Pfau bricht sich Silvester in Panik das Genick

Einst eine stolze Pfauendame: Aus Panik wegen des Lärms der Böller starb dieses Tier.
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Einst eine stolze Pfauendame: Aus Panik wegen des Lärms der Böller starb dieses Tier.

Erst die Böller, dann die Panik, dann der Genickbruch: Für eine stolze Pfauen-Dame endete die Neujahrsnacht tödlich.

Lippetal – Für viele Zweibeiner ist das Silvester-Geböller nach wie vor eine lustige Art, das neue Jahr einzuläuten. Für viele Vierbeiner hingegen sind es Minuten oder gar Stunden puren Schreckens. Für die Tiere auf dem Lippetaler Gnadenhof „Deichmanns Farm“ war die letzte Silvesternacht sogar der blanke Terror – und einer wunderschönen, kerngesunden Pfauendame kostete die Panik, die die Böllerei in ihr auslöste, das Leben.

Bianca Deichmann stockt noch jetzt die Stimme, wenn sie berichtet, wie sie das Tier vorfand. Auf dem Rücken liegend, die Flügel weit ausgebreitet, mit gebrochenem Genick, weil es vor Schreck, trotz eingeschalteten Lichts, vor irgendeinen Balken oder irgendeine Wand in der Scheune geflogen war: „Die anderen Pfauen standen um sie herum und verabschiedeten sich von ihr. Das kann sich keiner vorstellen. Und dennoch werden jetzt wieder viele vermutlich nur sagen: Ist doch nur ein Vogel.“

Pfau als Teil der Patchwork-Familie

Für Bianca Deichmann und ihre Familie sind ihre Tiere mehr als das: Sie selber betrachtet sie als Teil ihrer Patchwork-Familie, alle haben Eigennamen. Deren menschlichen Angehörigen hatten wie in jeder Silvesternacht gut damit zu tun, ihre geliebten Tiere zu besänftigen. Sie hatten gehofft, dass das Geböller in diesem Jahr nicht so schlimm ausfallen würde. Was zwar auch der Fall war.

Doch leider kamen ihnen zwei Faktoren in die Quere. Zum einen sei es absolut windstill gewesen. Der Hof liegt zwar weit abgelegen, vier Kilometer von Herzfeld entfernt, „aber man konnte alles ringsum hören“, erinnert sich Bianca Deichmann. „Und normalerweise fangen die Menschen in den Tagen zuvor ja bereits an zu böllern. Dann sind unsere Tiere zumindest schon etwas daran gewöhnt.“

Dem sei diesmal nicht so gewesen. Offenbar hatten die Menschen die paar Knaller und Raketen, die sie hatten, wirklich für Mitternacht aufgespart. Und dann ging es mit einem Schlag los.

„Uns trifft das ja nicht unvorbereitet“, betont Bianca Deichmann. Jeder hat seine Aufgabe, die Kinder standen um Mitternacht bei den Häschen, Pferden, Eseln und Schweinen, mein Mann beruhigte im Haus die Hunde und ich hielt unser blindes Schäfchen Moody im Arm, weil es außer sich vor Angst blökte – es war erst im Mai zur Welt gekommen, es war sein erstes Silvester. Ich habe hier eine bosnische Straßenhündin, die bei jedem Knall Panik ohne Ende bekommt. Die Katzen waren zum Glück am Neujahrsmorgen alle wieder wohlbehalten zurück.“

Die anderen Pfauen standen um sie herum und verabschiedeten sich von ihr. Das kann sich keiner vorstellen. Und dennoch werden jetzt wieder viele vermutlich nur sagen: Ist doch nur ein Vogel.

Bianca Deichmann

Die Pferde und das Geflügel haben sich daran gewöhnt. Pfauen schlafen dagegen so hoch, wie es ihnen möglich ist, bei den Deichmanns somit im Gebälk der Scheune, darunter schlafen die anderen Tiere. Wie will man die an Silvester besänftigen?

Auf Facebook erhält der Gnadenhof viel Zuspruch und Berichte zu vergleichbaren Erfahrungen, zum Beispiel von ausgerissenen Hunden oder Pferden, „die fast vor Angst die Boxenwände hoch gegangen sind, vor allem, weil auch ziemlich nahe an der Reithalle Idioten meinten, sie müssten dort rumknallen“, aber auch scharfe Kritik am Geböller: „Mit Tradition hat es doch nichts mehr viel zu tun. Es ist doch für viele nur noch ein Freibrief, andere ungestraft zu terrorisieren“, so ein Kommentar zu jenen „Idioten, die sich aus Prinzip und nur aus Ego-Gründen gegen absolut jede neue Regelung stellen müssen. Das hat nichts mit Grundrechten zu tun.“

Die Pfauendame wurde auf dem Hof beerdigt. Denn Bianca und Dirk Deichmann haben ein Familienmitglied verloren – „ein absolut sinnloser, unnötiger, vermeidbarer Tod.“

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