Nach tödlichem Motorrad-Unfall: Treckerfahrer und Gemeindemitarbeiter stehen bald vor Gericht

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Nach dem Motorrad-Unfall, bei dem ein 17-Jähriger aus Lippetal starb, stehen bald Treckerfahrer aus Lippstadt und Gemeindemitarbeiter aus Wadersloh vor Gericht

Wadersloh/Beckum/Lippetal – Fast eineinhalb Jahre nach dem Verkehrsunfall in Wadersloh, bei dem ein 17 Jahre alter Motorradfahrer aus Lippetal ums Leben kam, wird es nun zum Prozess gegen den Treckerfahrer aus Lippstadt und gegen zwei Mitarbeiter der Gemeinde Wadersloh kommen.

Die Hauptverhandlung beginnt am Mittwoch, 20. Februar,um 9.30 Uhr im Amtsgericht in Beckum. Fortgesetzt wird der Prozess am Mittwoch, 6. März. Der zuständige Richter hat die Anklage der Staatsanwaltschaft Münster zugelassen und die Verhandlungstermine anberaumt, wie Helmut Seel, der Direktor des Gerichts, mitteilte. 

Das Gericht verbindet in der Hauptverhandlung das Verfahren gegen die Gemeindemitarbeiter mit dem gegen den Treckerfahrer aus Lippstadt, unter dessen Gespann der Motorradfahrer aus Lippetal am 5. September 2017 auf der Göttinger Breede geraten war. In beiden Fällen hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt und schließlich auch Anklage erhoben. Nebenkläger sind an dem Prozess nicht beteiligt. Nach Angaben von Seel hat niemand dafür die Zulassung beantragt. 

Wie berichtet, steht der Treckerfahrer vor Gericht, weil er offenbar dem jungen Lippetaler die Vorfahrt genommen hatte. Bei den Gemeindemitarbeitern geht es um angebliche Versäumnisse bei den Verkehrssicherungs-pflichten. Die Strafverfolger gingen dem Anfangsverdacht nach, dass es an der Unfallstelle Versäumnisse bei der Freihaltung des Sichtfelds von Bewuchs gegeben haben könnte. Dabei ging es um ein Maisfeld, das eine vorgeschriebene Sichttiefe von 200 Metern verhindert habe. 

Wadersloh ließ für 80.000 Euro Kreuzungen untersuchen

Als Reaktion auf den tödlichen Verkehrsunfall und die Ermittlungen gegen die eigenen Mitarbeiter hat die Gemeinde Wadersloh beschlossen, an sämtlichen Straßenkreuzungen auf ihrem Gebiet die Sichtfelder kontrollieren zu lassen. Dafür wurden 80.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Es geht um insgesamt 500 Kreuzungen. 

Die Untersuchung wird von einem Kraftfahrzeug-Sachverständigenbüro geführt. Bei der Hauptversammlung der drei landwirtschaftlichen Ortsverbände ging der Wadersloher Bürgermeister Christian Thegelkamp jüngst auf die Ergebnisse der Untersuchung ein. Demnach sind 250 Kreuzungen im Gemeindegebiet von dem Fachbüro als bedenklich eingestuft worden, was die Einsehbarkeit betrifft. Bislang ging Thegelkamp davon aus, dass man nun für jede einzelne Kreuzung eine Maßnahme erarbeiten muss, die mehr Verkehrssicherheit erzeugt. 

Tempolimits als mögliche Lösung

Jetzt scheint sich noch eine andere Lösung abzuzeichnen: „Die Experten haben herausgearbeitet, dass man mit Tempo-Regulierungen bei vielen der Kreuzungen etwas bewirken kann“, erklärte der Bürgermeister. 

Konkret: Je niedriger die Geschwindigkeit ist, mit der sich Fußgänger und Fahrer dem Punkt nähern, an dem zwei Straßen aufeinandertreffen, desto kleiner muss das so genannte Sichtdreieck sein, in dem sie den herankommenden anderen Verkehrsteilnehmer erkennen sollten. 

„Wir befinden uns daher in Gesprächen mit dem Kreis, ob und wo solche Tempozonen eingerichtet werden können“, verdeutlichte Thegelkamp und machte den mehr als 200 anwesenden Landwirten deutlich, dass die Gemeinde Wa–dersloh beim Thema „Sichtdreiecke“ Pionierarbeit leiste, und er den Kreis daher ein Stück weit in der Pflicht sehe. „Ich hoffe auf Unterstützung, denn die anderen Kommunen werden sich mit dieser Problematik ebenfalls be–schäftigen müssen“, bekräftigte er. Dass das schwierige Verhandlungen werden, liegt auf der Hand. 

Immerhin ist es das Anliegen der zuständigen Straßenbehörden, einen durchlässigen und zügigen Verkehr zu schaffen. Zu viele Regulierungen, etwa Tempo 70 in weiten Teilen des Kreisgebiets, scheinen da utopisch. Vielleicht könnten befristete Temporegulierungen, wie bei verschmutzten Fahrbahnen eingesetzt, greifen, wenn an manchen Kreuzungen Mais oder Roggen zu hoch stehen und den Verkehrsteilnehmern die Sicht nehmen.

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