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„Die Leute wollen raus“

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Von: Jürgen Vogt

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Mit Leidenschaft und viel Liebe kümmern sich Ludger Küster und Alexandra Janocha um die Tiere in ihrer „Hundehütte“.
Mit Leidenschaft und viel Liebe kümmern sich Ludger Küster und Alexandra Janocha um die Tiere in ihrer „Hundehütte“. © Uta Müller

Lippborg - Die Pandemie trifft alle. Auch Betreiber von Hundepensionen und -schulen. Und natürlich die Hunde selbst. Über die Auswirkungen eines Lockdown auf Hunde, die Folgen für die eigene Hundepension und die Kurse für Hunde sprach Jürgen Vogt mit Ludger Küster, der guten Seele der „Hundehütte Soest“.

Ihr Anwesen liegt an der B475 in Lippborg. Wieso heißt es eigentlich „Hundehütte Soest“?

Weil wir in Ostönnen angefangen haben und der Name etabliert ist. Jetzt sind wir aber schon zweieinhalb Jahre in Lippborg – und fühlen uns pudelwohl.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf ihren Betrieb?

Die Hundeschule mussten wir – bis auf das Einzeltraining – lange schließen. Die Pension dagegen gilt als systemrelevant. Deshalb war sie die ganze Zeit über geöffnet.

Systemrelevant? Warum denn das?

Weil wir zum Beispiel sicherstellen mussten, dass Hunde untergebracht werden können, wenn die Besitzer in Quarantäne sind. Tatsächlich haben wir aber auch viele Hunde aufgenommen, zum Beispiel von Ärzten und Krankenschwestern, die 24-Stunden-Dienste machen.

Waren Sie wirtschaftlich existenziell bedroht?

Nein. Meine Frau hat nebenbei gearbeitet, und ich habe die Pension gemacht. So und mit den staatlichen Hilfen sind wir über die Runden gekommen.

Haben Sie heute mit „Corona-Hunden“ zu tun, also Tieren, die in der Pandemie angeschafft und jetzt nicht mehr gebraucht werden?

Zum Glück nicht. Wir haben aber von solchen Fällen gehört. Bei uns haben wir es jetzt eher mit vollen Kursen für Welpen zu tun; und damit, dass viele inzwischen gar keine Welpen mehr sind. Wir arbeiten also die verlorene Zeit auf.

Funktioniert das?

Nehmen wir unsere Welpenkurse. Viele Hunde sind jetzt schon deutlich älter als 12 bis 14 Wochen. Deshalb stellen wir die Gruppen individuell zusammen, so dass sie homogen sind.

Wie ist die Buchungslage der Pension aktuell?

Das Buchungsverhalten hat sich verändert. Hatten wir die Hunde früher zwei Wochen am Stück, so buchen viele jetzt drei bis fünf Tage. Aber klar ist auch: Die Leute wollen raus. Jetzt nach Ferienende lässt das zwar etwas nach, aber für die Herbstferien sind wir schon ausgebucht. Allerdings wissen wir natürlich nicht, ob im Herbst die Urlaube möglich sind oder ob wir es wieder mit massenhaften Stornierungen zu tun haben werden.

Hat die kürzere Verweildauer Auswirkungen auf Ihre Arbeit?

Wir müssen die Hunde wegen der kürzeren Zeiten immer wieder neu vergesellschaften. Bei uns werden die Tiere immer in kleinen Rudeln betreut. Das macht natürlich viel mehr Arbeit.

Perspektivenwechsel: Welche Sorgen haben die Hunde aktuell?

Viele sind damit konfrontiert, dass ihre Besitzer sie während der Homeoffice-Zeit angeschafft haben und jetzt wieder arbeiten gehen müssen. Da müssen die Hunde jetzt lernen, wie sie das zu Hause alleine auf die Reihe kriegen.

Haben Sie Tipps dafür?

Ja. Man darf die Hunde nicht gleich acht Stunden alleine zu Hause lassen. Es geht darum, sie langsam daran zu gewöhnen: Also erst mal eine halbe Stunde und dann immer mehr. Sonst kriegen die Hunde das nicht hin.

Pension und Schule

Die „Hundehütte Soest“ befindet sich an der Dolberger Straße 30 in Lippborg. Neben den 12 Pensionsplätzen bietet das Haus eine Hundeschule, in der es neben den Welpenkursen auch Verhaltenstherapien, Anti-Gift-Köder-Training oder Geräteparcours gibt. Betrieben wird die Hundehütte Soest von Alexandra Janocha und Ludger Küster. Weitere Infos gibt es unter www.hundehuette-soest.de.

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