Rettungshubschrauber im Einsatz

Heldentat: So stoppte ein Oestinghauser die Lkw-Geisterfahrt eines Werlers

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Der 38-Tonner des Werler Lkw-Fahrers.

Oestinghausen - Als der Lkw mit Sattelauflieger gegen 11.40 Uhr zum wiederholten Mal unheimlich langsam vor seiner Garage in der Anlieger-Straße Oistinger Feld vorbei rollte, da wurde Stephan Koenig misstrauisch. Dem 49-jährigen Kfz-Mechaniker kam die Sache mulmig vor.

Er beobachtete den 38-Tonner, der wiederum rechts und nochmal rechts abbog und erneut zur Umkreisung in die Wohnstraße hineinrollte. Unterwegs nahm der Fahrer, ein 54-jähriger Berufskraftfahrer aus Werl, auf der linken Seite mehrere Beete in den Vorgärten mit.

Da stimmt was nicht...

Stephan Koenig wurde schlagartig klar, dass er eine Art Geisterfahrer vor sich hatte und dass in der Siedlung Gefahr drohte. 

Stephan Koenig (49) stoppte den 38-Tonner.

Außerdem befürchtete er, dass der Fahrer sich unerkannt aus dem Staub machen könnte. Deshalb schnappte er sich seinen blauen 50er Piaggio-Roller und fuhr hinter dem Lkw her. 

Der Laster setzte seine Fahrt im unheimlichen Zeitlupen-Tempo unbeirrt fort, rammte weiter die die Vorgärten und zerlegte dann einen schwarzen Golf, der am linken Fahrbahnrand abgestellt war.

Nachbarn schrieen "Stop!" -- aber  vergeblich...

Stephan König warnte die Nachbarn, von denen einige inzwischen wegen des Geisterlasters aus den Häusern gekommen waren und den Postboten, der gerade vorbeikam. 

Vorgarten-Beete wurden überrollt.

Nachbarn vom Oistinger Feld schrien den Lkw-Fahrer an, stehen zu bleiben, doch der wirkte vollkommen apathisch, schaute nur geradeaus und fuhr langsam weiter in die nächste Runde.

Zugmaschine erklommen und Bremsschläuche gekappt

Stephan König schaffte es jetzt, den Lkw mit seinem Roller zu überholen. Er sprang ab, ließ den Roller liegen und kletterte beim vorbei fahrenden Lkw hinter dem Führerhaus auf die Zugmaschine. 

Als Kfz-Mechaniker, der bei Westfalia in Rheda-Wiedenbrück Wohnwagen zusammenbaut, ist er mit der Lkw-Bremsentechnik vertraut. Also packte er sich die Bremsschläuche und entriegelte die Schnellverschlüsse, so dass die Notbremse des 38-Tonners aktiviert wurde.

Danach kletterte er zum Fahrer hinauf, öffnete die Tür und versuchte, den Schlüssel abzuziehen, der Fahrer jedoch wollte schon wieder den ersten Gang einlegen, um weiterzufahren – dann in einem zweiten energischen Versuch, gelang es Stephan Koenig, den Zündschlüssel abzuziehen.

Kollaps des Lkw-Fahrers wird vermutet

Ein internistischer Notfall scheint laut Polizeiangaben die Ursache für die Geisterfahrt des Werlers zu sein. Der 54-jährige Fahrer konnte den Lkw letztendlich noch selbständig verlassen. 

Rettungskräfte forderten einen Hubschrauber an.

Er wirkte apathisch. Hinzugerufene Rettungskräfte vermuteten einen Kollaps und forderten sofort einen Rettungshubschrauber an, der den Werler später nach Lünen ins Krankenhaus flog.

44000 Euro Schaden

Durch den Unfall entstand laut Polizeibereicht ein Sachschaden in Höhe von zirka 44.000 Euro. 

Dieser schwarze Golf wurde vom Lkw gestreift und schwer beschädigt.

Sofern weitere Anwohner im Oistinger Feld noch Schäden in ihren Vorgärten feststellen sollten, haben sie die Möglichkeit sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 02921-91000 zu melden.

Bereits in der vergangenen Woche war ein 43 Jahre alter Retter auf der A1 bei Wermelskirchen auf einen führerlosen Lastwagen gesprungen und hatte diesen gestoppt.

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