Landwirte mähen Wiesen ohne Sorgen

Mit Drohnen und Wärmebild-Kameras: So viele Reh-Kitze konnten gerettet werden

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150 Kitze wurden bei der Suche in diesem Frühling gefunden und in Gras gebettet, in Sicherheit gebracht. Die Jäger gehen davon aus, dass bei konventionellern Methoden hundert von ihnen unters Messer geraten wären.

Lippborg/Herzfeld – Die Rettungsaktion ist gelaufen. Ein Plakat mit Fotos von geborgenen Kitzen dokumentiert den Erfolg. Stefan Schreiber, Hegeringleiter vom Hegering Herzfeld-Lippborg, und seine 30 Helfer blicken zufrieden auf eine Zahl von über 100 Kitzen, denen sie das Leben gerettet haben.

Leader-Maßnahme Von Mitte April bis Ende Juni haben sie die Wiesen und Weiden im Hegering nördlich der Lippe auf rund 1000 Hektar mit Drohnen und Wärmebild-Kameras abgesucht, um vor der Mahd die Kitze in den Wiesen zu finden und aus der Gefahrenzone zu schaffen. 

Eine Leader-Maßnahme der Region Lippe-Möhnesee hat dafür die Finanzierung von zwei Profi-Drohnen und die Ausrüstung mit Spezialkameras im Wert von insgesamt 22 000 Euro ermöglicht. 

Kitzrettung im Jubiläumsjahr

Der Hegering Herzfeld-Lippborg hatte im 50 Jahr seines Bestehens die Motivation, speziell die Kitzrettung auf ein neues Niveau zu heben. Ab 4 Uhr unterwegs Dem Vorbild anderer Hegeringe folgend, waren die Jäger aus Lippetal schon morgens ab vier Uhr fast täglich unterwegs, um die Drohnen mit den Wärmekameras dort aufsteigen zu lassen, wo am selben Tag die Mähmaschinen rollen sollten. 

Stolz auf ihren Erfolg: Dr. Bastian Maus, Nina Krah (Leader), Gabriele Clerx, Dr. Klaus Wollhöver, Klaus Lödige, Mathias Hoffmann, Stefan Schreiber, Norbert Mühlenschulte, Peter Belmann. --

Dann wurden die Kitze in Sicherheit am Waldrand abgelegt oder in Kartons behütet, bis die Mähmaschinen ihre Arbeit erledigt hatten. „Früher angewandte Methoden, um die Kitze aus den Liegeplätzen in den Wiesen zu vertreiben, hatten nur bedingt funktioniert“, erklärt Stefan Schreiber. 

Effiziente und zeitsparende Methode

Da wurden Piepser und Warntöne eingesetzt, Tüten und Flatterbänder aufgehängt, Schneisen in die Wiesen gemäht und Hunde zur Suche eingesetzt, um die Rehe zu beunruhigen und die Kitze aus den Wiesen zu vertreiben. Die Umgebung sollte optisch, akustisch und geruchstechnisch verändert werden, damit die Ricken ihre Kitze herausführen. Hohe Effizienz Dass diese Methoden nur bedingt funktioniert haben, ist dank des erfolgreichen Einsatzes von Drohnen und Kameras jetzt bewiesen. 

Auf Haus Düsse wurden zunächst traditionelle Methoden eingesetzt, um Kitze zu vertreiben, danach fanden die Drohnen dennoch weitere Jungtiere in den Wiesen. „In Sachen Effizienz und sinnvollem Zeiteinsatz sind die Drohnen unschlagbar“, sagt Stefan Schreiber. Die Wildtierrettung werde so revolutioniert und das komme nicht nur den Rehen zugute. Es wurden auch Gelege zum Beispiel vom Brachvogel, aber auch Junghasen entdeckt und beschützt. 

Landwirte sind erleichtert

Besonders die Landwirte seien heilfroh über die abgesuchten und von Kitzen befreiten Flächen, wo sie jetzt ohne schlechtes Gewissen, Tierleid zu verursachen, ihrer Arbeit nachgehen können. Es sei ansonsten immer ein mulmiges Gefühl, wenn man beim Mähen unterwegs ist und jederzeit ein Kitz verletzen oder gar töten kann. Nach dem Einsatz der Drohnen auf etwa 300 Flächen in der Größe von einem bis zehn Hektar seien in diesem Jahr nur eine handvoll Mähverluste aufgetreten. Damit sei die Aktion ein voller Erfolg. Mehr Wildunfälle 

Mehr Rehe, mehr Verbiss

Aber die Rettung von hundert Kitzen zieht auch ein Problem nach sich. Die Jäger müssen wegen der erhöhten Zahl der Tiere mit mehr Verbiss und auch mit mehr Wildunfällen rechnen. „Wir werden deshalb die Bestandsentwicklung genau in den Blick nehmen und auch jagdlich eingreifen müssen“, erklärt Stefan Schreiber. Denn von den 100 Rehen ist jedes zweite weiblich und wird in zwei Jahren zum Muttertier. Bejagung insbesondere an Verbissflächen und Unfallschwerpunkten sei daher unerlässlich.

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