Brenn- und Baustoffhandel

Wärmelieferant Schwartze geht in den Ruhestand

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Radlader und Tanklaster begleiteten Heinrich Schwartze (rechts) seit Jahrzehnten. Die Söhne Ingo (links) und Heiko halfen oft mit.

Herzfeld – Familie Schwartze brachte fast 100 Jahre lang Wärme ins Lippetal. Jetzt stellt Heinrich Schwartze zum letzten Mal seinen Tanklastzug auf dem Hof an der Diestedder Straße ab. Nach fast 100 Jahren und drei Generationen macht der Brenn- und Baustoffhandel Feierabend.

1985 hatte der 65-Jährige den Betrieb von seinem Vater übernommen – der wiederum von seinem Vater. Jetzt einen Schluss-Strich zu ziehen, ist für Heinrich Schwartze „schon ein komisches Gefühl“. Doch der Schritt war gut überlegt. Schon früh stand für die Eltern fest, dass die beiden mittlerweile erwachsenen Söhne nicht in den Betrieb gedrängt werden sollten. 

„So eine Firma ist eine enorme Arbeitsbelastung“, weiß Mechthild Schwartze (66) aus eigener Erfahrung. An manchen Tagen ist Heinrich Schwartze in früheren Zeiten schon um 4.30 Uhr morgens rausgefahren und hat erst spät am Abend den Arbeitstag beendet. „Urlaub war Luxus und dauerte höchstens ein paar Tage“, erinnert sich Mechthild Schwartze. Selbstständigkeit heißt Verantwortung - auch für den Kunden. 

Kunden bestimmten 100 Jahre lang den Familientakt

Dabei wurden die beiden Kurzurlauber im Falle des Falles durch die Söhne und Aushilfskräfte immer gut vertreten. Schwester Helga und später Tochter Verena kümmerten sich ohnehin gewissenhaft um die Buchhaltung. Spaß an der Arbeit hatten auch alle. Schließlich wuchsen sie mit Radlader, Laster und viel Sand auf. Der berufliche Werdegang der Jungs verlief dann aber – wie gewünscht – in andere Richtungen: Ingo (32) wurde Lehrer und Heiko (37) Betriebswirt. 100 Jahre lang bestimmten die Kunden den Familientakt. 

Anfangs wurden noch Holztransporte mit Pferden vom Bahnhof Diestedde nach Herzfeld durchgeführt. Später kamen Kohle, Briketts und andere Brennstoffe hinzu. Vor allem ab den 60er-Jahren wurde viel mit Öl geheizt. Die Firma stellte sich darauf ein und versorgte die Kunden mit Heizöl und Dieselkraftstoff. 

"Ich kann doch über Weihnachten niemanden frieren lassen"

Das zweite Standbein bildete der Baustoffhandel, den Heinrich Schwartze nur mit der Unterstützung mehrerer Aushilfskräfte neben dem Brennstoffgeschäft betreiben konnte. Da es keine festen Angestellten gab, sind nun auch keine Entlassungen nötig. Wer schnell etwas brauchte, der wurde auch prompt versorgt. „Wir sind bekannt für unseren Service“, betont Heinrich Schwartze. Der ging mitunter so weit, dass auch mal Heiligabend anders verlief als geplant. 

Ingo Schwartze erinnert sich: „Ich war noch ein Kind und freute mich auf die Bescherung. Dann kam der Anruf...“ Einem Kunden war das Heizöl ausgegangen. Keine Frage: Heinrich Schwartze machte sich sofort auf den Weg, die Bescherung musste warten. „Ich kann doch über Weihnachten niemanden frieren lassen“, so seine Überzeugung. Überhaupt hat sich in all den Jahren eine innige Beziehung zwischen Kunden und dem Haus Schwartze entwickelt. „Es war in einigen Fällen fast wie eine Familie“, sagt Mechthild Schwartze.

Nachricht vom Abschied stimmte den einen oder anderen traurig

Und so verwundert es nicht, dass den einen oder anderen die Nachricht vom Abschied in diesen Tagen traurig stimmt. Doch der Entschluss steht: Jetzt ist Schluss und künftig mehr Zeit für Enkelkinder, Hobbies und Urlaub. In einem Brief hat sich Familie Schwartze von ihren zahlreichen Kunden verabschiedet. Darin heißt es: „Es war eine sehr lange Zeit, die uns sehr viel Freude gemacht hat. Das Wichtigste aber natürlich sind Sie, unsere Kunden, die uns in unglaublicher Art unterstützt haben.“ 

Ein bisschen leichter fällt Heinrich Schwartze die Entscheidung, wenn er an den wachsenden bürokratischen Aufwand und den Wettbewerb mit den „Großen“ denkt. Noch ein Jahr lang läuft der Telefonverkauf über die bekannte Nummer 02923-277 weiter. Die Brennstoff-Versorgung übernimmt aber ab sofort die Firma Crämer Schmäling (Lippstadt, Telefon 02941/286750). Das Baustoffgeschäft übernimmt Firma Mario Holtewerth.

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