Schäfer will mehr für die Umwelt tun

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In der Natur, für die Natur: Tim Möller hat große Lust, mit seinen Schafen weitere Weideflächen zu pflegen.

Wiltrop - Insektenschutz, Vogelschutz, Landschaftsschutz: Damit geht Tim Möller täglich ganz praktisch um. Oder vielmehr seine Schafe. Gerne würde der Schäfer noch mehr für die Umwelt tun. Wenn er davon leben könnte.

Wenn Tim Möller im Sommer mit seinen Schafen von Wiltrop in Richtung Soest zieht, dann ist das ein echtes Abenteuer. Viele Lämmer sind erst wenige Wochen alt, die Hunde halten die Herde zusammen, setzen sich dabei gegen die Mutterschafe durch. Und immer wieder gibt es Kinder, die die Herde begeistert begleiten. „Nach der Lämmerzeit ist das die zweitschönste Zeit des Jahres für mich“, sagt Tim Möller. Der Mann ist gerne unterwegs mit seinen Tieren. Ein klassicher „Hüteschäfer“, der dauernd mit seinen Tieren umherzieht, ist er aber nicht. Seine drei Herden sind in der Regel auf Naturschutzflächen eingezäunt – und wechseln immer wieder die Standorte.

250 Tiere hat Möller derzeit. Wenn er von ihnen spricht, dann kann er sich kaum bremsen vor Begeisterung. Einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisteten sie, meint er. Dann zeigt er auf seine Schafe, die gerade in Soest auf einer Weidefläche neben der alten Zuckerfabrik grasen. „Sehen Sie, wie die manche Pflanzen stehen lassen?“, fragt er. Die Antwort gibt er selbst: „Zum Beispiel die Brennnessel. Die fressen die Schafe erst nach der zweiten Blüte – und dann kommen sie nicht so schnell wieder.“ Das „selektive Fressen“ sei ideal für die Pflanzenvielfalt. Seine Schafe leisteten aber noch viel mehr: Mit ihrem Kot würden Insekten angelockt, die auf den von Schafen belegten Wiesen ohnehin ein reichhaltiges Angebot hätten. „Und wenn es viele Insekten gibt, dann ist das auch gut für die Vögel.“ Mit dem Kreis Soest hat Tim Möller Verträge für Landschaftsschutzflächen. Was ihn stört: „Die Leute meinen immer, dass wir von den Schafen ganz gut leben können. Aber das stimmt nicht. Wenn ich das zu den aktuellen Bedingungen hauptberuflich machen würde, dann hätte ich eine Sieben-Tage-Woche und nicht mal den Mindestlohn.“

Nur „mit viel Liebe und aus Überzeugung“ könnten Schäfer heute noch ihrer Arbeit nachgehen. Zwar gebe es noch Erlöse für die schlachtreifen Lämmer, aber Tierarztkosten, Weidezäune und „das ganze Drumherum“ seien echte Kostentreiber. „Und für die Wolle bekommt man heute sowieso nichts mehr.“ Eigentlich, so Möllers Appell, müsste die Arbeit des Schäfers doch viel gefragter sein. Schließlich speicherten die Weideflächen der Schafe viel CO2 und trügen zum Insekten- und Vogelschutz bei. „Das ist eine Dienstleistung, die der Gesellschaft auch etwas wert sein sollte“, meint er.

Bei Ralf Jost, Biologe bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU), rennt Möller mit seinen Argumenten offene Türen ein. „Die Beweidung fördert die Artenvielfalt, erhält Lebensräume auch für seltene Arten. Die Beweidung durch Schafe verhindert auch die Verwaldung der Flächen“, sagt er. Für sinnvoll hält es Jost, möglichst viel mit den Tieren umherzuziehen, „weil das lange Verweilen auf kleinen Flächen zu einem großen Verbiss führt.“ Tim Möller hofft nun auf gesellschaftlichen und politischen Rückenwind. „Hier gibt es viele Flächen, die beweidet werden könnten“, sagt er. Möglich wären etwa öffentliche Gebiete wie die Lippetaler Löschteiche oder Flächen im Soester Stadtpark.

 Klappt Möllers Plan, dann kommt noch ein schöner Nebeneffekt zum Tragen: Beim Beobachten der Schafe fällt jede Hektik ab. Und Tim Möller kann sich gut vorstellen, Kindern und Jugendlichen seine Arbeit näher zu bringen. Und Lust zu machen auf den Beruf des Schäfers. Was er dem Nachwuchs sagen würde? „Die Lammzeit, dass ist die schönste Zeit des Jahres.“

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