Renaturierung

Quabbe soll sich schlängeln

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Lippborg - Ein Naturschutzgebiet ist kein Refugium für Lustwandler und Spaziergänger. Das erfuhren jetzt die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Lippetal bei der Vorstellung des Projektes „Renaturierung der Quabbe“ im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union.

Beginnend am Parkplatz Ilmerweg bis zum Ortsausgang soll die Quabbe entfesselt werden und eine Aue entstehen. Mit der Sperrung des nordöstlichen Bereichs als Renaturierungsgebiet waren allerdings nicht alle Ausschussmitglieder einverstanden. 

Betretungsverbot kritisiert

Herbert Schenk (SPD) und Hermann Josef Bütfering (CDU) hinterfragten kritisch das nach der Renaturierung geplante Betretungsverbot. Lippetals Bauamts-Leiterin Elisabeth Goldstein erläuterte, dass die im Verfahren beteiligten Naturschutzverbände und die untere Wasserbehörde beim Kreis Soest den nordöstlichen Bereich der Natur überlassen wollen. Das sei nicht verhandelbar gewesen.

Im Bereich zwischen der alten Quabbe-Brücke an der Grundschule und dem Ilmerweg solle es hingegen einen Spazierweg an der Nordseite der Aue geben. Außerdem werden auf der Südseite der Quabbeaue im Bereich der Grundschule zwei Zugänge zum Gewässer über Trittsteine eingerichtet, an denen gerade auch die Schüler der Ludgerus Grundschule in einem „blauen Klassenziummer“ in die Aue gelangen können. Entsprechende Beschilderung wird angebracht. 

Kosten rund 450 000 Euro

Die Kosten bezifferte Diplom Landschaftsökologe Carsten Bohn vom Referat Ökologie bei der Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe bei der Vorstellung des Projekts auf rund 450 000 Euro. Teile davon seien förderfähig. 

Die Lippborger sollen demnächst bei einer Bürgerversammlung detailliert informiert werden. Rund 15 000 Kubikmeter schwerer Lehmboden müssen am Bachlauf bewegt und teils abgefahren werden. Doch am Ende winken nicht nur eine von der EU geforderte bessere Wasserqualität, eine naturnahe Quabbeaue mit Platz für einiges Hochwasser mitten in Lippborg, sondern auch Öko-Punkte, die die Gemeinde Lippetal in verschiedenartige laufende sowie künftige Bauleitplanverfahren investieren könnte. 

Bei der Umsetzung der Renaturierung, die in Abstimmung mit der Bezirksregierung in Arnsberg und der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Soest vorgenommen wird, ging es zunächst darum, die notwendigen Flächen zu tauschen oder zu erwerben. 

Quabbe als Rückzugsraum

Beim Gewässerausbau wird das Gelände demnächst abgesenkt. Die Quabbe soll als Rückzugsraum zu einer kleinen Sekundäraue ausgebaut werden. Der Bachlauf wird nicht mehr in einer tiefen Rinne verlaufen, sondern abgeflacht auch um einige Landinseln mäandern. Stämme und Wurzeln einiger Pappeln, die gefällt werden müssen, werden als natürliche Barrieren in die Aue eingebaut. 

Eine Erstbepflanzung wird vorgenommen, um einen einseitigen Bewuchs mit Erlen zu verhindern. Bei Hochwasser kann sich die Quabbe in der gesamten Aue ausbreiten. Für Niedrigwasser wird eine Rinne belassen, in die sich das „Bächlein“ zurückziehen kann und nicht austrocknet. Ebenfalls wird es kleinere Wasserflächen so genannte Kolke geben, in denen das Wasser stehen bleibt und so Amphibien und Fischen auch bei „Ebbe“ in der Quabbe Lebensraum bietet. Zum Dorf hin wird die Aue abgesichert, um die Bebauung vor Hochwasser zu schützen.

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