Lippborg

Auf dem Fahrrad in den Orient

+
Fadhil Ahmed (Mitte) fährt gerade mit dem Rad quer durch Deutschland, danach geht es weiter in seine Heimat Irak. In Lippetal traf er seine Freunde (von links) Amy Young, Anna Heiting, Fadhil Ahmed, Joline Stengel und Timon Stengel.

Ganz entspannt sitzt er auf der Terrasse von Familie Stengel in Lippborg. Dabei ist der 19-jährige Fadhil Ahmed schon mitten auf einer ganz besonderen Tour. Von Freiburg aus ist der junge Mann mit dem Fahrrad gestartet, um damit in sein Heimatland zu reisen: dem Irak.

Lippborg –  Lippborg liegt da zwar nicht auf dem direkten Weg, doch bevor sich Ahmed in Richtung Orient begibt, will er erst mal noch durch Deutschland radeln und Freunde besuchen. Die hat er nämlich überall. So auch Joline Stengel, die eben aus Lippborg kommt. Die beiden kennen sich vom Robert-Bosch-College in Freiburg, einer internationalen Schule. Dort haben sie gerade ihren Abschluss gemacht. „Im letzten Jahr bin ich noch mit dem Bus in den Irak gefahren“, erzählt Ahmed, wie er auf die Idee für seinen Fahrrad-Trip kam. „Das hat 74 Stunden gedauert. Da habe ich gelernt, was Distanzen eigentlich genau bedeuten.“ Mit dem Flugzeug bräuchte er schließlich nur zwei Stunden bis in sein Heimatland. 

Klimaschutz ist Ahmed wichtig

Der Hauptgrund für seine über 4000 Kilometer lange Pedalreise ist allerdings der Klimaschutz, der liegt dem 19-Jährigen nämlich besonders am Herzen. „Im Irak ist das zwar eigentlich kein großes Thema, doch ich merke den Wandel dort sehr stark“, sagt er. „Als ich noch ein Kind war, hatten wir meistens eine Temperatur um 40 Grad, doch im letzten Jahr hatten wir in Bagdad schon 65 Grad.“ Daher will er nun ganz ohne CO2 -Ausstoß nach Hause fahren. „Und vielleicht kann ich auf diese Weise ja auch diese Art der Mobilität verbreiten“, hofft er. Dass seine Idee für die meisten allerdings total abgedreht klingt, ist ihm durchaus bewusst. „Viele Leute haben mich erst mal gefragt, ob ich verrückt bin“, lacht Ahmed, der zuvor noch nie eine mehrtägige Radtour gemacht hat. Quasi zur Probe sollte es daher erst mal nur von Freiburg nach Koblenz gehen, wo Ahmed einen Schulfreund besuchen wollte. „Doch auf dem Weg hat mir Joline geschrieben, dass ich doch auch bei ihr vorbeischauen soll“, schildert er. Und so sitzt er nun auf der Terrasse der Stengels. 

Schulkolleginnen in Lippborg

Dort trifft Fadhil Ahmed nicht nur auf seine Freundin Joline, sondern auch auf Anna Heiting und Amy Young, andere Schulkolleginnen, die ebenfalls gerade in Lippborg zu Gast sind. Lange bleibt der junge Iraker aber trotzdem nicht, er hat schließlich noch viel vor. Als Nächstes will er zu einem Kumpel nach Hannover radeln, dann weiter nach Hamburg und Berlin. Von dort aus geht es dann über Tschechien in Richtung Babylon, seiner Heimatstadt, etwa 90 Kilometer südwestlich von Bagdad. „Ich plane im späten Oktober oder im frühen November zuhause zu sein“, verrät Ahmed. „Das ist der beste Zeitpunkt, glaube ich. Im September ist es nämlich noch viel zu heiß, um im Irak Fahrrad zu fahren.“ Sehr lange wird es den 19-Jährigen dort aber auch nicht halten, er will studieren. „Ich habe schon eine Zusage vom Trinity College in den USA“, erzählt er. „Aber ich sehe mich auch noch nach Alternativen in Europa um.“ Doch egal, ob im Bundesstaat Connecticut oder auf dem alten Kontinent, überall kann er von seiner außergewöhnlichen Radtour zum Wohle des Planeten berichten – und dabei fröhlich an all die guten Freunde denken, die er auf dem Weg besucht hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare