Gewinn durch Futtermittel, Energie und Einzelhandel

Raiffeisen-Genossenschaft steigert Umsatz

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Die Zukunft des Raiffeisen-Geländes in Herzfeld ist weiter ungewiss.

Werl/Herzfeld – Um die sinkende Akzeptanz der Landwirtschaft im Allgemeinen und den steigenden Umsatz der Raiffeisen-Genossenschaft im Speziellen ging es jetzt bei der Generalversammlung in Werl.

Nicht genug damit, dass das vergangene Jahr das heißeste und trockenste war seit Aufzeichnung der Wetterdaten. Kommt zum Jahresende auch noch das ZDF daher, vermiest Friedrich Becker sechs Tage vor Weihnachten so richtig den Festtagsbraten und „verunglimpft die Landwirtschaft nach Strich und Faden".

Die Satire-Show „Die Anstalt“ hat sich die Themen Massentierhaltung und überbordender Fleischkonsum, vor allem aber die Person des Landwirtschaftsfunktionärs Johannes Röring, der unter anderem auch im Beirat der Münsteraner und Hannoveraner Agravis Raiffeisen AG sitzt und von der Show als „Hochleistungslobbyist“ gescholten wurde, vorgeknöpft. 

„Die Landwirtschaft wird permanent negativ dargestellt“, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisen Sauerland-Hellweg-Lippe eG am Dienstagabend vor einer Vielzahl von Zuhörern bei der Generalversammlung in der Werler Stadthalle.

 „Es gilt heute als verwerflich, dass mit Naturprodukten Geld verdient werden soll“, spielt er auch direkt auf die gerade erst von den Werler Grünen angestoßene Diskussion um einen geplanten Bioland-Betrieb bei Holtum an, die monierten: „Das Vorhaben unter dem Begriff Hofstelle zu ermöglichen, verschleiert den industriellen Charakter des Betriebes“. 

Weniger Schweinefleisch 

Nun, Geld verdient hat die Raiffeisen im vergangenen Geschäftsjahr auf jeden Fall – trotz Schweinepest, trotz einzelner Pflanzenschutzmittel, die bald verboten sein könnten, trotz rückläufigen Fleischkonsums gerade bei den Schweinen, die Geschäftsführer René Schwarz auf sinkende Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung zurückführt, und trotz des harten Sommers. 

Wobei man nicht vergessen darf, dass ein solches Geschäftsjahr wie ein Schuljahr im Sommer beginnt und endet, das letzte also schon seit über sechs Monaten vorüber ist, sodass sich die Verluste durch die Hitzeperiode auf zwei solche Zeiträume verteilen. In allen Getreidearten fielen die Erträge deutlich geringer aus als im Vorjahr. Nur der guten Partnerschaft mit ihrem Energielieferanten sei es zu verdanken gewesen, dass Heizöl und Diesel weiterhin lieferbar gewesen sein und auch den Raiffeisen-Tankstellen nicht der Treibstoff ausging. 

Gut laufen Energie, Futter und Einzelhandel 

Dass die Raiffeisen positiv aus dem Jahr hervorgeht, verdankt sie vor allem den anderen Geschäftsfeldern, die die Verluste wieder auffingen: Futtermittel, Energie und Einzelhandel. Schwarz: „Die Halbjahreszahlen zeigen aber, dass sich die Genossenschaft vom schlechten Start erholt hat und sich auf einem guten Weg zu einem wiederum erfolgreichen Geschäftsjahr befindet.“ Laut der von ihm vorgelegten Zahlen verzeichnete die Genossenschaft mit 167 Millionen Euro ein deutliches Umsatzhoch gegenüber dem Vorjahr (161 Millionen Euro). Für das laufende Jahr geht man allerdings von nur noch 165 Millionen aus. Die gute Ertragslage ermöglicht der Genossenschaft eine Warenrückvergütung auf die Umsätze der Mitglieder sowie die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von vier Prozent. Der Rest des Jahresüberschusses wird den Rücklagen zugeführt. 

Bestellung künftig per App 

Eine aktuelle Herausforderung, so Schwarz weiter, sei die Digitalisierung, „durch die sich auch unsere Branche extrem verändern wird. Darauf wollen wir vorbereitet sein“. Hier stellte er zum einen die Möglichkeit vor, sich per WhatsApp automatisch über Neuigkeiten aus der Genossenschaft zu informieren, zum anderen eine eigene App zur raschen Futtermittelbestellung. 

Geschäftsführer René Schwarz (links) und der Vorstandsvorsitzende Stefan Behle (Vierter von rechts) gratulierten den Mitgliedern des Aufsichtsrates zur Wiederwahl (von links): Friedrich Becker, Thomas Eckey, Barbara Holthoff, Burkhard Wiehoff, Michael Winkelmeier und Bernd Kramer.

Eine weitere Neuerung: Aufgrund der Beteiligung an anderen Gesellschaften und zur Vermeidung daraus folgender Risiken hat der Aufsichtsrat beschlossen, gleich drei neue Gremien zu bilden: Einen Finanzausschuss, der sich mit den Bilanzen des Unternehmens und seinen Beteiligungen auseinandersetzt, sowie je einen Ausschuss fürs Risikomanagement und für Vertragsangelegenheiten.

Standort Herzfeld: „Wir loten die Möglichkeiten aus“

Für den Standort Herzfeld konnte Geschäftsführer René Schwarz noch keine Neuigkeiten vermelden. Wie berichtet, soll das Agrargeschäft des Raiffeisen-Markts samt der Silos ins neue Gewerbegebiet „Am Tannenbusch-Nord“ umziehen. Am alten Standort soll im Gegenzug ein neues Gebäude für den bestehenden Penny-Markt und einen weiteren Anbieter gebaut werden. 

Die Drogeriekette Rossmann sprang jedoch „völlig überraschend und ohne einen triftigen Grund“, so Schwarz, ab. „Weitere Anfragen laufen, aber das läuft alles deutlich langsamer ab als zwischen Ihnen und uns“, so der Geschäftsführer gegenüber den Genossenschaftsmitgliedern. „An der Frage, ob und wie wir den Standort Herzfeld ausbauen, arbeiten wir dennoch mit Hochdruck und loten die Möglichkeiten über die kommenden Wochen und Monate aus, und vielleicht können wir bei den nächsten Informationsveranstaltungen da auch schon Näheres berichten. Wir stehen dabei immer im engen Austausch und Kontakt mit der Lippetaler Gemeindeverwaltung.“

Standort Werl: 100 000 Tonnen Schweinefutter

Die vor einem Jahr mit der Raiffeisen Westfalen-Mitte gegründete Raiffeisen Saatgut Gmbh sei „just in time“ gewesen, so René Schwarz, „wir konnten 4000 Tonnen Saatgut erzeugen“. Die GmbH mit Sitz in Werl hat von der Raiffeisen Westfalen-Mitte einen Produktionsstandort in Geseke gepachtet. In Werl selber habe man als Investition in die Zukunft zu Beginn des Jahrzehnts deutlich die Mischfutterproduktion ausgebaut, „dadurch sind wir heute in der Lage, am Standort Werl im Jahr 100 000 Tonnen Schweinefutter zu erzeugen“.

Standort Hamm: Zweites Mischfutterwerk bringt Vorteile

Als eine ihrer größten Investition in die Zukunft bezeichnet Schwarz nach der Gründung des Agrar-Logistik-Hafen-Hamm den dortigen Bau des zweiten Mischfutterwerkes. „Damit haben sich viele Vorteile ergeben, von denen wir heute profitieren“, so der Geschäftsführer René Schwarz gegenüber den Genossenschaftsmitgliedern. „Wir hatten hier sofort die Möglichkeit, konsequent zwischen genetisch-veränderter und nicht-veränderter Produktion zu trennen, woran aus meiner Sicht in der Branche auf die Dauer kein Weg vorbei geht. Wir profitieren im Bereich der Getreidevermarktung – schnellere Abwicklung ist hier das Schlüsselwort, sowohl für die Landwirte, die abliefern, wie auch für unsere eigene Logistik. Mittlerweile schlagen wir hier im Hafen Hamm den Großteil unseres festen Düngers um, was ebenfalls eine Abrundung unseres Logistikkonzeptes ist. Wir freuen uns schon jetzt auf weitere Synergieeffekte am Standort Hafen Hamm.“

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