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Interview mit Pfarrer Beese über das Kirchenjahr 2014

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Ein aktives kirchliches Leben gebe es in Lippetal, sagt Pastor Gereon Beese,. Für die Kirche insgesamt sei es aber ein schwieriges Jahr gewesen.
Ein aktives kirchliches Leben gebe es in Lippetal, sagt Pastor Gereon Beese,. Für die Kirche insgesamt sei es aber ein schwieriges Jahr gewesen. © Dülberg

Lippetal -  „2014 war für die Kirche in Deutschland kein leichtes Jahr“, sagt Pastor Gereon Beese, Pfarrer der Gemeinde St. Ida in Herzfeld und Lippborg. Im Interview mit Laura Schwabbauer zieht er ein Resumee über das Kirchenjahr, spricht über positive Entwicklungen und eigene Fehler.

Wenn Sie das Kirchenjahr 2014 beschreiben, wie fassen Sie es zusammen?

Gereon Beese: In Deutschland bemerke ich eine Krise des Glaubens und der kirchlichen Strukturen. Aber im Vergleich zur Gesamtsituation gibt es in Lippetal ein aktives kirchliches Leben. Natürlich sind auch hier die Kirchen sonntags nicht mehr so voll wie früher, aber hier ist die Dorfstruktur noch gesund und der Kirchenbezug gehört noch dazu. Ich habe auch das Gefühl, dass die Kirchenbindung nicht nur Tradition, sondern auch Überzeugung ist.

In welchem Momenten haben Sie den Kirchenbezug der Lippetaler in diesem Jahr bemerkt?

Beese: Die Ida-Woche wurde in diesem Jahr sehr gut angenommen, das Bürgerhaus war zu den Veranstaltungen ausverkauft und die Kirche war gut besucht. Aber kleine Momente, die diese Bindung bewusst machen, erlebe ich eigentlich jeden Tag. Sei es, wenn ich mit Angehörigen ein Seelenamt vorbereite, mit Eltern die Taufe ihres Kindes plane oder bei der Firmvorbereitung. Und auch die Jugendarbeit, mit den Messdienern in Herzfeld und den Pfadfindern in Lippborg zeigt die Kirchenbindung und ist eine große Stärke der Gemeinde.

Welche positiven und negativen Veränderungen hat es im vergangenen Jahr gegeben?

Beese: Negativ ist zu bemerken, dass man schon spürt, dass die kritische Distanz zur Kirche gewachsen ist, auch wenn hier bei uns nicht so stark, wie woanders. Auch der Abschied von Schwester Theresia Maria war ein deutlicher Einschnitt. Positiv ist für 2015 definitiv die bistumsübergreifende Kooperation der beiden Lippetaler Kirchengemeinden hervorzuheben. Für mich persönlich ist die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Dr. Gerhard Best von der Pfarrei Jesus Christus Lippetal eine tolle Erfahrung. Wir arbeiten zum Beispiel gerade erstmals an der gemeinsamen Vorbereitung der Erstkommunion.

Welche Ziele haben Sie für 2015 – persönlich und für die Gemeinde?

Beese: Persönlich habe ich mir vorgenommen, noch mehr Hausbesuche zu machen und hoffe, dass nach der vielen Strukturarbeit jetzt langsam pastoraler Alltag möglich ist. Für die Gemeinde gilt es, noch mehr Familien anzusprechen. Wir überlegen momentan, wie wir das am besten erreichen können.

Die Wallfahrt ist ein wichtiges Thema für die St.-Ida-Gemeinde in Herzfeld und Lippborg. Wie ist hier die Entwicklung?

Beese: Die Anzahl der Pilger ist mit rund 42 000 relativ konstant. In diesem Jahr habe ich den Eindruck, dass noch mehr Wallfahrer dazu gekommen sind. Es gab 2014 etwas weniger angemeldete Gruppen, aber die Zahl der Einzelpilger hat zugenommen. Wir müssen natürlich überlegen, wie St. Ida als geistliches Zentrum der Region präsent bleibt. Daran hat auch die Kirchenmusik einen großen Anteil, wir sind sehr stolz, dass wir mit Jörg Bücker einen so engagierten Kantor haben.

13 Austritte aus der Kirche gab es in diesem Jahr in der Gemeinde St. Ida. Wie bewerten Sie diese Zahl?

Beese: 13 Kirchenaustritte sind für die Gemeinde viel, aber im deutschlandweiten Vergleich doch noch im Rahmen. Wir bedauern jeden Austritt und schicken, sobald wir davon erfahren, immer einen Brief los, um nach den Gründen zu fragen. In der Regel werden diese Briefe nicht beantwortet. Ich denke, dass für viele der Kirchenaustritt finanziell begründet ist. Manchmal hat ein Austritt aber auch Image-Gründe. Wenn zum Beispiel so eine große Geschichte wie die in Limburg bekannt wird, gibt es vielerorts Austrittswellen.

Wenn Sie auf 2014 zurück blicken: Welche Fehler haben Sie gemacht?

Beese: Ich habe die persönlichen Erwartungen mancher gewählter Gremiumsvertreter, das heißt Pfarreirat und Kirchenvorstand, nicht genug im Blick gehabt, das war sicherlich mein Fehler.

Was ist gut gelaufen?

Beese: Ich glaube, und das ist mir wichtig, das die Menschen in der persönlichen Begleitung oder in der Liturgie und bei der Kirchenmusik spirituelle Erfahrungen machen können. Da sind wir ganz gut aufgestellt. Wichtig ist, dass es nicht nur Messen gibt, sondern ein spirituelles Angebot mit Andachten und Ähnlichen.

Was wollen Sie 2015 verbessern?

Beese: Es gilt, die Kommunikation zwischen den Gremien, der Pfarrgemeinde und dem Seelsorgeteam zu optimieren. Außerdem soll die Kooperation zwischen der Gemeinde St. Ida in Herzfeld und Lippborg und der Pfarrei Jesus Christus Lippetal noch intensiviert werden. Die Zusammenarbeit steht noch am Anfang, auch wenn schon einige Schritte gemacht wurden. Aber so eine Kooperation muss eben auch von der Gemeinde mitgetragen werden und die Vielfalt, die die Kooperation mit sich bringt, bedeutet auch, dass man dann manchmal für einen Gottesdienst über die Lippe fahren muss. Für 2015 hoffe ich auf einen noch größere Bereitschaft der Gläubigen, das gesamte Angebot in Lippetal wahrzunehmen.

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