974 Pfeifen werden untersucht

Orgelbauer machen Frühjahrsputz

Orgelbauer Günter Pech und Organistin Susanne Flecke klären Detail.
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Orgelbauer Günter Pech und Organistin Susanne Flecke klären Detail.

Halbzeit bei der Generalreinigung der Orgel in der Oestinghausener St. Stephanuskirche: Nach dreiwöchiger Putzarbeit beginnen Günter Pech und Thomas Bertz, die beiden Orgelbauer der Werler Fachfirma Gebr. Stockmann, damit, die Pfeifen wieder in das Instrument einzubauen, das die gesamte Empore in der Kirche einnimmt. Mit seinen 14 Registern sei das Instrument eine typische Orgel für eine Dorfkirche, wie es sie etliche in der Umgebung gebe, sagen die Fachleute.

Oestinghausen – Der barocke Prospekt mit den dicken Putten, den Schnitzereien und zahlreichen Ornamenten wirkt so historisch wie der Altar. Tatsächlich aber ist dieser sichtbare Teil der Orgel nicht mal 50 Jahre alt. Er wurde gemeinsam mit dem gesamten Instrument im Jahr 1979 von den Werlern gebaut und im Erscheinungsbild dem prächtigen Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert angepasst.

Hinter dem Prospekt verbergen sich nicht nur neue Teile, sondern auch einige der Vorgänger-Orgel. Gut 20 Jahre nach der letzten Reinigung sei jetzt eine erneute große Putzaktion dringend fällig geworden, sagen die Fachleute. Sie haben sämtliche 974 Pfeifen ausgebaut, vom 2,40 Meter hohen Gedackt-Subbass bis zur nur wenige Zentimeter langen Schwester. Die großen Stücke schafften die beiden Orgelbauer mit viel Muskelkraft und einem Kran kurzfristig nach draußen vor die Kirche. „Draußen ist genug Platz, um sie mal kräftig durchzupusten“, sagt Günter Pech. Jede einzelne Pfeife wurde untersucht, gereinigt und von Staub und Ablagerungen befreit.

Im Gehäuse setzt sich Schimmel fest

Wichtig bei jeder Reinigung ist es auch, die Ladenbälge zu überprüfen. Sie werden mit der Zeit porös und müssen ersetzt werden, damit es keine unerwünschten Nebengeräusche in der Orgel gibt. Auch die Mechanik und die Trakturen werden gründlich überprüft: Funktionieren sie ohne Quietschen, wenn ein Register gezogen und eine Taste gedrückt wird?

Bevor die Pfeifen wieder in ihr Gehäuse kommen, wird auch das sauber gemacht. Die Orgelbauer kämpfen vor allem gegen den Schimmel an, der sich am Holz festsetzt. Günter Pech: „Das passiert schnell. Hier gibt es nur zwei Gottesdienste pro Woche, für die geheizt wird. Dazwischen ist die Kirche kalt. Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit und schon bildet sich Schimmel – auch an den Pfeifen.“

Was ein Orgelbauer braucht

Wenn alle Einzelteile gesäubert und die Pfeifen wieder eingebaut sind, geht‘s ans Intonieren und Stimmen. Da zeigt sich, dass ein Orgelbauer nicht nur über viel Kraft zum Schleppen der schweren Pfeifen, sondern auch über ein gutes Gehör und viel Fingerspitzengefühl zum Bearbeiten der sensiblen Pfeifen verfügen muss. Zudem ist eine dreieinhalbjährige Ausbildung nötig, um die „Königin der Instrumente“ sach- und fachgerecht behandeln zu können. Sechs bis sieben Wochen, rechnen die beiden Orgelbauer, werden sie brauchen, bis die Orgel in neuem Glanz erstrahlt und auch so klingt.

Organistin Susanne Flecke spielt derweil auf einem kleinen Portativ unten in der Kirche. Zurzeit könne sie wegen der Pandemie ohnehin keinen Gemeindegesang begleiten, sagt sie. Und zur Unterstützung ihres eigenen Gesang, den sie stattdessen anstimmt, reiche das kleinere Tasteninstrument völlig aus.

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