Angebot für Jugendliche

Rollisport-Gruppe bleibt immer am Ball

Beim Kin-Ball ist Teamwork gefragt: Der riesige Ball in Pink bereichert die Übungsstunden der Rollisport-Gruppe.
+
Beim Kin-Ball ist Teamwork gefragt: Der riesige Ball in Pink bereichert die Übungsstunden der Rollisport-Gruppe.

Lippetal – „Attacke!“ Los geht’s. Bei der Rollisport-Gruppe, die sich einmal die Woche in der Turnhalle der St.-Stephanus-Grundschule trifft, herrscht ein lockerer Ton. „Attacke, gib alles!“, ruft Trainer Mario Hoffert schmunzelnd, und die Truppe kommt in Schwung. Alle flitzen los, es wird gelacht, gejubelt und erzählt.

Stella und Hayden gehören mit fünf und sieben Jahren zu den jüngsten Teilnehmern. Sie schnappen sich den Ball, werfen ihn vergnügt und gucken, wo er landet. „Die oberste Regel heißt Spaß“, berichtet Mario Hoffert, der das Angebot für 5- bis 19-Jährige gemeinsam mit Merle Lehmann betreut – eine Aufgabe, die sie mit großer Begeisterung übernehmen. Einige Mütter stehen am Rand und schauen dem munteren Treiben zu. Sie schildern, wie wohl sich ihre Kinder fühlen, sie freuten sich schon lange im Voraus auf jedes der Treffen. Etwas Vergleichbares gebe es in der näheren Umgebung nicht.

Die beeindruckenden Leistungen alle vier Jahre bei den Paralympics zeigen es auf der ganz großen Bühne: Ein Rollstuhl muss nicht zwangsläufig das Ende jeglicher sportlichen Aktivität sein. Das dachten sich auch die Verantwortlichen vom SV Germania Hovestadt-Nordwald, die ihre Möglichkeiten nutzten, um im kleineren Rahmen körperlich eingeschränkte junge Menschen – und darüber hinaus alle, die Lust haben – einzuladen, sich fit zu halten, Koordination und Kondition zu trainieren, Geschicklichkeit zu üben und Gemeinschaft zu erfahren.

Sie starteten die Rolli-Gruppe und damit ein integratives Projekt für junge Athleten, die den Rollstuhl als pfiffiges Fortbewegungsmittel erleben, das vielseitig einsetzbar ist. Niemand steht still, alle machen aktiv mit. Ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht.

Die neueste Attraktion, von der sich Mario Hoffert und Merle Lehmann erhoffen, dass noch mehr Jugendliche zu ihnen kommen: Kin-Ball, eine riesige, robuste und zugleich leichte, luftgefüllte Kugel in Pink, die als Blickfang sofort in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt, einmal wegen ihrer leuchtenden Farbe, andererseits wegen ihres Durchmessers von immerhin 1,22 Meter bei weniger als einem Kilogramm Gewicht.

„Da ist Teamwork gefragt, das passt gut zu uns“, erklärt Merle Lehmann. Fairplay werde in der Turnhalle ohnehin groß geschrieben.

Die Spieler steigen schnell ins Geschehen ein: Sie schlagen den Ball, der nun möglichst nicht mehr den Boden berühren und im Aus landen soll. Die neue Trendsportart macht neugierig, und die Stimmung ist super.

Merle Lehmann nennt die wichtigsten Werte, die bei der jungen Truppe im Vordergrund stehen: Respekt, Kooperation und Barrierefreiheit. Der übergroße Ball, den das Sanitätshaus Asshauer & Cordes spendete, sei von Menschen unterschiedlicher Behinderung gut zu kontrollieren. Kin-Ball sei in Kanada erfunden worden und in Japan und Korea sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport sehr beliebt.

Bei der Rolli-Gruppe ist immer etwas los, langweilig wird es nicht. Die Teilnehmer messen sich beim Wheelsoccer-Turnier mit Teams befreundeter Vereine, sie entdecken – wie vor einiger Zeit – zum Beispiel auch das Blasrohrschießen für sich. Sie stellen sich vor der Zielscheibe auf. Dann heißt es: Einatmen, pusten – Volltreffer. Weitere Ideen sind jederzeit willkommen. Das Angebot lief von Anfang an rund. Mario Hofferts Tochter sitzt selber im Rollstuhl. Als er mit ihr zum Sport gehen wollte, musste er damals bis nach Dortmund fahren. Das kostete viel Zeit. Also kam er auf den für ihn naheliegenden Gedanken, in Lippetal eine Gruppe aufzuziehen. Gesagt, getan. Die Gruppe hat längst ihren festen Platz im Programm des SV Germania. Der Verein freut sich über jeden, der sich anschließt. Wer keinen Rollstuhl hat bekommt einen während der Trainingszeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare