Auf den Hund gekommen

Verein bildet Begleithunde aus

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Therapie-Teams in Ausbildung: 16 Paare aus Mensch und Hund absolvieren derzeit eine Ausbildung zum Therapie-Team beim Verein „Tiere bauen Brücken“

Herzfeld – Nicole Warnke hat eine wechselhafte Zeit hinter sich. Und viele Schwierigkeiten. Angefangen hat alles mit der Vision, viel mehr Kontakte zwischen Hund und Mensch zu ermöglichen.

Vor allem Kontakte zwischen ausgebildeten Hunden und Menschen mit Handicaps. „Hunde sind dem Menschen zugetan, wollen ihm gefallen. Deshalb eignen sie sich so gut“, sagt die Hunde-Trainerin aus Herzfeld, die selbst mit ihren Hunden unter anderen für das Kinderhospiz wichtige Hilfestellungen gibt. Seien die Tiere zum Assistenzhund ausgebildet, dann könnten sie nicht nur praktische Alltagshilfe leisten, sondern „sind auch noch Kuschelfell und Tröster“. Warnke gründete den Verein „Tiere bauen Brücken“. 

Ums erste Projekt gekämpft

Schon das sei mit vielen Schwierigkeiten verbunden gewesen, erzählt sie. Noch mehr kämpfen musste sie um ihr erstes Projekt. „Wir wollen Gespannen aus Mensch und Hund die Chance geben, sich zum Besuchstherapiebegleithund-Team ausbilden zu lassen. Die Ausbildung und die Kosten will der Verein übernehmen und die Gespanne sollen dann ehrenamtlich in Einrichtungen arbeiten“, so Warnke. Doch von der Idee bis zur Realisierung vergingen viele Monate. Vor allem die Corona-Krise und die Tatsache, dass viele tausend Euro aufzutreiben waren, bereiteten Probleme. 

Verbindungen zum Leader-Netzwerk

„Ganz verzweifelt“ sei sie gewesen. Schließlich habe sie Bürgermeister Matthias Lürbke aufgesucht und um Hilfe gebeten. „Warum sind Sie denn nicht früher zu mir gekommen“, habe Lürbke gesagt – und gleich Verbindungen zum Leader-Netzwerk geschaffen. „Heilfroh und unheimlich gut aufgehoben“ habe sie sich fortan gefühlt. Denn mit den Geldern aus einer Crowdfunding-Aktion mit der Volksbank („Die haben uns unheimlich geholfen“) und einer Leader-Förderung waren alle finanziellen Sorgen erst einmal verschwunden. Weil sich inzwischen 16 Damen mit ihren Hunden gemeldet hatten („Wir hatten auch einen Herren, aber der ist abgesprungen“), nimmt das erste Großprojekt des Vereins nun konkrete (Ausbildungs-)Formen an. Im Vereinsheim des Bürgervereins Merklinghausen-Wiggeringhausen („Die stellen uns das Vereinsheim und das Gelände kostenlos zur Verfügung“) ist bereits die Theorie-Ausbildung erfolgt. An diesem Wochenende geht der erste Praxisteil über die Bühne. Und nachdem im November der zweite Teil erfolgt ist, sind die Gespanne bereit für ihre Einsätze. Ziel sei es, so Nicole Warnke, dass die Hunde in Einrichtungen wie Altenheimen, Kitas, Schulen oder Wohnanlagen für Menschen mit Einschränkungen einmal pro Woche für zwei Stunden einen Besuch machen. Kostenlos und ehrenamtlich. 

Bei Interesse bitte melden

„Wer Interesse hat, kann das Konzept überdenken und sich bei uns melden“, weist sie darauf hin, dass es Ende des Jahres noch Kapazitäten geben wird. Parallel zu den Begleithunden will der Verein nun auch mehrere Therapiebegleithunde ausbilden. Diese Ausbildung geht über zwei Jahre, ist deutlich anspruchsvoller. Ziel ist es, dass der Hund anschließend in einer Familie lebt und wichtige Aufgaben übernimmt. „Aktuell haben wir zum Beispiel eine Anfrage einer Familie, in der ein Kind die Glasknochenkrankheit hat. Da überlegen wir jetzt, wie das funktionieren kann, denn das ist ja auch für uns Neuland“, sagt Warnke. Die Idee jedenfalls sei, dass der Verein die Ausbildungskosten trägt, so dass der ausgebildete Hund ohne finanzielle Belastungen für die Familie anschließend dort leben und seine Aufgaben erfüllen könne. Gibt es noch mehr Visionen? „Ja“, sagt Warnke. „Ein Vereinsfahrzeug wäre toll. Damit unsere ehrenamtlichen Helfer Hunde und auch mal einen Rollstuhl transportieren können. Und eines Tages wollen wir einen Resthof kaufen, auf dem Tiere und Menschen zusammen leben. In einem ersten Schritt wollen wir dort Kindern mit verkürzter Lebenserwartung einen Urlaub ermöglichen, damit sich auch die Eltern erholen können. Als zweiten Schritt wünschen wir uns auch Dauerplätze, also eine Lebensgemeinschaft.“ Das sind noch weit entfernte Zukunftsvisionen. Bis die Realität werden, wird Nicole Warnke von einer wunderbaren Gewissheit getragen: „Das tolle an der Sache ist: Es geht immer irgendwo ein Türchen auf.“

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