"Nicht gaffen, sondern handeln"

Video: Hier fährt der Lkw unkontrolliert durch Vorgärten - das sagt der Held von Oestinghausen

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Stephan König mit seinem blauen Piaggio-Roller vor dem Haus: Für die Regional-Teams musste der Held vom Vortag noch einmal so tun, als ob er dem Lkw hinterherjagt, um ihn auf seiner Geisterfahrt zu stoppen.

Oestinghausen – „Courage zeigen, nicht nur gaffen, auch wenn‘s mal auf den Knöchel geht“, das ist die Einstellung von Stephan Koenig, dem Helden vom Oistinger Feld. Der 49-jährige Lippetaler hatte am Montag unter Lebensgefahr einen Lkw gestoppt.

Der Laster war unter den Augen von dutzenden entsetzten Anwohnern mehrere Male ziellos rund um die Oestinghauser Wohnsiedlung gerollt und hatte dabei ein Auto und mehrere Vorgärten gerammt und überrollt. 

Auch bei Streit und Schubsereien im Alltag will Stephan Koenig nicht wegsehen, sondern eingreifen. Und das fordert er auch von seinen Mitmenschen.

"Ich will mich nicht aufspielen!"

Und genau deshalb hat er seine Geschichte am Dienstag auch nochmal dem Anzeiger und mehreren TV- und Radiosendern geschildert. 

„Ich will mich nicht groß aufspielen, aber im Sinne meiner Überzeugung, dass Handeln in Problemsituationen besser ist als Handy-Videos zu drehen, spiele ich mit“, sagte Stephan König, setzte seinen Motorrad-Helm auf und schwang sich auch schon auf seinen blauen Piaggio-Roller, um die Szene nachzustellen, in der er zuletzt den Lkw verfolgte, der zerstörerisch durch die Siedlung Oistinger Feld geisterte. 

Seit vier Jahren in Lippetal

Der 49-jährige Kfz-Mechaniker stammt aus Drensteinfurt und kam vor vier Jahren mit seiner Frau nach Oestinghausen. 

Seite älteste Tochter Veronika ist mit 29 Jahren schon erwachsen, Töchterchen Lara (4) lebt mit ihm und Ehefrau Antje am Oistinger Feld. 

Leidenschaft für Kraftfahrzeuge

Dort stehen nicht nur die beiden Pkw der Eheleute, darunter ein Cabrio, sondern auch ein Motorrad (1000-er Aprilia), ein Quad und zwei Roller. Seinen blauen „Heldenroller“ hat Stephan Koenig übrigens gerade bei ebay verkauft. Der Käufer zahlte freiwillig 50 Euro mehr, nachdem von der Rettungstat des Vorbesitzers in Lippetal erfahren hatte. 

Koenigs Leidenschaft ist sein Beruf. Bei Westfalia Automotive baut er die V-Klasse von Mercedes zum Wohnmobil um. Er schneidet das Dach ab und baut Inventar und ein Aufstelldach ein. Am Oistinger Feld kennen ihn die Nachbarn in der Umgebung als Autofachmann. Deshalb wird er auch gerne mal engagiert, um das eine oder andere Problem am Rasenmäher oder am Auto zu inspizieren und Tipps zu geben. 

Nachbarn dankten für mutigen Einsatz

Nach seiner Heldentat kamen die Nachbarn vom Oistinger Feld abends alle zusammen vor seiner Garage, um Dank zu sagen für die mutige Tat. „Er hätte dabei ja auch selber unter die Räder kommen können“, loben Joachim Wiens und seine Frau Jenny den tatkräftigen Nachbarn. Sie saßen am Küchentisch, als das Monstrum immer wieder vorbeirollte und dabei auf einen Findling in ihrem Vorgarten auffuhr. 

Lesen Sie auch: Heldentat: So stoppte ein Oestinghauser die Lkw-Geisterfahrt eines Werlers

„Der hat ein paar Mal vor und zurückgesetzt, bis er wieder frei war“, schildern die beiden. Ihre Kinder schrien, als der Laster unmittelbar vor dem Haus durch den Vorgarten rangierte. 

Glück, dass keine Kinder hier spielten

„Nur ein Glück, dass in der Zeit keine Kinder auf der Straße waren“, sagt Mutter Jenny, ihr Kindergarten war an dem Tag geschlossen. Es hätte also auch sein können, dass die draußen spielen“, will sie sich gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. 

Joachim Wiens aus der Nachbarschaft schilderte vor den Kameras der TV-Regionalsender die Geisterfahrt des 38-Tonners vor seiner Haustür. Die Familie saß gemeinsam am Küchentisch, als der Laster die Siedlung mehrfach umrundete.

Jenny und Joachim und weitere Nachbarn wollen Stephan König jetzt ein persönliches T-Shirt anfertigen lassen mit der Aufschrift „Held vom Oistinger Feld“. 

Noch am Abend der Geisterfahrt war der Betriebsleiter der Spedition aus Dortmund in der Straße zur Visite. Der Diplomingenieur bedauerte das Geschehen und offerierte den Geschädigten, sich wegen der Schadensregulierung bei ihm zu melden. 

Spediteur entschuldigt sich und dankt

Ausdrücklich dankte er Stephan Koenig für dessen mutiges Eingreifen. Über die Motive des Fahrers vermochte er noch nichts zu sagen. Der liege noch auf der Intensivstation und sei nicht ansprechbar. 

Seiner Kenntnis nach habe der Fahrer in Oestinghausen und im Oistinger Feld „nichts zu suchen“ gehabt. Warum er dort aufgekreuzt war, sei ihm schleierhaft. Indessen wurde bekannt, dass der Unglücksfahrer vor seiner Irrfahrt in Lippetal schon einen Unfall gehabt haben soll. Seitenspiegel und ein Warnlicht seien dabei beschädigt worden.

Das Video

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