Mit OMA 4.0 digital ins hohe Alter

+
Thomas Becker und Nadine Günnewig lieferten bereits im vorigen Jahr die Ergebnisse für das neue Modellprojekt „Oma 4.0 – Wohnen im Alter“ mit digitalen Assistenzsystemen. Eine Wohnung der Gemeinde Lippetal wird dafür bereitgestellt.

Lippetal Fast alle hochaltrigen Lippetaler wollen ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden erleben. Das hat eine Umfrage unter fast 1300 Lippetaler Senioren ergeben. Können ihnen Computer und Roboter dabei helfen?

Sind Siri und Alexa nützlich für Senioren? Braucht es Lichtschranken, Sturzmatten und Roboter im Haushalt? Der Rat der Gemeinde Lippetal hat soeben das von Thomas Becker im Hauptausschuss präsentierte Projekt „OMA 4.0 -- Wohnen im Alter mit digitalen Assistenzsystemen“ einstimmig beschlossen und die Bereitschaft der Gemeinde Lippetal erklärt, eine geeignete Wohnung zur Verfügung zu stellen. Diese Wohnung sollen Hochbetragte demnächst besuchen und alle möglichen Hilfssysteme im Lebensalltag testen, erproben, einüben und herausfinden, welche für den eigenen Haushalt tauglich und sinnvoll einsetzbar sind.

Förderung mit 200000 Euro

Weil der „Demographische Wandel“ alle ländlichen Kommunen betrifft, förderte die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit einem Betrag von 200.000 Euro das Modellprojektprojekt „Wohnen-Mobilität-soziales Leben in Lippetal“. Projektträger war der Deutsche Caritasverband, Planung und Durchführung lagen bei Caritas-Vorstand Thomas Becker und Projektleiterin Nadine Günnewig. Neben der Lebenssituation der älteren Menschen wurden auch die Erfahrungen und Perspektiven der in Lippetal lebenden Flüchtlinge im Modellprojekt wissenschaftlich untersucht. Die gesamten Ergebnisse sollen in der nächsten Sitzung des Sozialausschusses detailliert vorgestellt werden.

Alle wollen zu Hause alt werden

Im Sommer 2019 wurden 1286 Personen (= über 75-Jährige) zu ihrer aktuellen Lebens- und Wohnsituation befragt. Nach einem unerwartet starken Rücklauf wurden 703 gültige Fragebögen ausgewertet. Die Rücklaufquote von 54,7 % lässt verlässliche Rückschlüsse auf die Wohn- und Lebenssituation sowie auf die Erwartungen und Bedürfnisse der Senioren zu.

Insbesondere folgende Erkenntnis wurde aus der Befragung gezogen: 80 Prozent der Senioren besitzen Wohneigentum. Fast alle wollen bis zu ihrem Lebensende in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben, auch wenn sie auf externe Unterstützung angewiesen sind. Nur wenige Senioren ziehen den Umzug in eine seniorengerechte Kleinwohnung in Betracht. Ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Wohnumfeld hat für die Befragten oberste Priorität.

Wünsche der Hochbetagten unterstützen

Um diesen Wunsch der Senioren zu unterstützen, haben der Caritasverband für den Kreis Soest und die Gemeinde Lippetal aus dem Ursprungsprojekt „Wohnen-Mobilität-soziales Leben“ das Folgeprojekt „Wohnen im Alter mit digitalen Assistenzsystemen - OMA 4.0“ entwickelt.

Das Projekt OMA 4.0 beinhaltet, dass die Gemeinde Lippetal für den Projektzeitraum eine Musterwohnung (2 Zimmer, Küche, Bad) zur Verfügung stellt. Der Wohnungsstandard soll dem Standard einer nicht-seniorengerechten Altbauwohnung entsprechen.

Marktreife Assistenzsysteme im Einsatz

Der Caritasverband stattet die Musterwohnung mit marktreifen digitalen Assistenzsystemen aus . Diese neuen digitalen Möglichkeiten sollen den Senioren möglichst lange ein selbstbestimmten Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen. Digitale Unterstützung ist möglich in den Bereichen

- Sicherheit, Hilfestellung, Nothilfe

- Gesundheit und Pflege

- Haushalt und Versorgung

- Kommunikation.

Die älteren Bürgerinnen und Bürger besuchen die Wohnung mit Begleitung, probieren die digitalen Assistenzsysteme aus und entscheiden, ob und welche Systeme sie in ihrer Wohnung nutzen wollen. Die bestehende Wohnberatung der Caritas unterstützt, wenn gewünscht, ebenfalls. Ehrenamtliche, die bereits in Lippetaler Gruppen und Vereinen organisiert sind, können darüber hinaus auch qualifiziert werden für die Begleitung und Beratung.

Bürgermeister Matthias Lürbke teilte im Hauptausschuss mit, das die Lokale Aktions-Gruppe (LAG) Lippe Möhnesee dieses Projekt zu mit dem Höchstfördersatz von 65 Prozent aus Mitteln des europäischen Strukturförderprogramms LEADER bezuschussten wird. 35 Prozent der Kosten wird der Caritasverband tragen. Die Gemeinde Lippetal hat die „Musterwohnung“ zu stellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare