Goldener Meisterbrief

Dieser Hovestädter schwingt den Pinsel seit einem halben Jahrhundert

Goldener Meisterbrief: Tanja Senftleben überreichte als Obermeisterin im Maler- und Lackiererhandwerk Wilhelm Prast den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Dortmund.
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Goldener Meisterbrief: Tanja Senftleben überreichte als Obermeisterin im Maler- und Lackiererhandwerk Wilhelm Prast den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Dortmund.

Seit einem halben Jahrhundert schwingt Wilhelm Prast seinen Pinsel - und seine Frau glaubt daran, dass er am Ende dabei sterben wird.

Hovestadt – Ein Malermeister wie von Künstlerhand hingepinselt, so sitzt Wilhelm Prast auf der Bank neben dem Kamin im heimischen Wohnzimmer. Der Mann strahlt. Denn an diesem Tag bekommt er seinen Goldenen Meisterbrief überreicht. Und weil die Ehrengäste bei Kaffee und Kuchen Zeit mitgebracht haben, erzählt, nein: modelliert „Willi“ Geschichten aus dem Leben eines Malermeisters.

Das Feiern, das komme in diesen Tagen einfach zu kurz, lässt Prast seine Gäste wissen. Schon im letzten Jahr habe er seinen 75. Geburtstag und die Goldhochzeit groß feiern wollen. Doch dann kam Corona. Diesmal sitzen nur wenige Gäste am Tisch, alle mit viel Abstand, die meisten mit Maske. Doch das hält den 75-jährigen Meister seines Fachs nicht davon ab, die Vergangenheit in bunten Farben zu malen.

Malermeister seit einem halben Jahrhundert: Eigentlich ein Zufall

„Eigentlich zufällig, weil eben eine Lehrstelle frei war“ sei er zum Maler-Handwerk gekommen. Und weil es nach der Ausbildung in Soest bei Franz Möllmann viel zu tun gab, sei er eben dorthin gewechselt. „Franz hat mir eines Tages erzählt, dass er mich zur Meisterschule angemeldet hat“, erinnert sich der Jubilar an den entscheidenden Schritt hin zum Meisterbrief.

Zunächst habe er ablehnen wollen, „weil ich mir das doch gar nicht leisten konnte“. Doch als der Chef ihm versicherte, währen der sechs Monate Vollzeitausbildung den Lohn weiter zu bezahlen, lenkte Prast ein. Die Folge: Neben der Praxis musste sich Willi mit Theorie auseinandersetzen. „Wenn ich sonntags mit meiner Frau Buchführung gemacht habe, da lagen im ganzen Wohnzimmer Zettel herum“.

1971 machte sich der Meister Wilhelm Prast schließlich selbstständig. Zunächst arbeitete er eng mit seinem alten Chef zusammen. Dann aber fokussierte sich der Betrieb immer mehr auf „kleine, aber feine Privatkundschaft“. Der Betrieb blieb bewusst immer klein. Meister Prast, ein Geselle, ein Azubi. „Ich habe in jedem Jahr gutes Geld verdient“, blickt Willi Prast zurück. Dann sagt er: „Ich hatte zum Glück auch immer die Kundschaft, die zu mir passte.“ Wer diese Kunden sind? Die gräfliche Familie von Plettenberg zum Beispiel, denn im Schloss Hovestadt galt Willi Pracht als „Haus- und Hofmaler“. Und als Fensterputzer. „43-Mal habe ich alle Fenster im Schloss geputzt.“

Malermeister seit einem halben Jahrhundert: Vertrauen spielt große Rolle

Vertrauen sei wichtig. Deshalb habe es immer wieder auch Familien gegeben, die vor dem Urlaub den Haustürschlüssel bei Prast abgaben – und bei der Rückkehr eine renovierte Wohnung hatten. Neben den klassischen Malerarbeiten spezialisierte sich der Kleinbetrieb aufs Restaurieren mit Ölen, auf seltene Arbeiten wie das Vergolden oder das Masern.

Meine Frau sagt immer, dass ich mal mit dem Pinsel in der Hand sterbe. Und da hat sie wohl recht.

Wilhelm Prast, Malermeister

Dabei kamen auch unorthodoxe Mittel zum Einsatz. „Einmal haben wir draußen einen Hund an ein altes Möbelstück gebunden. Das haben wir hier im Schuppen restauriert und es war gut und gerne 20000 Euro wert.“ Jetzt mischt sich Willis Sohn Frank ein. Der nämlich hatte sich lange auch ins Geschäft eingemischt. Ebenfalls als Meister übernahm er 2006 die Geschäfte. Mit Ingo war zwischen 2010 und 2013 sogar noch ein zweiter Sohn und der dritte Meister bei „Prast“ tätig. Weil das aber doch zu viel des Guten war, wechselte er in einen anderen Job.

Heute ist von den ehemaligen 70-Stunden-Wochen bei Willi Prast höchstens noch ein Sechs-Stunden-Einsatz pro Tag drin. Das Geschäft ist seit 2019 offiziell geschlossen. „Ein Schritt, der uns sehr schwerfiel“, erzählt Frank Prast. Aus gesundheitlichen Gründen aber sei er unumgänglich gewesen.

„Ich besuche meine liebsten Kunden aber immer noch“, meint Wilhelm Prast gut gelaunt. Wie lange das noch so gehen soll? „Meine Frau sagt immer, dass ich mal mit dem Pinsel in der Hand sterbe. Und da hat sie wohl recht“, sagt der Mann, der kurz darauf hinzufügt: „Das mit der Malerei hat ja zufällig so angefangen. Aber ich würde es immer wieder so machen.

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