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Lippetaler lassen ihren grünen Visionen freien Lauf

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Von: Jürgen Vogt

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Bach mit Ausbaupotenzial: An dieser Stelle wünschen sich Annika (9, rechts) und Katrin Fischer einen Auwald.
Bach mit Ausbaupotenzial: An dieser Stelle wünschen sich Annika (9, rechts) und Katrin Fischer einen Auwald. © Peter Dahm

Lippetal – Bäume, Auen, Hecken, Artenvielfalt und immer wieder der Wunsch nach mehr Natur: Die Reaktionen auf den Anzeiger-Aufruf zu „Bäumen in Lippetal“ ließ nicht lange auf sich warten. Eine kleine Auswahl.  

Auwald in Reinform: Diese reale Vision hat Katrin Fischer aus Unterhaching mitgebracht.
Auwald in Reinform: Diese reale Vision hat Katrin Fischer aus Unterhaching mitgebracht. © Fischer

Ganz begeistert von einem „Auwald“ in Unterhaching kehrte Katrin Fischer im vergangenen Jahr zurück ins heimische Herzfeld. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich es mir auch fürs Lippetal vorstellen kann“, schwärmt sie. Im Wesentlichen gehe es um „ein Erholungsgebiet mit Stegen und Wasserspielplatz entlang eines Bachlaufs, das auch die Artenvielfalt fördert“. Wo dieses kleine Natur-Paradies real werden könnte? „Vielleicht am Steinbach in Herzfeld oder oder an einem Seitenarm der Lippe.“ Gemeinsam mit Tochter Annika (9) zeigte sie die Stelle am Steinbach, an der schon jetzt viele Kinder spielen – und die für einen Ausbau zum Auwald geeignet sein könnte. Welche Hürden dafür planerisch zu nehmen sind, darüber hat sich Karin Fischer noch keine Gedanken gemacht. Ihren Wunsch will sie aber trotzdem mit anderen teilen.

Dieser grüne Geist, nun auch politisch im Lippetal etabliert, weckt hohe Erwartungen. Gleichwohl sind alle Bürger aufgefordert, der Natur eine Chance zu geben. Auch wir haben hier Vorgärten, die bereits gepflastert oder geschottert sind.

Peter Wilmes

Den Wunsch des Teilens hat auch Bärbel Dreher aus Nordwald. „Neben der Errichtung eines Bürgerwaldes könnte ich mir das Anlegen einer Allee zwischen Hovestadt und Nordwald vorstellen“, schreibt sie. Und weiter: „Im Bereich des St.-Ida-Stifts und der gegenüberliegen Straßenseite, wo bereits seit vielen Jahren Bäume stehen, bekommt man schon jetzt einen Eindruck davon, wie schön es sein könnte, das Ganze weiterzuführen in Richtung Anna-Kapelle.“ Das sei eine Aufwertung dieses Weges und neben den positiven Effekten für das Klima bilde eine Allee auch einen optischen Zusammenschluss zwischen den beiden Ortsteilen Hovestadt und Nordwald.

Ziemlich erfreut zeigte sich Anzeiger-Leser Peter Wilmes über den „politischen Rückenwind für Neupflanzungen in Lippetal. Der Lippborger appelliert aber nicht nur an die Politik, sondern auch an alle Bürger. „Dieser grüne Geist, nun auch politisch im Lippetal etabliert, weckt hohe Erwartungen. Gleichwohl sind alle Bürger aufgefordert, der Natur eine Chance zu geben. Auch wir haben hier Vorgärten, die bereits gepflastert oder geschottert sind“, schreibt er selbstkritisch. Persönlich könne er sich die langen Straßenkilometer der Nebenstrecken in den Bauernschaften bestens vorstellen, wenn dort wieder, wie früher, Obstbäume oder Weidenalleen, vielleicht auch Birkenpflanzungen das Auge erfreuten. Das dauernde „Aber“ will Wilmes künftig nicht mehr gelten lassen. Klipp und klar sagt er: „Bis dato waren rationelle Erwägungen, wie der erschwerte Schnitt der Bankette, oder die Grabenpflege das verhindernde Moment hierfür. Gern möchte ich anregen, die Ideensammlung dem unterzuordnen, wie es gelingen kann und nicht, woran es scheitern wird. Die vom Bürgermeister wahrgenommenen Rückenwinde lassen mich ganz optimistisch nach vorn schauen. Andere Gemeinden machen uns das wunderbar vor, wie man das Auge so wunderbar erfreuen und gleichwohl der Natur eine Chance geben kann.“

„Alle Beschlüsse einstimmig gefasst“

INTERVIEW Alfons Bröckelmann (CDU) sieht Gemeinde im Naturschutz gut aufgestellt

Lippetal – Mehr Bäume? Mehr Umweltschutz? Mehr Artenvielfalt? Mit Alfons Bröckelmann (CDU), dem bisherigen Vorsitzenden des Umwelt-Ausschusses, sprach Anzeiger-Redakteur Jürgen Vogt über umgesetzte Projekte, neue Ideen und neue Bäume für die Gemeinde.


Sie waren bis vor Kurzem Vorsitzender des Umweltausschusses. Welche Maßnahmen hat der Ausschuss bereits umgesetzt?
Ein Großteil der Flächen in Lippetal unterliegt schon einem per Gesetzt definierten Schutzstatus, sei es als Landschaftsschutzgebiet, Landschaftsbestandteil, FFH-Gebiet oder Naturschutzgebiet. Wir in der Kommune schauen, was wir hier zusätzlich und sinnvoll umsetzen können. Da waren es im vergangenen Jahr die Renaturierung der Quabbe in Lippborg und ein Zehn-Punkte-Programm auf Initiative der CDU zur Förderung von Biodiversität und Klimaschutz in der Gemeinde Lippetal.


Gab es einen politischen Konsens für diese Maßnahmen?
Umwelt-und Klimaschutz sind kein Alleinstellungsmerkmal für eine Partei. Deshalb wurden alle Beschlüsse in der Vergangenheit einstimmig gefasst und der ins Leben gerufene „Arbeitskreis Umwelt“ hat fraktionsübergreifend gut zusammengearbeitet. Umgesetzt wurden bereits zahlreiche Blühwiesen- und Streifen, Ergänzungspflanzungen mit Stauden und Bäumen, aber auch die fachgerechte Gehölz-und Heckenpflege. Auf interkommunaler Ebene wurde die Unterzeichnung der Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ und der Beitritt zum Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ auf den Weg gebracht.

Welche weiteren Maßnahmen sind bereits in der Planung?
Aus dem zuvor erwähnten Zehn-Punkte-Programm wird in diesem Jahr das Projekt “RALF“ - Renaturierung und Aufwertung von Löschteichen und Flächen an Wirtschaftswegen - beginnen. Mit einer Leader-Förderung werden zunächst schrittweise 13 ehemalige Feuerlöschteiche renaturiert und an weiteren acht Stellen Feldsäume und Baumreihen ergänzt. Wir haben uns bewusst für ein
„Schritt für Schritt-Konzept“ entschieden. Auf dem Weg in die Zukunft werden hier sicherlich noch weitere Ideen und Maßnahmen hinzukommen.

Derzeit wird viel über Baumpflanzungen in der Gemeinde diskutiert. An welchen Stellen und in welchem Umfang halten Sie solche Pflanzungen für sinnvoll?
Wir haben bereits entschieden, Obstbaumalleen zu ergänzen und Streuobstwiesen da anzulegen, wo es auf gemeindeeigenen Flächen möglich ist. Nicht alle gemeindeeigenen Flächen sind für Baumbewuchs geeignet oder stehen zur Verfügung. Aber wer mit offenen Augen zum Beispiel die nördlich der Lippe gelegenen Bauerschaften von Herzfeld und Lippborg besucht, wird sie sehen, die typischen Abbilder der Münsterländischen Parklandschaft mit ihren mächtigen Bäumen und den Hecken, die ständig auch von Kommunen und Landwirten gepflegt werden. Teils jahrhunderte
alt, teils in den 1980er und 1990er Jahren neu geschaffen.

Bürger wenden sich immer wieder mit Vorschlägen für Umweltschutz-Projekte an die Lokalpolitik. Wo gibt es Grenzen bei der Umsetzung?
Es gibt klare Grenzen. Häufig lässt die geltende Gesetzgebung die Umsetzung bestimmter Vorschläge nicht zu. Wir haben uns im Umweltarbeitskreis und im Umweltausschuss bewusst auf Projekte konzentriert, die wir vor Ort mit unserem Handlungsspielraum als Rat und Gemeinde
umsetzen können. Wichtig war für uns immer die Einbeziehung aller Beteiligten an den Maßnahmen.

Soest hat sich die Klimaneutralität im Jahr 2030 auf die Fahnen geschrieben. Kann das auch ein Vorbild sein für Lippetal?
Wir haben in Lippetal als eine der ersten Kommunen im Kreis frühzeitig auf eigene Stromproduktion gesetzt. Auf den Dachflächen von gemeindeeigenen Gebäuden liegen acht Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt 450 KW/P. Die produzierte Menge reicht für rund 110 Durchschnittshaushalte. Durch die Übernahme der Straßenbeleuchtung sind wir in der Lage, schrittweise auf CO2-sparende Beleuchtungssysteme umzustellen. Eine weitere CO2-sparende Maßnahme ist die kontinuierliche energetische Sanierung unserer öffentlichen Gebäude. Auch wird im Moment die Aufhebung der Höhenbegrenzung in drei unserer Wind-Vorrangzonen mit dem angestrebten Repowering auf den Weg gebracht. Mit der RLG sind im letzten Jahr bereits in einem Ausschuss Gespräche über einen engmaschigeren Linienverkehr geführt worden. Wenn wir mit der RLG hier die angesprochenen Veränderungen umsetzen können, sehen wir uns auf einem guten Weg im öffentlichen Nahverkehr.
Zudem haben wir uns für die Teilnahme am Förderwettbewerb
„Carsharing in der Fläche“ entschieden. Lippetal ist eine ländlich geprägte Gemeinde von 126 Quadratkilometern. Das Fortbewegungsmittel Nummer eins wird vorerst sicherlich das Auto bleiben.  

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