Pater packt Koffer für Brüssel

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Rektor Pater Harald Volk vom Kolleg Kardinal von Galen packt nach sieben Jahren auf Schloss Assen bald die Koffer und zieht in die Nähe der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Assen – Koffer packen heißt es in gut vier Wochen für Pater Harald Volk, der bis 2016 als Rektor des Kollegs Kardinal von Galen auf Haus Assen tätig war und danach die Umnutzung des Gebäudes als Geistliches Zentrum und Begegnungsstätte auf den Weg brachte.

Er löste im Sommer 2012 seinen Vorgänger, Pater Raphael von Canstein ab, der das Internat seit Ende der 90er Jahre aufgebaut hatte. Das Schloss hatte der frühere Eigentümer, Christoph Bernhard Graf von Galen 1997 dem Orden der Diener Jesu und Mariens (SJM) überlassen zunächst mit dem Ziel, dort katholische Jugendarbeit zu leisten. Über seine sieben Jahre in Assen, über Ereignisse und Veränderungen in der Einrichtung sprach Michael Dülberg mit Pater Volk. 

Sie mussten im Jahr 2012 als sie nach Haus Assen berufen wurden ins kalte Wasser springen, da ihr Vorgänger schon nach Toulon geschickt worden war. Was waren da die ersten Erlebnisse und Eindrücke? 

Es war nicht leicht, denn die ersten beiden Wochen war ich ganz alleine. Da ich mich in der hiesigen Geographie nicht auskannte, habe ich mich bei einem der ersten Erkundungsgänge in die nördliche Umgebung sogar verlaufen und wäre am Ende beinahe in Herzfeld gelandet. Inzwischen kenne ich mich natürlich gut aus und schätze die Ruhe und die Natur sowie die jahreszeitlichen Farbenspiele rings um das Schloss. Es ist schon ein außergewöhnlicher und beeindruckender Platz hier mitten im Wald.

Ihre ersten Aufgabenstellungen als neuer Leiter des Kollegs? 

Erste Aufgaben waren damals die Leitung des Internats, das Bemühen um weitere Schüler, der Kontakt zum Gymnasium in Beckum. Dann musste ich mich in die Geschichte des Schlosses einarbeiten und mich schon in ersten Schritten um die Renovierung und um die Finanzierung sprich Zuschüsse und Spenden kümmern. 

Die Zahl der Schüler im Kolleg Kardinal von Galen ging nach und nach zurück? Was war die Ursache und wie hat der Orden reagiert?

Es war eine sehr schöne Zeit, mit den Jugendlichen zu arbeiten und es schmerzte mich persönlich diesen alltäglichen Umgang aufgeben zu müssen. Die Jungs haben damals das Haus geprägt, hatten hier ihr zweites Zuhause. Es gibt auch noch regelmäßigen Kontakt, ich nehme jetzt auch noch Anteil an ihrem Vorankommen. Andererseits war es aber oft schwierig, die Sinnhaftigkeit eines Internates als Ergänzung der elterlichen Erziehung in Deutschland zu vermitteln, die finanziellen Mittel zu einer umfassenden Werbung fehlten, auch wenn immer wieder Anfragen kamen. Ein Manko war auch, dass es uns nicht gelang eine eigene Schule zu etablieren. Schließlich wurde die Zahl zu gering und der Generalobere entschied 2015, das Internat aufzugeben und nach dem letzten Schuljahr ab August 2016 ein geistliches Zentrum in Haus Assen einzurichten. 

Was war für ein geistliches Zentrum notwendig, sowohl baulich als auch für die Glaubensfragen? 

Wir mussten die Unterbringungsmöglichkeiten so herrichten, dass sich unsere Gäste auch wohlfühlen. Außerdem muss eine Umnutzung beantragt und die entsprechenden baulichen Erfordernisse angepasst werden. Kein leichtes Unterfangen in so einem alten Gebäude Brandschutz, denkmalpflegerische Aspekte und zweckdienliche Veränderungen unter einen Hut zu bringen. 

Welche Veranstaltungen bieten sie im geistlichen Zentrum und wie beurteilen sie Nachfrage und Erfolg? 

Inzwischen haben wir eine ganze Palette von Angeboten. Nach wie vor sind zahlreiche Gästeführungen zu verzeichnen, teilweise mit Kaffee und Kuchen oder einer heiligen Messe in der Schlosskapelle. Daneben gibt es Ehepaarwochenende, Exerzitien, Oasentage, Kaminabende, Besinnungswochenenden, History for kids, Aktionen mit dem jüngst fertiggestellten Dörrofen, Familienwochenenden und so weiter. In den vergangenen Jahren hat sich auch eine gute Zusammenarbeit mit den Tourismusverantwortlichen wie Münsterland e.V. entfaltet. 

Wie groß ist das Interesse am Schloss als bedeutendstes Denkmal in der Gemeinde Lippetal? 

Haben Sie viele Gäste und wofür interessieren die sich? 

Es gibt viele Kontakte, das Interesse ebbt nicht ab. Es kommen immer wieder neue Gruppen aus nah und fern. Andere kommen mit Bekannten wieder. Beim Tag des offenen Denkmals, Schlösser- und Burgentagen oder beim Fahrradthon freuen wir uns jedesmal über eine große Zahl von Besuchern. 

In den vergangenen 20 Jahren wurde im Haus schon viel renoviert und saniert. Große Teile des Daches sind neu gedeckt. Können Sie schon sagen, wann alles fertig wird? 

Es liegt mir am Herzen, dass es weitergeht, immerhin muss der Rückstau an Restauration aus Jahrzehnten aufgeholt werden. Da muss man dranbleiben. Es ist kaum zu erwarten, dass alles fertig wird. Erst jüngst entdeckten wir erhebliche Schäden am Turmhelm der Kapelle. Das wird sehr schwierig, da der Turm sich direkt über dem Wassergraben der Gräfte erhebt und ein kompliziertes Gerüst aufgebaut werden muss, weil kein Leiter- oder Hubwagen durch die Zugbrücke ins Schloss hineinfahren kann. Außerdem haben wir Konstruktionsschäden im Bereich des Daches von Neu-Assen über dem Süd- und dem Ostflügel. Das muss jetzt genau berechnet und dann nach und nach saniert werden. Erst dann kann es mit der Sanierung der Fassaden weitergehen. Zum Glück haben wir mit dem Architekten Rainer Pfromm aus Holzwickede einen Experten gefunden, der uns mit viel Fachwissen unterstützt und mit Herzblut bei der Sache ist. 

Wie wollen Sie die Finanzierung für den Erhalt des Schlosses sichern? 

Eine kirchliche Stiftung für Haus Assen ist im Aufbau, die will der Orden einrichten. Stiftungskapital wird die Immobilie sein. Außerdem hoffen wir weiterhin auf Zuschüsse von Bund und Land NRW sowie auf Spenden. 

Wohin werden Sie berufen? 

Nach Belgien in die Nähe von Brüssel an eine Schule an einem alten Kloster mit Internat und großem gepflegten Garten namens Maleizen nahe bei der Stadt Overijse. Das ist ein niederländischer Sprachbereich. Ich war schön öfters dort und habe Erfahrungen gesammelt. Jetzt lerne ich erstmal die Sprache. 

Wann geht es los? 

Der Umzug wird kurz vor Weihnachten stattfinden. Bis dahin muss noch allerhand verpackt werden. Etwas Wehmut ist auch dabei. Ich werde Haus Assen, die Mitbrüder und die Lippetaler sicher vermissen, aber ich gehe auch frohen Mutes an die neue Aufgabe heran.

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