„Es lebt sich gut am Kap“

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Julian Bartels mit seinen Mitarbeitern bei der Arbeit in einem Garten in Südafrika.

Lippetal-Niederbauer – Anfang des Jahrtausends absolvierte der heutige Diplom-Ingenieur Julian Bartels aus Niederbauer seine Lehre bei Gärtnermeister Wilhelm Quante in Oestinghausen.

Nachdem er ein halbes Jahr ein Praktikum in Südafrika absolviert hatte, faszinierte ihn das Land mit seinen Naturwundern und immensen Möglichkeiten dermaßen, dass er den Entschluss fasste, dorthin auszuwandern. Im Jahr 2005 war es dann soweit: Julian Bartels brach die Zelte in Lippetal ab und zog um in Richtung Süden nach Kapstadt. Anzeiger-Redakteur Michael Dülberg hat den Kontakt gehalten und den Auswanderer wieder aufgespürt. Nachfolgend berichtet Julian, wie es ihm nach 15 Jahren inzwischen ergangen ist.

Viel zu meistern gehabt

„15 Jahre ist es jetzt her, dass ich Lippetal und den Kreis Soest verlassen habe – iIn ein neues Leben, hier am Kap der Guten Hoffnung. Mittlerweile lebt es sich gut, auch wenn ich viele Meilensteine meistern musste. Ich hatte nie vorsätzlich geplant, auszuwandern – das Leben hat sich einfach so entwickelt. Ende vergangenen Jahres habe ich meine eigene Landschaftsbau Firma gegründet. “Best Landscaping” übt sich in verschiedenen Disziplinen, der Gestaltung, der Realisierung und der Unterhaltung von Privatgärten, aber auch mittelgroßen bis großen gewerblichen Objekten.

Zahlreiche Projekte

Während meiner Karriere als Landschaftsbauingenieur, habe ich hier am Kap viele interessante Projekte realisiert: Zu den bekanntesten gehören einige Weingüter, wie zum Beispiel das „Delaire Graff Estate“ in Stellenbosch, Eigentum eines weltbekannten Diamantenhändlers. Hier habe ich im Jahr 2010 zusammen mit Südafrika’s Fernsehgärtner Keith Kirsten und Raymond Hudson gewirkt. Raymond ist Südafrika’s Stargärtner und hat viele Trophän auf der Chelsea Flowershow (London) mit Themen über Kirstenbosch Botanical Gardens gewonnen. Das tägliche Brot im Landschaftsbau in Kapstadt verdienen wir mit Privatgärten in Camps Bay, Fresnaye und Llundudno, der Sonnenseite am Kap, von Palmen, Fynbos, dem Atlantischen Ozean und braun gebrannten Touristen aus Übersee gesäumt.

In den Townships

Hin und wieder kommt es auch vor, dass mit Hilfe von Geldern und Spenden aus Übersee, Projekte im Township realisiert werden. So habe ich im vergangenen Jahr einen Sportplatz aus wassergebundener Wegedecke gebaut, als Lösung zum Problem der Dürre, die das Kap in kürzerer Zeit heimgesucht hat. Rasenflächen sind zu diesem Zeitpunkt einfach nicht nachhaltig.

Einige Erfolge erzielt

Zu meinen größten beruflichen Erfolgen zähle ich das Begrünungsprojekt des „Silo-Districts” in der V&A Waterfront, dem Herzstück Kapstadts, was Tourismus betrifft. Wir haben auf allen Ebenen, sogar im 12. Stock eine grüne Dachterrasse angelegt. Alles wird über „Brauchwasser” oder auch entsalztes Meerwasser bewässert. Der Erfolg im Silo District mit dem bekannten „Zeits Mooca Museum“ hat mir üebrigens einen Titel as “Professional Landscape Manager” eingefahren. Seit 2018 bin ich in der südafrikanischen Kammer der Landschaftsarchitekten registriert. Neulich habe ich eine Praktikantin angenommen, die auch diesen Titel erwerben möchte. Sie arbeitet für den Staat und kümmert sich um den Garten der Präsidenten-Residenz. Es ist mir eine große Ehre, meine Erfahrungen und Kenntnisse mit ihr zu teilen und zu wissen wo sie diese Hilfestellungen “verwirklicht”. Privat haben sich seit meiner Emigration viele Dinge ereignet. Meine Frau Clare ist geborene Kapstädterin und wir haben zusammen zwei wunderbare Kinder. Wir sind ein “pigeon pair” (Taubenpärchen) wie man hier sagt, Jonah ist 9 und Anna-Lena ist 7 Jahre alt.

Ehefrau Clare hilft mit

Clare arbeitet für die Stadt Kapstadt und ist in den letzten Zügen ihrer Doktorarbeit. In den Abendstunden hilft sie mir bei meiner Firmengründung, spät wenn die Kids im Bett sind. So häufig, wie mich meine deutschen Freunde beneiden, muss ich aber gestehen, ist das Gras nicht grüner auf unserer Seite. Es stimmt wohl, dass wir häufig tolles, warmes Wetter haben. Der Schnee, der Glühwein zu Weihnachten im kalten Winterwetter und nicht am Strand… – das fehlt halt schon mal!

Regelmäßig Stromausfälle

Außerdem stimmt es auch, dass wir seit geraumer Zeit Probleme mit der elektrischen Versorgung haben. Dann wird im Rhythmus, reihum in den Stadtteilen der Strom abgestellt und wir müssen auf Gas kochen, mit kaltem Wasser duschen oder uns Gedanken machen, dass der Kühlschrank nicht auftaut.

Nichts bereut

Dennoch bereue ich keinen Moment, dass ich unseren tollen Kreis Soest verlassen habe. Kontakte halte ich regelmäßig aufrecht mit meinem engsten Freundeskreis und der Familie. Wir sehen uns in etwa einmal im Jahr, wobei wir schon länger nicht mehr in Deutschland waren, da wir uns ein Eigenheim erworben haben. Fazit: Es geht uns gut am Kap!“

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