Großer Bedarf: Bis 2020 sollen zwei neue Kitas in Lippetal her

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Bauen kann so einfach sein. So zumindest ergeht es den Steppkes in der Albertus-Magnus-Kita in Hovestadt. Die Gemeinde Lippetal und das Kreisjugendamt müssen nicht nur Lego-Klötzchen bewegen, sondern zwei neue Tagesstätten bauen. Derzeit werden Standorte gesucht.

Lippetal – Die Gemeinde Lippetal kommt um den Bau zweier neuer Kitas nicht umhin. Die Ausschüsse für Schule und Kitas sowie für Jugend und Familie haben sich von der Leiterin des Kreis-Jugendamts auf den aktuellen Stand bringen lassen. Klar ist auch: Die katholische Kirche wird keine weiteren Tagesstätten in Lippetal bauen.

„Wir haben nichts verschlafen“, sagt Gudrun Hengst, die Chefin des Jugendamts beim Kreis und somit zuständig für die Kita-Versorgung in Lippetal und elf weiteren Kommunen des Kreises. Dass mittelfristig 70 Plätze fehlen, sei nicht absehbar gewesen. Offenbar resultiere der unerwartete Bedarf aus Zuzügen junger Familien. Die Geburtenstatistik jedenfalls habe keine Hinweise geliefert. Hengst: „Wir können nicht auf das reagieren, was wir nicht vorausschauen können.“ 

Vor allem bei den älteren Mädchen und Jungen (über drei Jahren) klemmt es. Hier nannte die Jugendamtschefin einen Bedarf von 50 Plätzen. Aber auch für die ganz kleinen „Kunden“ zwischen null und drei Jahren müssten noch 20 Plätze her, um alle Wünsche zu erfüllen. 

Wobei die Nachfrage nach Plätzen für die jüngsten Kinder in Lippetal ausgesprochen hoch ist: Fast jedes zweite Kind von Null bis Drei wird in einer Kita oder von Tagesmüttern versorgt: exakt 47,2 Prozent. Zum Vergleich: Kreisweit liegt die Quote nur bei 37,5 Prozent. 

So oder so: Vier neue Gruppen müssen alsbald her, am besten mit zwei Neubauten in Lippborg und Herzfeld, wo die meisten Interessenten wohnen. Die katholische Kirche, die heute schon die meisten Lippetaler Kitas unter ihrer Regie hat, wird das nicht tun. 

Pfarrer Jochen Kosmann berichtet, er habe sich in der Sache extra noch einmal beim Bistum in Münster die Auskunft geholt: Es werde keine neuen Trägerschaften geben; allenfalls lasse man mit sich über Erweiterungen reden. Doch ein solcher Anbau käme allenfalls am Bertgerus-Kindergarten in Betracht; an den anderen Kitas fehlt schlicht der Platz. 

Das Nein der Katholiken behagt CDU-Fraktionschef Georg Bertram nicht. Die Entscheidung sei „nicht nachzuvollziehen“, die Kirche müsse sich auf „Gegenwind“ aus Lippetal einrichten. Bertram ließ offen, was er damit meint.

Bürgermeister Matthias Lürbke schildert, die Situation in jüngster Zeit sei „völlig anders“. Bislang seien längere Wartelisten für einen Kita-Platz in Lippetal ein Fremdwort gewesen. Nun aber gehe es um die Träger- und Standortsuche: Die neuen Kitas sollten nicht an den Rändern der Ortsteile liegen, sondern mittendrin und nahe der Grundschulen – schon wegen der engen Verzahnung bei der Betreuung Sechsjähriger. 

Auf jeden Fall wolle die Gemeinde das Kreisjugendamt bei seiner Arbeit unterstützen, die Versorgungslücken zu schließen. Bis zum Sommer sollten Beschlüsse her. 

„Wir müssen Gas geben“, so Lürbke. Beim Kreis freilich muss ein weitaus dickeres Brett gebohrt werden. In nahezu allen Kommunen fehlen Kita-Plätze; erst kürzlich hat der Kreis-Jugendausschuss nach 19 Millionen Euro gerufen, um die Probleme in den Griff zu kriegen.

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