Nach der Wahl: 

Der Gemeinderat wird bunter

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Bunte Balken als Zeichen für mehr Farbe in der Politik: Hans-Joachim Hobrock präsentierte vor Interessierten und Politik-Vertretern die Ergebnisse der Kommunalwahl.

Lippetal - Wäre Hultrop repräsentativ für die Gemeinde Lippetal, dann hätten die Grünen und die FDP eine Mehrheit. Tatsächlich wird es künftig ziemlich bunt zugehen in einer Gemeinde, die seit ewigen Zeiten schwarz geprägt war.

„16 Prozent Verlust, das hat mich schon überrascht“, sagt Tobias Nillies. Der Mann ist Chef der CDU in Lippetal – und kommt am Tag nach der Wahlschlappe seiner Partei noch ziemlich sprachlos daher. Kein Ziel, aber ein Wunsch sei es gewesen, eine Fünf am Anfang der Prozentangabe zu haben. Dass es damit nichts wurde, die CDU von 61 auf 45 Prozent abschmierte, „damit müssen wir uns in den nächsten Tagen auseinandersetzen“. Klar aber sei, dass es bei fünf anstatt drei Parteien Verluste habe geben müssen. Wenig sprachlos präsentierte sich Heinz Nühse einen Tag nach der Wahl. Der 54-Jährige hatte in Hultrop für die FDP kandidiert – und aus dem Stand mehr als 27 Prozent geholt. „Bis auf die fehlenden Baugrundstücke eigentlich kaum Themen“ habe es in seinem Bezirk gegeben, meint Nühse. Ausschlaggebend für sein starkes Abschneiden – das stärkste eines FDP-Kandidaten in der Gemeinde – sei wohl die eigene Persönlichkeit und die Tatsache, dass er im Dorf verwurzelt sei.

Ebenso wie Julian Möllenhoff. Der Grünen-Kandidat holte ebenfalls in Hultrop gut 26 Prozent. „Wenn man den Leuten zuhört anstatt über sie zu reden, dann klappt das auch“, meinte Möllenhoff. Auch er ist ein Urgestein im Dorf, genau wie Nühse in Vereinen engagiert und immer da, wo Not am Mann ist. „Die etablierten Kollegen wachgerüttelt“ habe man bei dieser Wahl. Und dann diagnostiziert Julian Möllenhoff, dass er und Nühse inhaltlich auf der gleichen Linie sind: „Wir setzen uns einfach für die Belange von Hultrop, Heintrop und Büninghausen ein“, so Möllenhoff

Ein sichtbares Zeichen der neuen gelb-grünen Freundschaft: Nach der Wahl gratulierten sich die beiden Männer am Sonntagabend, wohlwissend, dass sie zusammen die Mehrheit haben im Dorf. Grund zur Freude hatte auch Andreas Schröder. Im Wahlbezirk 8 in Lippborg schaffte er es als einziger Kandidat, der CDU ein Direktmandat abzunehmen: Gut 37 Prozent holte er – und damit gut drei Punkte mehr als seine Kontrahentin Andrea Elbracht.

Ebenfalls sichtlich gut gelaunt war Matthias Lürbke einen Tag nach seiner Bürgermeister-Wiederwahl. Sein Dank kannte dabei kaum Grenzen. Eine „Super-Rathausmannschaft“ sei ebenso als Erfolgsgarant zu werten wie die „gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Rat“. „Der wichtigste Faktor aber ist meine Frau Anja. Sie hält mir den Rücken frei, so dass ich mich auf meine Arbeit konzentrieren kann“, zeigte Lürbke Familiensinn in Kombination mit Dankbarkeit. Klar: Sie und die beiden Söhne Robin und Marvin waren am Sonntagabend dabei, als vor dem Rathaus in Hovestadt die Wiederwahl mit satten 75,6 Prozent in trockenen Tüchern war.

WAHLSPLITTER

Kurzfristige Hilfe für Wähler in Quarantäne

Von einer „ziemlich ruhigen Wahl“ spricht Lippetals Wahlleiter Ludger Schenkel. Weil in dem Wort „ziemlich“ aber auch Ausnahmen stecken, erzählt er zwei Begebenheiten, die dann eben doch ungewöhnlich sind. So sei eine junge Frau in einem Wahllokal erschienen, um die Stimmzettel für ihre Eltern abzuholen, damit die ganz in Ruhe zu Hause ihre Kreuze machen können. „Das haben wir höflich, aber sehr bestimmt abgelehnt“, so Schenkel. Klar: Was die junge Dame mit den Stimmzetteln gemacht hätte, hätte niemand nachvollziehen können. Nicht abgelehnt dagegen wurde das Ansinnen von zwei Bürgern, die sich freiwillig in Quarantäne begeben hatten. „Die beiden wollten unbedingt noch wählen“, erzählt Schenkel. So habe man um 14 Uhr „notfallmäßig noch Unterlagen für die Briefwahl“ ausgegeben. Apropos Briefwahl: Sämtliche Briefwahl-Unterlagen brachten Mitarbeiter der Verwaltung am Sonntagnachmittag in die einzelnen Stimmbezirke. So konnten die Wahlhelfer am Abend den gesamten Stimmbezirk auszählen und das komplette Ergebnis an den Wahlleiter melden. „Jetzt ändert der Herr Hobrock die Wahlergebnisse“, witzelten einige Gäste am Sonntagabend. Der Grund: Der Mann für die Technik und Präsentation vorm Rathaus musste einige Einstellungen auf dem Bildschirm neu justieren. Ganz genau beobachteten die Besucher, ob sich damit auch schwarze oder gelbe Balken bewegten. Taten sie aber nicht.

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