„Kultur am Stall“ mangels Interesse abgesagt:

Gesundheitswesen boykottiert Geschenk

Keine Lust aufs Fest: Weil so gut wie niemand aus dem heimsichen Gesundheitswesen in Hüttinghausen umsonst feiern will, bleibt der Hof von Marianne und Klaus Albersmeier nun leer.
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Keine Lust aufs Fest: Weil so gut wie niemand aus dem heimsichen Gesundheitswesen in Hüttinghausen umsonst feiern will, bleibt der Hof von Marianne und Klaus Albersmeier nun leer.

Es sollte ein Fest werden. Ein riesiges Dankeschön-Fest. Mit ihrem Event „Kultur am Stall“ wollten Klaus und Marianne Albersmeier in diesem Jahr den Menschen aus dem heimischen Gesundheitswesen eine kostenlose Freude machen. Eigentlich. Denn jetzt hat das Ehepaar die Veranstaltung abgesagt, weil so gut wie niemand das Angebot annehmen wollte. Eine Spurensuche.

Hüttinghausen - „Ich kann mir das nicht erklären. Ich dachte, die Menschen rennen uns die Bude ein“, lässt Marianne Albersmeier ihrer Enttäuschung freien Lauf. Gleich vier Auftritte mit jeweils bis zu 120 Gästen hatte sie am 24. und 25. Juli auf ihrem Hof in Hüttinghausen geplant. Eingeladen hatten die Eheleute Mitarbeiter der heimischen Krankenhäuser, Pflegedienste, Arztpraxen und zudem Angestellte der Caritas und der Diakonie sowie der ambulanten und stationären Hospize.

Persönliches Dankeschön

In der Einladung an die Menschen aus dem Gesundheitswesen hieß es: „Es ist uns ein Bedürfnis, nicht nur des Abends am Fenster zu klatschen (das hört hier in Hüttinghausen sowieso niemand), sondern persönlich Danke zu sagen für all das, was Sie geleistet haben in einer Zeit, als alles auf dem Kopf stand und niemand wusste, wie es weiter gehen soll. Egal ob Sie in einer Arztpraxis arbeiten, bei einem Pflegedienst, auf der Intensivstation, im Hospiz oder im Seniorenheim: Sie sind uns willkommen. Wir hoffen, dass wir ein volles Haus haben und wir unseren Gästen ein paar schöne Stunden bei uns auf dem Hof bieten können.“

Die Idee: Die heimische Songwriterin Kelsey Klamath und ein Folk-Duo sollten nach einem harten Corona-Jahr für entspannte Musik sorgen, dazu sollte es Essen und Trinken geben und zudem hätte es Info-Wände des Vereins „Anidaso Ghana“ und der Sponsoren geben sollen Auch eine Kunstausstellung war geplant. Alles kostenlos.

„Wir wollten uns auf diesem Weg bei allen bedanken, die während der Corona-Krise so hart im Gesundheitswesen gearbeitet haben“, sagt die Landwirtin. Wieso die Resonanz nun so vernichtend gering ausfällt, das kann sie sich nicht erklären. Mehrere Mails seien an die Adressaten gegangen, zudem habe es persönliche (Einladungs-)Gespräche gegeben. „Überall wo ich angerufen habe hieß es, dass das eine tolle Idee sei“, berichtet Marianne Albersmeier. Anmeldungen seien aber bis auf drei Personen bisher keine gekommen.

Ich kann mir das nicht erklären. Ich dachte, die Menschen rennen uns die Bude ein.

Marianne Albersmeier

Die Folge: Obwohl der Anmeldeschluss erst am kommenden Freitag gewesen wäre, ziehen die Veranstalter jetzt die Reißleine. In einer Mitteilung heißt es offiziell: „Mit großem Bedauern sagen wir heute unser Event ,Kultur am Stall‘ ab. Aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, haben sich bis heute genau drei Personen angemeldet. Rückmeldung zum Eingang der Einladung haben wir von genau zwei eingeladenen Institutionen bekommen. (…) Das ist leider zu wenig, um Planungssicherheit zu haben und so eine Veranstaltung durchführen zu können.“

Für die Albersmeiers heißt es nun, die Veranstaltung rückabzuwickeln: Die Festzelte müssen wieder abgesagt, die Künstler gekündigt werden. Das Hygienekonzept und die Absprachen mit dem Veterinäramt sind nun „für die Tonne“. „Wir hatten sogar schon ein Schwein fürs Fest geschlachtet“, verrät Marianne Albersmeier. Unterkriegen lassen wollen sich die Macher von „Kultur am Stall“ aber nicht. „Es tut mir jetzt leid für den Verein ,Anidaso‘, für den wir ja Spenden sammeln wollten“, sagt Marianne Albersmeier. Alle Infos für Menschen, die trotzdem etwas überweisen wollen, gibt es unter www.anidaso-ghana.de.

„Kultur am Stall“ wird es trotz der Pleite in diesem Jahr aber auch künftig geben. „Vielleicht machen wir im September ein kleines Fest. Und ,Kultur am Stall‘ mit allem drum und dran wird es wieder in zwei Jahren geben.“ Dann hoffentlich wieder mit vielen Besuchern.

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