NPD-Skandal geht weiter

BG-Chef nun selber in der Schusslinie - was wusste der Vorstand?

Auf Platz 4 der Reserveliste steht BG-Chef Christoph Hennigs bei der Wahl.
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Auf Platz 4 der Reserveliste steht BG-Chef Christoph Hennigs bei der Wahl.

Lippetal – Die NPD-Affäre der Bürgergemeinschaft Lippetal ist offenbar noch nicht vorbei. 

Zwar haben sich der Ortsverein und das frühere NPD-Mitglied Patrick Bronk-Schüßler vergangene Woche getrennt. Doch jetzt ist bekannt geworden: Der Vorstand der BG soll alles andere als ahnungslos gewesen sein, wen er sich da als Kandidaten für die anstehende Ratswahl an Land gezogen hatte. Vor wenigen Tagen noch hatte die BG erklärt, man sei „aus allen Wolken gefallen“ und habe nicht das Geringste geahnt.

Im Fokus steht jetzt der Vorsitzende der BG Lippetal, Christoph Hennigs. Er soll schon als Jugendlicher engen Kontakt zu Bronk-Schüßler gehabt und von dessen Vorliebe und Mitgliedschaft zur NPD gewusst haben. Die beiden seien Mitglied einer Lippetaler Clique gewesen, die sich regelmäßig traf, Feten feierte und eng untereinander befreundet war.

Lippetaler NPD-Skandal in der BG: Reichskriegsflagge an der Wand

Diese Informationen hat die Anzeiger-Redaktion von einem weiteren Mitglied der Clique erhalten. Es schildert detailliert, wie Bronk-Schüßlers Mitgliedschaft damals ausgesehen haben soll, und erwähnt die regelmäßigen Treffen des NPD-Stammtisches im benachbarten Dolberg. „Alle in der Gruppe hätten Bescheid gewusst.“ Man sei abwechselnd zu Hause bei den Clique-Mitgliedern gewesen und habe dabei auch die Reichskriegsflagge an der Wand im Kinderzimmer gesehen. Seine braune Gesinnung sei kein Geheimnis gewesen.

„Wir haben ihn damals dafür ausgelacht“, sagt der Informant. Schließlich habe man bei den Partys in Lippetal und anderen Gelegenheiten auch ausländische Freunde getroffen, ohne dass dies je zum Problem geworden wäre. Mit dabei: der heutige BG-Chef Christoph Hennigs.

Lippetaler NPD-Skandal in der BG: „Das stinkt gewaltig!“

Warum geht einer mit dieser alten Geschichte überhaupt an die Öffentlichkeit? „Mich hat gestört, dass Hennigs sich heute hinstellt und schlicht behauptet, er wisse nichts von der NPD-Mitgliedschaft Bronk-Schüßlers – das stinkt gewaltig.“ Wenn es nötig werden sollte, will der Informant seine Behauptungen mit einer eidesstattlichen Versicherung untermauern, sagt er.

Der Anzeiger hat gleich nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe Kontakt zu Hennigs aufgenommen. In einem Telefonat reagierte der eher lakonisch auf die Vorhaltungen und sagte nur: „Kein Kommentar“. Er wollte weder bestätigen noch dementieren, von der NPD-Mitgliedschaft gewusst zu haben. Man möge ihm doch die Fragen dazu schriftlich vorlegen.

Lippetaler NPD-Skandal in der BG: Alle Kontaktversuche abgelehnt

Diese Fragen hat er längst als E-Mail vorliegen; die vom Anzeiger erbetene Frist um Antworten ist längst abgelaufen. Auch der Versuch, Hennigs danach telefonisch zu erreichen, hat nicht geklappt; er nimmt das Gespräch nicht entgegen und antwortet nicht auf die Sprachnachricht auf seiner Mailbox.

Der Anzeiger hat sich inzwischen beim Kreisvorstand der Bürgergemeinschaft erkundigt, was da gerade im Lippetaler Ortsverein der BG laufe und wie man mit den neuerlichen Vorwürfen umgehen wolle. Vorsitzender Robert Bigge sagt: „Ich habe Hennigs mehrfach gefragt, ob er von der NPD-Mitgliedschaft gewusst hat; Hennigs hat das stets von sich gewiesen.“ Gleichwohl sei Bigge die Sache „komisch“ vorgekommen; schließlich seien Hennigs (29) und Bronk-Schüßler (34) in etwa gleich alt, und Hennigs habe ihn Anfang des Jahres auch zur BG geholt.

Lippetaler NPD-Skandal in der BG: Lückenlose Aufklärung gefordert

Doch Bigge sagt auch, es gebe keine Beweise für eine Mitwisserschaft des (Lippetaler) Vorstands und man äußere sich generell nicht zu Spekulationen. „An unserer Forderung nach einer lückenlosen Aufklärung durch die BG Lippetal hat sich nichts geändert.“

Bereits am Dienstagabend hatte der BG-Kreisvorstand in einer Telefonschalte versucht, von sich aus Licht ins Dunkel zu bringen. Ohne Erfolg. Bigge hätte gern mit Hennigs persönlich über die Sache geredet. Doch der habe auf die entsprechende Bitte per WhatsApp nicht reagiert.

Christoph Hennigs stammt aus Magdeburg, ist Wirtschaftsfachwirt und hat erst im vergangenen Jahr den Vorsitz der Bürgergemeinschaft in Lippetal übernommen. Bei der Kommunalwahl am Sonntag steht er auf Listenplatz 4 der BG.

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