Der strenge Blick aufs Gefieder

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Wilfried Fischer (links) kennt sich aus mit Tauben: Er züchtet selbst und ist seit 42 Jahren Kampfrichter. Der 13-Jährige Klaas Janning aus Oestinghausen tritt in seine Fußstapfen.

Oestinghausen – Wilfried Fischer und die Tauben – das ist eine Leidenschaft, die tragisch begann. 15 Jahre alt war er, als sein Hund überfahren wurde und starb.

Sein Vater schenkte dem seinerzeit tief trauernden Teenager zwei sogenannte „Taubenschwänze“ und gewann so Fischers Herz für die Taubenzucht. Mittlerweile, sehr viele Jahre später, ist der 72-Jährige gefragter Kampfrichter und bestimmt darüber, welche Taube bei einem Wettbewerb die Preise abräumt. Was aber macht eine Taube preiswürdig? 

Wie Tauben bewertet werden?

Wie beurteilt Fischer, der schon seit 42 Jahren als Kampfrichter im Einsatz ist, welcher der Züchter, die sich heute bei der Schau der Reisevereinigung (RV) Soester Börde mit ihren Tieren präsentieren, Urkunden, Pokale oder Medaillen bekommt? Insgesamt 263 Tauben sind an diesem Samstag und Sonntag in der Gemeinschaftshalle Oestinghausen an der Wiltroper Straße zu bewundern – mehr als 70 Tiere begutachtet aber kein Juror. „Und selbstverständlich denkt jeder Züchter, dass er die schönste Taube gezüchtet hat“, weiß der Rentner und frühere Angestellte bei einem großen Kommunikations-Unternehmen. „Da gilt es ganz sachlich nach den vorgegebenen Kriterien zu urteilen.“ 

Tagesform bei Tauben 

So beispielsweise in „Kategorie vier“ der insgesamt fünf Beurteilungs-Kategorien, in denen es um 27 bis 29 der insgesamt maximal 95 Gesamtpunkte, die eine Taube erhalten kann, und um „Muskulatur, Harmonie und Gleichgewicht des Körpers“ geht:. „Auch eine Taube hat selbstverständlich Tagesform“, erläutert Fischer: „Und so kann es sein, dass sie sich bei nächster Gelegenheit ein paar Viertel-Punkte besser oder schlechter präsentiert.“ Heute präsentieren sich die Tauben von Bernhard Jochem und Hubertus Mues in Topform. Sie gewinnen die Preise für „besonders schöne“ Tauben – Jochem mit einem Männchen, Mues mit einem Weibchen. 

Selber auch als Züchter unterwegs

Kampfrichter Fischer ist natürlich selber auch Züchter. Sein Verein ist „Soest 1“, der sich „Heimkehr Soest“ nennt, der älteste Verein der insgesamt 18 Vereine in der Soester Reisevereinigung. Nachwuchssorgen drücken jeden dieser Vereine – und auch die Juroren: „Früher waren wir in unserem Bereich bis Hamm und Lippstadt bis zu 48 Preisrichter. Inzwischen sind wir nur noch zehn Aktive. Die Entwicklung ist wie die der Brieftaubenzucht leider rückläufig.“ Nachwuchs macht Mut Umso mehr freut sich Wilfried Fischer, wenn sich wie beim RV junge Menschen wie der 13-jährige Klaas Janning aus Oestinghausen engagieren: „Das macht uns Mut.“ Und noch einen weiteren Grund zur Freude hat Wilfried Fischer heute. In Oestinghausen war er nämlich nicht nur als Preisrichter aktiv, sondern auch als Züchter erfolgreich. Und konnte einen ersten und einen dritten Preis mit seinen Tauben erringen.

Die Bestplatzierten der RV-Ausstellung 2019

Sonderklasse 1A - alte Vögel mit mindestens zehn Preisen 1. Preis: SG (Schlag-Gemeinschaft) Janning 2. Preis: B.Jochem 3. Preis: SG Lübbers-Wegmann

Sonderklasse 1B - alte Weibchen mit mindestens acht Preisen 1. Preis: H.Mues 2. Preis: SG Lübbers-Wegmann 3. Preis: SG Brede

Klasse 1a - alte Vögel mit mindestens fünf Preisen 1. Preis: B.Jochem 2. Preis; P.Küssner 3. Preis: W.Fischer

Klasse 1b - alte Weibchen mit mindestens drei Preisen 1. Preis: W.Fischer 2. Preis: D.Hatton 3. Preis: B.Jochem

Klasse 2a - jährige Vögel mit mindestens vier Preisen 1. Preis: H.Mues 2. Preis: H.Böhmer 3. Preis: SG Lübbers-Wegmann

Klasse 2b - jährige Weibchen mit mindestens zwei Preisen 1. Preis: H.Mues 2. Preis: B.Jochem 3. Preis: SG Brede

Klasse 3a - junge Vögel mit mindestens einem Preis 1. Preis: B.Jochem 2. Preis: SG Bialas 3. Preis: B.Jochem

Klasse 3b - junge Weibchen mit mindestens einem Preis 1. Preis: SG Lübbers-Wegmann 2. Preis: P.Küssner 3. Preis: SG Bialas

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