor waren Berlin, München und Kassel.

Was sind Sie von Beruf?

So kannten und liebten ihn die Fernsehzuschauer: Hansjörg Felmy in einer Szene aus einem Tatort-Krimi. 20 drehte er insgesamt.

Felmy:  Ich habe Landwirtschaft gelernt, an der Universität in Stuttgart-Hohenheim Landwirtschaft – heute Agrarwissenschaft – studiert und dort mein Diplom gemacht. Anschließend habe ich rund 40 Jahre in der Landmaschinen-Industrie gearbeitet. Nach meiner Tätigkeit als Unternehmensberater habe ich Ende der 90-er Jahre noch vier Semester Arbeitswissenschaft studiert, mit Diplom abgeschlossen und meine journalistische Kompetenz erweitert mit Fachwissen in Unternehmensqualität und Qualitätsmanagement. Seit dem arbeite ich nebenberuflich als freier Journalist für landwirtschaftliche Fachzeitschriften, wie „Agrartechnikbusiness“ und „Eilbote“.

Wie sind Sie nach Soest gekommen?

Felmy: Durch die Firma ACCORD-Landmaschinen. Ich war dort ab 1989 bis zu meiner Pensionierung Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing. Darauf folgte eine Tätigkeit als selbständiger Unternehmensberater, außer in den Neuen Ländern auch in Litauen, der Ukraine und in Pakistan. Rückblickend war Soest als Standort eine gute Entscheidung, die Stadt gefällt mir. Das gilt auch für meine Frau, Christiane Mackensen, die hier beruflich als Apothekerin und ehrenamtlich als Vize-Bürgermeisterin tätig ist. Wir singen gemeinsam im Chor des städt. Musikvereins unter Leitung von Michael Busch und sind kulturell vielseitig interessiert. Die Stadt Soest hat auf diesem Gebiet viel zu bieten. Wir sagen: „Wer sich hier nicht wohlfühlt ist selber schuld“.

Wie kamen Sie in den Rotary-Club Lippetal?

Felmy: Der erste Präsident, Andreas Lang, hat mich damals überzeugt, schon als Gründungsmitglied mitzumachen. Inzwischen bin ich zwölf Jahre dabei, war auch selber im Jahre 2010/2011 Präsident und übernehme, inzwischen Ehrenmitglied, von Fall zu Fall -gemeinsam mit dem Vorstand - Sonderaufgaben, wie jetzt die organisatorische Vorbereitung der Matinee zum Film „Wir Wunderkinder“ am Sonntag.

Hat sich das Schauspiel-Talent von Hansjörg schon in der Familie gezeigt?

Mit 85 körperlich und geistig frisch: Der Soester Hubertus Felmy.

Felmy: Signifikant. Er war noch keine zehn Jahre alt, als er im gemeinsamen Arbeitszimmer bei den Schularbeiten mit seinen Reklam-Heftchen, Schal und Mütze, auf und ab stolzierte und Klassiker zitierte. Später besuchte er jeden Abend das Staatstheater in Braunschweig, um sich zu den Bühnenarbeitern zu gesellen und hinter der Bühne zu lauschen und Texte auswendig zu lernen. Es war seine Passion, aber er war auch sehr musikalisch mit einer angenehmen Stimme. Der Gesanglehrer fand es aber ungewiss, ob er damit Karriere machen könne. Seine Schauspiellehrerin dagegen war von ihm überzeugt, hat ihn sehr gefördert und ihm vier Jahre Sprechunterricht gegeben, den er später bezahlen konnte. So hatte Hansjörg eine exzellente Basis für seine schnelle Entwicklung als Schauspieler. Er ging schon bald auf Tournee und spielte mit 20 bereits seine erste große Hauptrolle als Shakespeares Hamlet im Stadttheater Aachen.

Wie begann für Hansjörg die Karriere als Filmschauspieler?

Felmy: Regisseure und Autoren suchten damals auf den Theaterbühnen nach Nachwuchs. Hansjög wurde entdeckt. Sein Einstieg in die Filmszene war der Streifen „Stern von Afrika“, eine tragische Jagdfliegergeschichte aus dem zweiten Weltkrieg. Er wollte aber nicht die Hauptrolle, mit Joachim Hansen besetzt, sondern eine Charakterrolle. Danach drehte er einen U-Boot-Film, eine Art Antikriegsfilm mit dem Titel „Haie und kleine Fische“. Er spielte, ebenso wie Horst Frank einen jungen Kadetten. Es folgten zahlreiche Filme mit bekannten Namen wie Curt Jürgens, Hans Albers, Uschi Glas

Tatorte mit Felmy waren Straßenfeger. Wissen Sie, wieviel er gedreht hat und haben Sie zugeschaut?

Felmy: Es waren 20 Folgen im WDR von 1974 bis 1980. Natürlich habe ich fast alle gesehen. Er spielte so gut, ich wusste oft nicht mehr, dass es der eigene Bruder ist, der da über den Bildschirm flimmert. Weniger bekannt ist übrigens, dass Hansjörg auch bekannten ausländischen Schauspielern seine Stimme lieh und Sprecher in zahlreichen Hörspielen war.

Der Rotary-Club Lippetal zeigt am Sonntag, 6. April, den Schwarzweiß-Film „Wir Wunderkinder“ - ein Film über die Zeit von 1913 bis 1957. Leute, die den Film damals gesehen haben, sind heute mindestens so um die 70. Warum sollten sich gerade auch junge Leute diesen Film ansehen?

Felmy: Der Film präsentiert wichtigen geschichtlichen Hintergrund, die Entwicklung vom zweiten Weltkrieg in den Umbruch, den Wiederaufbau. Da hat eine ganze Generation in die Hände gespuckt und das Wirtschaftswunder vollbracht. Ich glaube es ist gut, wenn die Kinder und Enkel von heute noch einmal sehen und nachvollziehen können, was die Eltern damals erlebt haben.

Welche weiteren bekannten Schauspieler spielen in dem Film mit?

Felmy: Das waren unter anderem Robert Graf, Johanna von Koczian, Wolfgang Neuss, Elisabeth Flickenschildt, Jürgen Goslar, Pinkas Braun, Ingrid van Bergen, Horst Tappert, Ralf Wolter und Karl Lieffen.

Finden Sie, dass der Film die geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse von damals richtig wiedergibt?

Karten-Vorbestellung unter Telefon: 02921/9815383

Felmy: Da steckt natürlich eine subjektive Film-Geschichte dahinter. Es wird aber konkret durch den geschichtlichen Hintergrund und die Protagonisten, so einem ehemaligen Nazi, der nach dem Krieg erfolgreich weiterkommt und dem Journalisten Boeckel (Hansjörg Felmy), der kein Nazi war und seine Stelle vorloren hat. Der hat es im Gegensatz schwer, auf die Füße zu kommen. Aber die Jungen können auch lernen, was die Großeltern und Eltern geschaffen haben, in einer Zeit, in der es „nichts gab“. Heute ist es vielfach selbstverständlich, dass Kinder von dieser Lebensleistung profitieren. Sie bekommen manchmal außer dem Führerschein, das erste Auto und sogar die erste Wohnung geschenkt.

Wie ist bisher die Resonanz auf die Vorführung am Sonntag, 6. April, ab 11 Uhr im Soester Universum Kino?

Felmy: Ich habe gestaunt, dass in unserem Bekanntenkreis das Echo schon jetzt so groß ist und glaube, es dürfte eine gut besuchte Matinee werden. Wenn die Nachfrage diesen Trend bestätigt, kann es sein, dass im Universum weitere alte Filme als Matinee gezeigt werden, in denen mein Bruder mitspielt. Vielleicht wird dann auch noch einmal der Film Die Buddenbrooks gezeigt, in dem Hansjörg, gemeinsam mit Liselotte Pulver, seine stärkste Charakterrolle gespielt hat.

Der Film „Wir Wunderkinder“ läuft am Sonntag, 6. April im Universum Soest: Beginn ist um 11 Uhr, Einlass ab 10.30 Uhr, Dauer zirka zwei Stunden, Eintrittspreis 7,50 Euro.

In diesem Preis sind 2,50 Euro als Spende für die Rotary ShelterBox, ein Notfallzelt für Flüchtlinge und Katastrophenopfer in aller Welt, enthalten.

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