Lippetaler Rat hat Auftrag vergeben

Startschuss für Quabbe-Renaturierung

Pfarrkirche Lippborg
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Unter der neuen Fußgängerbrücke am Ilmerweg fließt der Bachlauf Quabbe noch im alten engen Bachbett. Schon bald wird das Gewässer entfesselt.

In der kommenden Woche rollen die Bagger an den Bachlauf „Quabbe“ in Lippborg.

 Lippborg – Der Rat hat in seiner Sitzung am Montag den Auftrag für die Arbeiten zur Quabbe-Renaturierung im Zusammenhang mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union in einem finanziellen Umfang von rund 450 000 Euro vergeben. Ziel ist die ökologische Verbesserung des Bachlaufs, der bisher in sein enges Bett gezwungen wird.

Beginnend am Parkplatz Ilmerweg nahe der Hauptstraße bis zum Ortsausgang am Regenrückhaltebecken am Beckkamp soll die Quabbe entfesselt werden und eine Aue entstehen. Rund 15 000 Kubikmeter teils schwerer Lehmboden müssen am Bachlauf bewegt und einiges davon abgefahren werden. Im Zuge des geplanten Boden-Managements wird überschüssiger Boden auf größere umliegende Flächen verteilt. Genaueres dazu, zum Beispiel wer sich um den Boden bewerben kann, wird noch detailliert bekannt gegeben.

200000 Öko-Punkte für Lippetal

Am Ende der Maßnahme winken nicht nur eine von der EU geforderte bessere Wasserqualität, eine naturnahe Quabbeaue mit Platz für einiges Hochwasser mitten in Lippborg, sondern auch mehr als 200 000 Öko-Punkte, die die Gemeinde Lippetal in verschiedenartige laufende sowie künftige Bauleitplanverfahren investieren könnte. Deshalb wird das jetzige Quabbe-Projekt auch von der Gemeinde Lippetal alleine finanziert.

Ein Renaturierungsgebiet ist allerdings kein Refugium für Lustwandler und Hunde-Spaziergänger. Mit der Sperrung des nordöstlichen Bereichs der Quabbe als Renaturierungsgebiet waren allerdings nicht Politiker in vorigen Beratungen alle Ausschussmitglieder einverstanden. Lippetals Bauamts-Leiterin Elisabeth Goldstein erläuterte dazu, dass die im Verfahren beteiligten Naturschutzverbände und die untere Wasserbehörde beim Kreis Soest den nordöstlichen Bereich der Natur überlassen wollen. Das sei nicht verhandelbar gewesen.

Blaues Klassenzimmer für die Ludgerusschule

Im südwestlichen Bereich zwischen der alten Quabbe-Brücke an der Grundschule und dem Ilmerweg beim Neubau Stratmann soll es hingegen einen Spazierweg an der Nordseite der Aue geben. Außerdem werden auf der Südseite der Quabbeaue im Bereich der Grundschule zwei Zugänge zum Gewässer über Trittsteine eingerichtet, an denen gerade auch die Schüler der Ludgerus Grundschule in einem „blauen Klassenzimmer“ in die Aue gelangen können. Entsprechende Beschilderung wird angebracht. Die Kosten bezifferte Diplom Landschaftsökologe Carsten Bohn vom Referat Ökologie bei der Arbeitsgemeinschaft Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe bei der Vorstellung des Projekts auf rund 450 000 Euro.

Bei der Umsetzung der Renaturierung, die in Abstimmung mit der Bezirksregierung in Arnsberg und der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Soest vorgenommen wird, ging es zunächst darum, die notwendigen Flächen zu tauschen oder zu erwerben. Beim Gewässerausbau wird das Gelände abgesenkt. Die Quabbe soll als Rückzugsraum zu einer kleinen Sekundäraue ausgebaut werden. Der Bachlauf wird nicht mehr in einer tiefen Rinne verlaufen, sondern abgeflacht auch um einige Landinseln mäandern. Stämme und Wurzeln einiger Pappeln, die gefällt werden m��ssen, werden als natürliche Barrieren in die Aue eingebettet.

Nützlich bei Hoch- und Niedrigwasser

Eine Erstbepflanzung wird vorgenommen, um einen einseitigen Bewuchs mit Erlen zu verhindern. Bei Hochwasser kann sich die Quabbe in der gesamten Aue ausbreiten. Für Niedrigwasser wird eine Rinne belassen, in die sich das „Bächlein“ zurückziehen kann und nicht austrocknet.

Ebenfalls wird es kleinere Wasserflächen so genannte Kolke geben, in denen das Wasser stehen bleibt und so Amphibien und Fischen auch bei „Ebbe“ in der Quabbe Lebensraum bietet. Zum Dorf hin wird die Aue abgesichert, um die Bebauung vor Hochwasser zu schützen.

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