Elisabeth Falkenstein (83) gibt ihr Geschäft an der Schlossstraße Ende Oktober auf

Ladeninhaberin schließt nach 35 Jahren zu

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Abschied vom Geschäft Falkenstein: Brigitte Göbel (rechts) bedauert wie viele Hovestädter, dass eine Institution verschwindet.

Hovestadt – Ihr Geschäft betreibt sie mittlerweile seit gut 35 Jahren. Die Institution an der Schlossstraße haben schon ihre Eltern gegründet. Doch jetzt naht das Ende der Geschichte einer dörflichen Kaufmannsfamilie.

Das Textil- und Kurzwaren-Geschäft schließt zum Ende des Monats Oktober für immer die Ladentür. Ganz sicher würde Elisabeth Falkenstein ihren Laden in der Schlossstraße noch nicht aufgeben, wenn ihr nicht das Sehvermögen einen Strich durch die Rechnung machen würde. Immer dicker werden die Lupen, mit denen sie Preisschilder und andere Etiketten lesen muss, um die Kunden zu bedienen und abzukassieren. Weil es zuletzt immer schlimmer wurde, muss sie das Geschäft aufgeben. 

Hovestädter Urgestein

In Hovestadt geboren Elisabeth Falkenstein wurde 1937 im alten Krankenhaus an der Nordwalder Straße geboren. In Hovestadt hat sie auch die Volksschule besucht, zuletzt in der alten Schule im Löttenkamp. Danach hat sie Ausbildungen in Hauswirtschaft und zur Verkäuferin absolviert. Seit über 35 Jahren führt sie inzwischen als Nachfolgerin das Geschäft, das ihre Eltern Theresia und Klemens Falkenstein gegründet hatten und zwar im Elternhaus, das wohl in den 1930er Jahren noch vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Jeder im Dorf kennt Elisabeth Falkenstein, weil man schon einmal Tabak, Zeitschriften, Schreibwaren oder Süßigkeiten bei ihr gekauft hat. Auch Parfümerie-Artikel, Handtücher und Hygiene-Produkte liegen in den Regalen. 

Flair der "guten alten Zeit"

Betritt man das Geschäft, erkennt man sofort den „Flair“ der „guten alten Zeit“, als es noch überall solche kleinen Geschäfte gab. Seit den 1970er Jahren sind sie mehr oder weniger überall nach und nach ausgestorben. Elisabeth Falkenstein war da eine große Ausnahme, wohl wegen ihres großen Engagements und wegen der Familientradition und weil das Geschäft im eigenen Hause natürlich keine Miete verschlingt. Da kann man auch mit bescheidenen Gewinnen auf dem Dorf existieren. 

Stammkunden bedauern das Aus

Gestern kam auch Brigitte Göbel von der hiesigen Caritas zum Einkauf. Sie gehört zu den Stammkunden von Elisabeth Falkenstein. Man merkt es gleich, man kennt sich und man schätzt sich. So war das Geschäft auch ein Treffpunkt und ein Ort, an dem so manche Geschichte aus den Familien, aus dem Ort und der Gemeinde Lippetal wie auch der großen weiten Welt kolportiert wurde. Seit Anfang Oktober leeren sich die soliden Regale im Verkaufsraum. Elisabeth Falkenstein hat mit dem Räumungsverkauf begonnen. Bis zu 50 Prozent gibt es auf die Kurzwaren, Zeitschriften und Tabak sind unter anderem vom Rabatt ausgeschlossen. 

Noch ein letztes Mal zum Stöbern

Am Samstag, 31. Oktober, ist dann der letzte Öffnungstag. Bis dahin will sie möglichst viele Waren aus dem recht großen Sortiment noch an den Mann oder die Frau bringen. Stöbern bis 31. Oktober Der Anzeiger-Reporter hatte bei der Visite im Geschäftslokal im Regal ein paar bunte Qualitäts-Frottier-Handtücher entdeckt. Zwei Stück davon kriegt man jetzt für 5 Euro. Das ist natürlich ein Schnäppchen für echte deutsche Baumwoll-Ware. So sei auch den Lippetalern ans Herz gelegt, noch einmal bei Elisabeth Falkenstein zu stöbern und ihr was abzukaufen, ehe sich die historische Ladentür gegenüber vom Hovestädter Schloss und unweit der St.-Albertus-Magnus-Kirche für immer für die Kundschaft schließt. Elisabeth Falkenstein freut sich bei allem Wehmut auch auf ihren Ruhestand, am liebsten im eigenen Garten und bei romantischen Spaziergängen am Schloss vorbei an der Lippe und durch den Althoff.

Stimmen

„Ganz ganz schade, dass so ein alter „Tante Emma-Laden wegkommt!, findet Rita Göbel, Vorsitzende der Caritas-Konferenz, dass Elisabeth Falkenstein zumacht. Es sei so schön gewesen, dass man hier auch mal schnell eine Grußkarte oder Glückwunschkarte oder eine Zeitschrift kaufen konnte. Insbesondere fehle auch die Reinigung. Und dann habe der Laden auch noch den Pfarrbrief unter die Leute gebracht. Und immer wieder Menschen zusammengebracht, um ein Pläuschchen zu halten. Sie wünscht Elisabeth Falkenstein nun „alles Gute im Ruhestand“. 

Friedrich August Graf von Plettenberg erinnert sich, dass er in der Jugend schon mal gerne Lakritz bei Falkenstein gekauft hat. Der Laden an der Schlossstraße sei sicher eine Institution für Hovestadt gewesen. Es haben immer etliche Autos dort angehalten, so der Graf. Da werde dem Dorf und seinen Einwohnern und auch ihm selber in Zukunft sicher etwas fürs Dorfleben kaum ersetzbares fehlen.

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