Junger Seeadler in den Ahsewiesen unterwegs

Einen seltenen Gast hielt unser Leser Olaf in den Ahsewiesen bei Lippborg im Bild fest: Ein junger Seeadler hatte sich das Lippetal als Station ausgesucht. Ob die Ahsewiesen als dauerhafter Lebensraum für die großen Vögel geeignet sind und was sie nach Lippetal zieht, besprach Florian Starb mit Vvon der Arbeitsgemeinschaft biologischer Umweltschutz (ABU). Kerber
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Einen seltenen Gast hielt unser Leser Olaf in den Ahsewiesen bei Lippborg im Bild fest: Ein junger Seeadler hatte sich das Lippetal als Station ausgesucht. Ob die Ahsewiesen als dauerhafter Lebensraum für die großen Vögel geeignet sind und was sie nach Lippetal zieht, besprach Florian Starb mit Vvon der Arbeitsgemeinschaft biologischer Umweltschutz (ABU). Kerber

LIPPETAL -  Ein Seeadler in Lippetal – das hat Seltenheitswert. Im Interview mit Florian Starb erklärt Vogelkundlerin Dr. Margret Bunzel, was der große Vogel in Lippetal sucht und ob er eventuell sogar länger hier verweilen könnte.

Frau Dr. Bunzel, Seeadler sind in dieser Region eine Seltenheit, wo liegt deren eigentliches Verbreitungsgebiet?

Dr. Margret Bunzel: In Deutschland sind Seeadler vor allem in den neuen Bundesländern, dort mit dem Schwerpunkt Mecklenburg-Vorpommern, und in Schleswig-Holstein sowie Teilen von Niedersachsen heimisch. Weiter süd-westlich trifft man sie kaum an, mir ist lediglich ein einzelnes Brutpaar in den Niederlanden bekannt. In Nordrhein-Westfalen brüten die Tiere überhaupt nicht, obwohl es früher auch ihr Verbreitungsgebiet war.

Wenn Sie ansprechen, dass die Seeadler früher in Nordrhein-Westfalen heimisch waren, wieso sind sie es heute nicht mehr?

Dr. Bunzel: Die Seeadler sind hier schon lange nicht verbreitet, das hat mehrere Faktoren. Zum einen wurden sie als großer Greifvogel bejagt, zum anderen sind die Lebensräume nicht vorhanden. Die hiesigen Landstriche widersprechen den Vorlieben der Tiere.

Welche Vorlieben sind das?

Dr. Bunzel: Ein Seeadler benötigt ein großes Nahrungsangebot. Dazu zählt im Winter vor allem auch Aas. In unseren Gebieten sind die Chancen jedoch gering, Aas in ausreichender Menge zu finden. Tote Tiere werden in der Regel schnell gefunden und entsorgt. In den dünner besiedelten Lebensräumen ist das anders, dort lassen Jäger beispielsweise auch die Innereien geschossener Wildtiere für Aasfresser liegen. Daraus ergibt sich jedoch teils ein neues Problem.

Auf welches Problem beziehen Sie sich da?

Dr. Bunzel: Wenn bei der Jagd Bleimunition verwendet wird, bleiben Rückstände oder auch Schrotkugeln in den Innereien zurück. Diese sind giftig, eine Bleivergiftung zählt heutzutage zu der häufigsten Todesursache bei Seeadlern. Wie gesagt, gerade im Winter ernähren sie sich gerne von Aas. Aber natürlich stehen auch weiterhin Wildtiere auf dem Speiseplan, wodurch die Ahsewiesen wieder interessant werden.

Welche Tiere sind dort heimisch, die für einen Seeadler als Beute besonders reizvoll sind?

Dr. Bunzel: Unter anderem sind es die Wasservögel wie Blesshühner, die im Lippetal eine große Population haben. Aber auch die Nutrias, auch Biberratten genannt, stellen eine lukrative Beute da, weil sie auch tagsüber aktiv und somit gut zu jagen sind.

Lassen sich aus dem Beuteangebot eventuell Chancen ableiten, dass ein Seeadler auf lange Sicht hier wieder heimisch wird?

Dr. Bunzel: In diesen Breiten sind die Chancen dafür eher gering. Die Tiere sind sehr empfindlich, benötigen weit mehr als nur das Nahrungsangebot, um sich als Brutpaar niederzulassen. Wichtig ist vor allem ein ruhiges Refugium, in dem das Paar nicht gestört wird. Dafür sind die Ahsewiesen nicht geeignet. Ein seltener Wintergast kann der Seeadler jedoch immer wieder sein. Gerade wenn es sich um Jungvögel handelt, die noch kein eigenes Brutrevier in Beschlag genommen haben.

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