Buddeln im ganz großen Sandkasten

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In der 1,2 Meter tiefen Profilaufgrabung werden die sandigen Bodenschichten des Waldbodens deutlich erkennbar.

Lippetal – Wenn Bodenkundler Steffen Meier in diesen Tagen mit seinen Mitarbeitern Martin Brede und Andreas Müller bei Niederbauer in den Wald marschiert und die drei dabei große Hämmer, Spaten und lange Bodensonden mitschleppen, dann geht es zum „Buddeln“ im Untergrund am Sandweg.

Steffen Meier kommt im Auftrag des Landes NRW nach Lippetal, um Bodenuntersuchungen in den Wäldern durchzuführen. Die Bodenkartierungen geben Aufschluss über die Bodenschichten, die Höhe des Grundwasserspiegels und die vorhandenen Nährstoffe. Diese Daten helfen später den Förstern, die Wälder auf die Zukunft einzustellen. 

Seit 60 Jahren Bodenkartierung

In Nordrhein-Westfalen wird die Bodenkartierung mit dem exakt geführten Bohrregister seit 60 Jahren vom geologischen Staatsdienst durchgeführt. Rund 90 Prozent des Landes sind inzwischen erkundet, der Raum zwischen Lippborg und Lippstadt-Cappel ist bisher ein weißer Flecken. Das wird sich in diesem Jahr ändern, denn die Bodenkundler bohren jetzt auf rund 2500 Hektar Fläche alle 50 bis 75 Meter Sonden von bis zu zwei Metern Länge in die Erde. 

Hämmer treiben Bodensonden ins Erdreich

Dafür schwingen Martin Brede und Andreas Müller gewaltige Plastikhämmer und treiben die Hohlröhren ins Erdreich. Geschickt setzen sie dieselben Werkzeuge danach ein, um die Bohrstäbe wieder herauszuziehen. Jetzt kommt wieder Steffen Meier zu Einsatz. Die Proben werden gesäubert und dann untersucht. Dabei stellt der Fachmann am Sandweg fest, dass dessen Name nicht zufällig gewählt wurde. Bis zu 1,70 Metern Tiefe findet sich gelblich-bräunlicher Sand. Der Test mit Salzsäure in verschiedenen Tiefen der Probe gibt darüber Aufschluss, dass der Nährstoffgehalt mit zunehmender Bodentiefe zunimmt. 

Nährstoffe sitzen in der Tiefe

Dass der Boden oben sauer und nährstoffarm ist, liegt wohl unter anderem daran, dass die Mineralien durch den Sand leicht noch unten gespült werden. In etwa 1,80 Metern beginnt dann auch die deutlich erkennbare graue Ton-Mergel-Schicht. 

Mit schweren Hämmern werden die zwei Meter langen Bohrhülsen in die Erde getrieben.

Hier erzeugt die aufgetropfte Salzsäure sofort eine Reaktion, das gilt als Nachweis für basische Verbindungen, also Kalk- und Nährstoffreichtum. Schließlich klopft Steffen Meier mit seinem Taschenmesser noch eine Weile auf die Hülse der Bodenprobe. Jetzt wird sichtbar, wo die Probe reichlich Grundwasser enthält, denn das Wasser wird nach oben aus dem Sand ausgetrieben. Das allerdings auch erst in einer Probentiefe von 1,70 Metern. 

Grundwasser-Pegel unter dem Mittel

Damit liegt der Grundwasser-Pegel bei Niederbauer zur Zeit zwar nur 50 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel, das zu dieser Jahreszeit bei 1,20 Metern zu erwarten wäre. Aber er liegt auch noch 22 Zentimeter über dem 2018 gemessenen Tiefststand von 1,92 Metern. Geograph Ulrich Koch vom Geologischen Dienst NRW ist dazugekommen, um die Arbeiten zu inspizieren. Er hat die Messdaten einer nahegelegenen Grundwassermessstelle unter Flur von 1960 bis heute mitgebracht und stellt nun fest, dass der Grundwasserspiegel in den vergangenen 60 Jahren stetig leicht gefallen ist. Lagen die Tiefstwerte 1976 noch bei 165 Zentimetern, erreichten sie um 1990 bereits Tiefstwerte von 188 Zentimetern, 2003 dann 170 Zentimeter und 2018 eben die 192 Zentimeter. 

Es geht um die Zukunft des Waldes

Die Daten der Bodenkartierungen sind sehr wichtig im Zusammenhang mit der Zukunft des Waldes. Mit den Werten und den damit verknüpften Klimadaten können die Baumexperten ihre Computer füttern und wichtige Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Bedingungen in Zukunft vorherrschen werden und welche Bäume unter diesen Bedingungen gut wachsen. 

Probe erkennbar: Sandboden vom Sandweg.

Lippetals Förster Christoph Hentschel und sein Chef, Forstdirektor Edgar Rüther sind sich einig, dass für den Standort Sandweg in Lippetal „grundfeucht und mäßig nährstoffreich“ die Stieleiche der geeignete Baum sein dürfte. Sie braucht zwar einige Zeit, um ihre Pfahlwurzel bis tief in den Tonboden zu treiben, dann jedoch kann sie hier prächtig gedeihen. Deshalb werden schon jetzt Eicheln aus einem nahegelegenen Eichenwald gesammelt, um die entsprechenden Jungbäume zu züchten und später hier zu pflanzen.

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