Lockdown in Lippetal: Lage für einige Betriebe ist ernst

Wenig Menschen auf den Straßen, das ausgefallenen Weihnachtsgeschäft und nun der verlängerte Lockdown. Diese Kombination ist gefährlich.
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Wenig Menschen auf den Straßen, das ausgefallenen Weihnachtsgeschäft und nun der verlängerte Lockdown. Diese Kombination ist gefährlich.

Lippetal – Unterschiedliche Gewerbe, unterschiedliche Meinungen: Nach dem verlängerten Lockdown zeichnen die Vorsitzenden der heimischen Gewerbevereine ein differenziertes Bild. Klar ist: Die Lage ist ernst. Und es sind neue Konzepte gefragt.

„Für die vom Lockdwon betroffenen Betriebe wie zum Beispiel unseren Frisör ist die Situation sehr schwer. Und auch für die Gastronomie ist das eine Katastrophe“, sagt Klaus Nillies als Vorsitzender des Gewerbevereins in Oestinghausen. Bei vielen anderen Betrieben wie etwa Fleischern oder Handwerkers sehe das ganz anders aus. „Die können ja unter den Bedingungen relativ normal weiter arbeiten.“ Nun gehe es darum, die Kontakt zu den Kunden zu halten. Denn eins, das weiß Klaus Nillies auch aus eigener Erfahrung in seinem Versicherungsbüro: Viel lebt einfach vom persönlichen Kontakt. In vielen Gesprächen sei zudem zweierlei klar geworden: „Die breite Mehrheit trägt die verschärften Maßnahmen und den weiteren Lockdown mit. Und das Unverständnis über die, die sich nicht daran halten, wächst.“

KOMMENTAR von Jürgen Vogt

Bequemlichkeit oder regionale Vielfalt?

Kontakte einschränken? Ja. Jeden Gang vors Haus vermeiden? Nein. Im Januar 2021 liegt auch Lippetal im verschärften Lockdown. Dass betrifft uns alle. Jetzt geht es darum, Solidarität zu zeigen. Nichts spricht dagegen, beim Bekleidungsgeschäft meines Vertrauens anzurufen und nach Modischem fürs Frühjahr zu fragen. Oder im Baummarkt Bretter, Schrauben und Dübel zu ordern. Auch der Gang an die Tür des heimischen Restaurants ist nicht verboten. Im Gegenteil: Er drückt Solidarität aus mit einer Branche, in der es um die Existenz geht.

Die Waren werden in jedem Fall kontaktlos übergeben. Ansteckungsgefahr? Keine. Deshalb ist jetzt jeder Bürger aufgerufen, seine Wahl zu treffen: Für die heimischen Betriebe oder für den Online-Handel. Und damit auch für regionale Vielfalt oder heimische Bequemlichkeit. Apropos Bequemlichkeit: Was ihre Online-Angebote betrifft, da müssen viele Anbieter zwischen Lippborg und Herzfeld noch aufholen. Wer sie bis dahin trotzdem unterstützt, hat seine Wahl schon getroffen.

Ein geteiltes Meinungsbild stellt Eva Ierardi als Vorsitzende des Gewerbevereins Lippborg fest. Bessmann etwa habe zu kämpfen oder auch Marita Steinhoff vom Schuhhaus Beile lebe derzeit im Wesentlichen von den Vorbestellungen. Der heimische Handwerksbetrieb dagegen laufe weiter, „weil ja Kunden, deren Waschmaschine kaputt ist, geholfen werden muss“.

Differenziertes Meinungsbild beim Lockdown

Wenig Menschen auf den Straßen, das ausgefallenen Weihnachtsgeschäft und nun der verlängerte Lockdown: Diese Kombination bringe einige Mitglieder des Vereins in ernste Schwierigkeiten. Deshalb gebe es auch ein differenziertes Meinungsbild. „Einige sagen: Das müssen wir jetzt durchziehen. Andere halten die Maßnahmen für übertrieben“, so Eva Ierardi. Konsens dagegen sei, dass man das Virus nun endlich in den Griff bekommen muss. Bis dahin erneuert die Vorsitzende gerne ihren Appell: „Wer Lust auf etwas Besonderes hat, sollte den Service unserer Gasthöfe und Restaurants nutzen. Jetzt wird man zwar nicht bedient, die Qualität der Speisen ist aber weiterhin hoch.“

Wer Lust auf etwas Besonderes hat, sollte den Service unserer Gasthöfe und Restaurants nutzen. Jetzt wird man zwar nicht bedient, die Qualität der Speisen ist aber weiterhin hoch.

Eva Ierardi

Hoch ist der Druck bei vielen Gewerbetreibenden in Herzfeld. „Viele sehen den Lockdown sehr kritisch inzwischen, weil er sehr belastet. Trotzdem ist das Verständnis oft noch größer als die Sorge pleite zu gehen“, zeichnet Markus Goldstein das Meinungsbild aus Herzfeld. Der Vorsitzende des dortigen Gewerbevereins sammelt die Sorgen der Mitglieder, meint: „Viele nervt das stückweise Vorgehen. Gerade haben Sie sich auf etwas eingestellt, dann ändert sich schon wieder was.“ Betriebe, die aufgeben wollen? Solche Signale gebe es noch nicht. Dafür aber die große Sorge, „dass das Spuren hinterlässt und gefährlich ist was Mitarbeiter und Ergebnisse betrifft“. Auf der anderen Seite bestehe aber auch die Pandemie-Einsicht: „Anders bekommen wir es nicht hin.“

Durch Corona wird sich vieles ändern. Da sind Innovationen gefragt.

Markus Goldstein

Sorgen macht sich Markus Goldstein vor allem um den Einzelhandel. „Wir müssen aufpassen, dass die nicht kaputt gehen. Es ist ja einfach, bei Zalando oder Amazon zu bestellen. Aber das führt eben auch zu Orte ohne Einzelhandel.“ Es sei Zeit für eine Sonderabgabe für solche Unternehmen, schickt Goldstein einen Wunsch in Richtung Politik. Aber auch die heimischen Betriebe seien gefordert, sich besser im Online-Handel auszurichten. „Durch Corona wird sich vieles ändern. Da sind Innovationen gefragt.“

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