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Willi Veith gestorben: Ein Kirchenmann mit Herz für BVB

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Der Lippborger Wilhelm Veith verstarb im Alter von 75 Jahren.
Der Lippborger Wilhelm Veith verstarb im Alter von 75 Jahren.

LIPPBORG -  Er war Jurist, Kirchenmann, Familienvater, leidenschaftlicher Hausgärtner, der mit seinen Enkeln das Wachstum der Kartoffeln studierte, Liebhaber besonderer Kirchen und ihrer Architektur und Fußballfan. Kein Match „seines“ geliebten BVB 09 mochte er verpassen. Am Sonntag, 12. Januar, ist Wilhelm Veith im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Mit Ehefrau Eveline trauern die Töchter Rebecca und Esther sowie Sohn Amos und die sechs Enkel Nicolas und David, Friederike, Maximilian, Lukas und Juli Marie um das „Delegations-Genie“ der Familie, der unermüdlich Dinge ersann und entwickelte und sich zur Umsetzung die passenden Helfer suchte; egal ob frei- oder unfreiwillig.

Studierter Jurist wollte Architekt werden

Eigentlich wollte der gebürtige Dortmunder (Abitur am Max-Planck-Gymnasium) Architekt werden, doch dann studierte er in Freiburg, Bonn und Bochum Jura, um Jugendrichter zu werden oder eine Jugendstrafanstalt zu leiten. Doch seine Freunde, der Priester Richard Rademacher, und der Pastor Hans Heinz Riepe, bewegten den Assessor nach seinem zweiten Staatsexamen dazu, in der Erzdiözese Paderborn Beschlüsse des zweiten Vatikanischen Konzils (1962 verkündet durch Papst Johannes XXIII.) umzusetzen. Es ging darum, neue Gemeindestrukturen und neue Gremien zu schaffen sowie die nun erwünschten Laien in den Kirchenabläufen zu schulen. Das geschah unter anderem im alten Zisterzienserkloster Hardehausen, der heutigen Jugendbildungsstätte. „Es war eine spannende Zeit“, erinnert sich Eveline Veith, denn umwälzende modernisierende Veränderungen der Kirche, in der Familienpolitik, der Sexualethik und der Pädagogik mussten umgesetzt werden.

Wilhelm Veith wollte damals Anfang der 70er Jahre seiner Arbeiststätte näher kommen, aber nicht in Paderborn leben. Da ergab es sich, dass die Familie Karnstedt aus Lippborg nach Italien auswanderte und ihr Fachwerkhaus annoncierte, um es zu verkaufen. Wilhelm und Eveline Veith, sie hatten sich beim Karneval kennengelernt und 1965 in Dortmund geheiratet, erwarben das Denkmalsgebäude und zogen samt Familie an die Lippe.

Hier engagierte sich Wilhelm Veith – der Gott und der Religion sehr eng verbunden war – der oft schwerfälligen Amtskirche aber teils kritisch gegenüber stand – im kirchlichen Leben.

Er initiierte mit Winfried Kurrath und Heinrich Rüschhoff die Gründung des Stammes der Lippborger Georgspfadfinder (DPSG) und baute Gesprächsgruppen auf, die sich in der Lippborger Pfarrgemeinde mit Glaubens- und Lebensfragen der jüngeren Eltern beschäftigten. Willi Veith entwickelte ebenfalls die Kommunion- und Firmvorbereitung, in die von da an die Eltern einbezogen wurden. Diese Initiativen wurden schließlich von allen Seiten akzeptiert. Später engagierte sich Wilhelm Veith auch noch in dem von Ehefrau Eveline 1984 eingerichteten Arbeitskreis „Mission-Entwicklung-Frieden“.

Keine Reise ohne Kathedralen-Visite

Als Privatmensch erfreute sich der Altphilologe, der neben dem Lateinischen auch noch des Französischen mächtig war, besonders an der Architektur herausragender Kirchenbauten. Auf keiner Reise, die ihn und seine Familie an die Küsten Galliens führte, durften die bedeutenden Gotteshäuser am Wegesrand ausgelassen werden, erinnern sich die Kinder Amos und Esther an die lehrreichen Vorträge, die ihnen der Vater über den Bau von Kathedralen halten konnte.

Seine Leidenschaft daheim galt dem Hausgarten, in dem er Obst, Gemüse und Blumen hegte und pflegte und mit den Kindern Hochbeete anlegte, um die Ernte vor den regelmäßigen Hochwassern der Lippe zu schützen.

Neben Gott, Frau und Kindern war dem Dortmunder sein Leib- und Magen-Fußballverein, der BVB 09 Borussia Dortmund „heilig“. Nur die widrigsten Umstände konnten ihn daran hindern, ein Match von Lothar Emmerich, Hoppi Kurrat, Hans Tilkowski über Frank Mill, Matthias Sammer, bis zu Jürgen Klopp und seiner Truppe verpasste. - dümi

Heute, Freitag, um 12.30 Uhr findet in der Lippborger Pfarrkirche das Seelenamt für Wilhelm Veith statt. Es wird zelebriert von seinem priesterlichen Freund Richard Rademacher. Anschließend ist die Beerdigung.

Trauerfälle und Kondolenzbücher unter www.westfalen-trauer.de, bequem zu erreichen über www.soester-anzeiger.de

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