1. Soester Anzeiger
  2. Lokales
  3. Lippetal

Reitvereine nehmen neuen Anlauf

Erstellt:

Von: Ilka Platzek

Kommentare

Das Bild zeigt die Arbeit mit den Kindern an einem Sommertag auf der Weide.
Das Bild zeigt die Arbeit mit den Kindern an einem Sommertag auf der Weide. © Verein

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Britta Rüsing-Brüggemann, Vorsitzende des Vereins Pferde, Freizeit und Natur in Lippetal. 

Lippetal - Der 2004 gegründete Verein mit dem Schwerpunkt Voltigieren hat sich mit viel persönlichem Engagement der Mitglieder durch den Lockdown gerettet. „Wir haben zu allen Mitgliedern Kontakt gehalten, kleine Filme gedreht und Postkarten von unseren Pferden verschickt.“

Der Verein hat 170 Mitglieder – überwiegend Kinder und Jugendliche – und fünf Schulpferde, die alle sowohl fürs Voltigieren, als auch als Reit- und Therapiepferde eingesetzt werden. „Es sind zwei große Pferde und drei Ponys“, erzählt Rüsing-Brüggemann.

Als zumindest Kinder bis 14 Jahre wieder reiten und voltigieren durften, habe man – wie vorgeschrieben – draußen geübt. „Mit passender Kleidung, Matten und Bällen ging das. Die Eltern haben das unterstützt.“ Die vorgeschriebenen Pandemie-bedingten Abstände wurden mit Reifen kindgerecht markiert. Das Engagement hat sich gelohnt. Die Vorsitzende weiß von nur einer Abmeldung.

Wer jetzt mit dem Voltigieren anfangen will, muss sich ein wenig gedulden: „Gerade im Bereich der Dreijährigen knubbelt es sich im Momente ein bisschen. Ältere Kinder, die bereits Vorkenntnisse mitbringen, können allerdings in bestehende Gruppen hineinrutschen, denn da ist nach den Sommerferien immer etwas Fluktuation“, weiß die Vorsitzende aus Erfahrung.

Die Voltigierer haben aktuell Trainingsrückstände. „Zum Teil ist die Kraft weg. Sie müssen erst einmal wieder ein gewisses Level erreichen.“ An Wettkämpfe ist noch nicht zu denken.

Erfreulich findet es Britta Rüsing-Brüggemann, dass die Nachfrage nach Therapiereitstunden gestiegen ist. Viele erwachsene behinderte Reiter seien gekommen, weil sie zum Teil nicht in ihre Werkstätten durften und mehr Freizeit als üblich hatten.

Drittes Schulpferd für Reitverein Herzfeld

Auch der Reitverein Diestedde-Herzfeld in Lippetal leidet noch unter den Nachwehen des Lockdowns. Beisitzerin Ines Wessel hatte im Februar berichtet, dass man eigentlich ein drittes Schulpferd anschaffen wollte, diese Investition aber erst einmal zurückgestellt habe. Damals war man froh, dass Einstaller, also Besitzer eigener Pferde, sich um die beiden vorhandenen Tiere, einen Haflinger und einen Tinker, kümmerten und diese auch bewegten. Der Verein ist auf die reiterliche Früherziehung für Drei- bis Sechsjährige spezialisiert. Gelehrt wird sowohl klassisches Reiten als auch Westernreiten. Die Schulpferde kennen beide Reitweisen. Während des Lockdowns hatte man versucht, Kontakt zu den verhinderten Reitern zu halten: „Die Kinder vermissen unsere Ponys und fragen, wie es ihnen geht, und wir schicken Fotos und Videos,“ berichtete die Beisitzerin damals. Der Verein litt nicht nur unter den fehlenden Einkünften vom Reitunterricht, sondern auch von den drei Turnieren, die 2020 nicht stattfinden durften.

Jetzt, im Herbst 2021, gibt es immer noch kein drittes Schulpferd: „Es ist im Moment superschwer, Pferde zu finden, gerade, wenn das Budget beschränkt ist“, bedauert Wessel. Der Markt ist leergefegt, die Preise sind entsprechend hoch.

Aber das ist es nicht allein: „Einige Mitglieder sind abgesprungen, überwiegend passive, die meisten haben weitergezahlt.“ Es gibt also genügend Interessenten an Reitunterricht, aber während des Lockdowns sind mehrere Übungsleiter abgesprungen, für die der Verein noch keinen Ersatz gefunden hat. „Wir können aktuell nur zwei Mal pro Woche Reitunterricht anbieten. Samstags, wenn unsere Pony-Strolche kommen, reiten immer nur jeweils zwei von acht Kindern, der Rest hat theoretischen Unterricht“, berichtet Wessel. Und: Alles sei teurer geworden, die Einstreu, das Futter. Die Folge:„Wir mussten die Preise erhöhen.“

Trotzdem werden nötige Investitionen getätigt, um die Anlage aufzuwerten: „Wir bauen gerade neue Winter-Paddocks.“ Wessel und ihre Mitstreiter hoffen auf bessere Zeiten. Noch ist an Turniere nicht zu denken. Auch diese Einnahmen fehlen.

Auch interessant

Kommentare