Vogel frei auch für Frauen

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Oberst und Vorsitzender Oliver Wickord zeigte sich hochzufrieden: Der Antrag auf Gründung einer Damenkompanie wurde mit überwältigender Mehrheit von den knapp 110 Versammlungsteilnehmern angenommen.

Lippborg – Jetzt dürfen auch Frauen in den Schützenverein. Mindestens 16 Jahre alt müssen sie sein , dann dürfen sie mitmarschieren, mitbestimmen und auch den Vogel abschießen.

Vielleicht gibt es zuallererst eine Modenschau, denn was die Schützendamen für eine Uniform tragen werden, das ist noch nicht raus. „Schaunmermal“, sagt dazu Vorsitzender und Oberst Oliver Wickord, der die geschichtsträchtige Versammlung bei Willenbrinks am Samstagabend leitete: 106 Schützen durften mitstimmen, als der Antrag auf dem Tisch lag, eine Damenkompanie zu gründen. 

Neue Damenkompanie gegründet

Bereits 25 Frauen hatten unterschrieben, dass sie beitreten möchten. Es gab sieben Nein-Stimmen, zehn enthielten sich. „Ich stelle fest: Wir haben einen Meilenstein gesetzt“, so freute sich Wickord, als das Ergebnis feststand. Er unterstrich: „Ich habe zu 100 Prozent hinter dem Antrag gestanden und den Damen versprochen, dass ich sie unterstützen werde.“ Vor einigen Jahren, so der Vorsitzende, sei das alles noch undenkbar gewesen, aber inzwischen sei mit Daniela Kotewitsch aus Wamel erstmals auch eine Frau Königin des gesamten Sauerländer Schützenbunds. 

"Besser und attraktiver werden"

Wickord: „Wir können nur besser und attraktiver werden – wir sind doch ohnehin zusammen mit unseren Frauen beim Schützenfest.“ Und: „Gerade der Schützenverein soll Traditionen wahren, er soll sich aber auch Neuem öffnen.“ Nicht ganz korrekt war Wickords Vortrag, die Gemeinnützigkeit stehe auf dem Spiel, wenn man keine Frauen aufnehme: Diesen Unsinn hatte Landesfinanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) bekanntlich schon vor drei Jahren schnell wieder einkassiert, nachdem ein Finanzämter Bruderschaften im Sauerland und im Rheinland mit einem Rundbrief drangsaliert hatten. 

Damen sollen Zug selber verwalten

Borjans damals gegenüber der Rheinischen Post: „Traditionsvereine wirken im Regelfall weit über ihre Mitgliedschaft hinaus. Deshalb dienen sie der Allgemeinheit und erfüllen die Anforderungen an die Gemeinnützigkeit. Damit ist das Thema für mich vom Tisch.“ Gewollt ist jetzt in Lippborg, dass die Damen wie die anderen Schützen ihren Zug selber verwalten, sie sollen einen eigenen Vorstand bilden, sie sollen auch im erweiterten Gesamtvorstand vertreten sein. 

Jede darf auf den Vogel schießen

Auf den Vogel schießen darf jede Schützin, und ein Begriffs-Gehampel wie „Prinzgemahl“ oder ähnliche Verschraubungen soll es nicht geben, wenn eine Frau den Vogel abschießt: Der Mann heißt „König“ und trägt eine Königskette, wenn er mitregiert. Für die Frauen soll es eine schmucke Königinnenkette geben, so dass im Fall der Fälle beide im Paar angemessen prachtvoll ausschauen können. Alle weiteren Details regelt die Satzung, und an deren Paragraphen schraubten die Schützen im weiteren Verlauf der Versammlung, damit alles zügig zur Genehmigung ans Registergericht geschickt werden kann

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