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„Klinkerkiez“: Auf dieser Lippetaler Ziegelei-Fläche entsteht Zukunft

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Von: Sarah Hanke

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In den Gebäuden der ehemaligen Ziegelei Bertram bei Niederbauer soll der „Klinkerkiez“ entstehen. So wollen die Schwestern Franziska und Maximiliane Bertram das gut 30 Hektar große Anwesen mit neuem Leben füllen.
In den Gebäuden der ehemaligen Ziegelei Bertram bei Niederbauer soll der „Klinkerkiez“ entstehen. So wollen die Schwestern Franziska und Maximiliane Bertram das gut 30 Hektar große Anwesen mit neuem Leben füllen. © Bertram

Mitten in Lippetal soll ein neuer Businesspark mit modernen Werkräumen und Hallen entstehen.

Lippetal – Mitten in Lippetal wollen die Geschwister Bertram einen eigenen „Kiez“ schaffen, der gemeinschaftliches Wohnen, Leben und Arbeiten ermöglicht. In den Gebäuden der ehemaligen Ziegelei bei Niederbauer soll ein Businesspark mit modernisierten Werkräumen, großen Hallen und einer gemeinsam genutzten Büroetage entstehen. Wenn alles gut geht, soll noch in diesem Jahr der Startschuss für die Baumaßnahmen fallen.

Durch den Feststellungsbeschluss der 52. Änderung des Flächennutzungsplans der Gemeinde Lippetal, der am Montag Gegenstand des Gemeindeentwicklungsausschusses war, kommen die Geschwister ihrem Ziel nun einen Schritt näher. Er wurde in der Sitzung einstimmig gefasst. Um die Bebauungspläne umsetzen zu können, soll die Fläche als Gewerbegebiet ausgewiesen werden. So soll das Areal einer angemessenen Nachnutzung zugewiesen werden. Entsprechend lautet die Beschlussempfehlung für den Gemeinderat.

Ein wichtiger Schritt für die Geschwister Bertram. „Wir sind total froh, weil die Ungewissheit damit vorbei ist und wir mit freiem Rücken in die Entwicklung gehen können“, sagt Franziska Bertram. Zusammen mit ihrer Schwester Maximiliane hat sie sich auf die Fahne geschrieben, mit dem Projekt „KlinkerKiez“ ein Stück Urbanität nach Lippetal zu holen. Die Pläne für das Gelände der Ziegelei mit 350-jähriger Tradition, die ebenso wie der landwirtschaftliche Betrieb auf dem Hof seit Langem zum Besitz der Familie Bertram gehört, können nun konkretisiert werden. „Das ist viel wert“, so Bertram.

Die Klinkerkiez-Klique wächst: Nach und nach kommen neue Mieter hinzu, die das Miteinander schätzen.
Die Klinkerkiez-Klique wächst: Nach und nach kommen neue Mieter hinzu, die das Miteinander schätzen. © Schäfer

Die bestehenden Hallen auf dem alten Ziegelei-Gelände sollen noch in 2023 zu „hochwertig sanierten Arbeitsräumen“ umgebaut werden. Für Inhaber einer Schneiderei zum Beispiel, die das gemeinschaftliche Arbeiten (Co-Working) schätzen.

Zudem soll es Räume mit kompletter Ausstattung zum Beispiel mit Heizung, Strom und Tageslicht geben. Aber auch solche ohne Heizung. „Die Räume kommen dann zum Beispiel für Tischler oder Zimmerer infrage, die dort arbeiten oder lediglich Maschinen unterbringen wollen“, sagt Bertram. Ein gemeinschaftliches Büro (Co-Working-Büro) soll ebenfalls entstehen. Mit einem Großraumbüro, Team-Büros und Einzelbüros – für Leute, die keine Lust haben, alleine im Homeoffice zu sitzen. Ein mietbarer Schreibtisch soll ebenfalls zur Verfügung stehen. Entstehen soll ein urbanes Zentrum, das Menschen sowohl aus Lippetal als auch aus Soest ansprechen soll.

„Klinkerkiez“: Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen

Die Arbeiten sollen noch nicht in diesem Jahr beginnen. „Ich finde der Begriff ‘Kiez’ passt total gut. Man kann hier wohnen, leben und arbeiten“, sagt Bertram, die das Projekt 2021 mit ihrer Schwester begonnen hat. „Es ist wie ein kleiner Werkhof, auf dem Handwerker (Co-Crafting) nebeneinander sitzen und die tollen Synergieeffekte für sich nutzen können.“

Mittlerweile besteht die „Klinkerkiez“-Klique aus etwa 15 Leuten, die regelmäßig vor Ort sind. Seit einem Jahr gehört auch Markus Preckel mit seinem Start-Up Unternehmen „NatuRaumVans“ dazu. In seiner kleinen Werkstatt auf dem Ziegelei-Gelände baut er Vans aus. „Wir wollen diese Synergien auch Menschen ermöglichen, die mehr Platz brauchen“, sagt Bertram. Zu den „Co-Craftern“ im Klinkerkiez gehört auch ein Unternehmen, das in einem Atelier Prototypen für Bettwäsche und Heimtextilien aus Hanf entwickelt und vermarktet. Ein weiterer Bestandteil des Kiezes ist das „Co-Farming“: Zu diesem gehören zum Beispiel Ann-Kristin Kutscher und Sarah Riemer mit ihrer Pferde-Akademie oder der Soester Lebensgarten, der dort Erfahrungen mit sogenannten „Perma-Kulturen“ sammelt.

Dass die „Klinkerkiez“-Klique nur langsam wächst, sei positiv. „Durch organischen und eher langsamen Zuzug neuer Mieter kann die Gemeinschaft vor Ort besser zusammenwachsen“, sagt Franziska Bertram. „Der Flohmarkt im Sommer hat uns als Truppe noch einmal mehr zusammengeschweißt.“ Aktuell suchen die Geschwister Bertram noch „Gründer, kleine Unternehmen, Handwerker oder Dienstleister, Kreative, nachhaltige Agierende und Zukunftsdenker, die ein synergetisches Miteinander schätzen und in einer kreativ-produktiven Atmosphäre ihrer Profession nachgehen wollen.“

Kontakt

Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mail an Franziska und Maximiliane Bertram vom Klinkerkiez wenden Bertram@KlinkerKiez.de

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