Lippequen

59 Jungstörche klappern im Lippetal

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Immer mehr Störche kommen in den Kreis Soest und brüten hier. Die Lebensbedingungen für sie haben sich verbessert. 

Lippetal -  59 Jungstörche klappern in diesem Jahr in Lippetal zur Freude von Naturschützern, Planern und aller Menschen, die jetzt die schwarz-weißen Großvögel durch die Wiesen staksen sehen und beobachten, wie sie ihre Jungen füttern.

Was für eine Sensation, als im Jahr 2007 das erste Storchenpaar in der Hellinghauser Mersch auftauchte! Es waren Weißstörche mit dem charakteristischen schwarz-weißen Gefieder, den roten Beinen und dem langen roten Schnabel. 60 Jahre lang war dort kein solches Paar mehr gesichtet worden. Zwölf Jahre später, in diesem Sommer, nisten und leben 24 Brutpaare im Betreuungsgebiet der ABU (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz). 

Als das erste Paar im Herbst 2007 sein Nest gen Süden verlassen hatte, wurde bei Hellinghausen sogleich der erste künstliche Horst für weitere Paare angelegt. Im folgenden Jahr waren gleich drei Paare zu sehen. Inzwischen sind die Störche „Stammgäste“ in den Lippeauen. Und es werden immer mehr. 

59 Jungvögel habe die ABU in diesem Jahr gezählt, berichtet Biologin Petra Salm. Mitte Juni konnte Michael Jöbges von der AG Weißstörche NRW 27 dieser Tiere mit einem so genannten ELSA-Ring versehen. Sieben Wochen waren die Tiere damals alt. Jeder Ring hat eine individuelle Buchstaben- und Zahlenkombination. 

Diese Kennung lässt sich im Gelände mit einem Sichtgerät oder über Fotos ablesen, ohne dass der Vogel wieder gefangen werden muss. Auf diese Weise kann der Weg eines Jungvogels verfolgt werden: Wo zieht er hin, wo rastet er, wo überwintert er, und wo brütet der Vogel, der im Kreis Soest geboren wurde? 

Die Ablesedaten werden zentral bei der Vogelwarte in Wilhelmshaven gesammelt. Das Interesse der großen Vögel für die heimische Flur und ihre Rückkehr hierher, führen die ABU-Mitarbeiter auf die Renaturierung vieler Bereiche im Kreis Soest zurück. Beispielsweise bieten die Lippeauen und die Woeste, wo ein Großteil der Störche brütet, den Tieren einen „optimierten Lebensraum“ mit Feuchtwiesen und vor allem ausreichend Nahrung an. Für die Jungstörche etwa gibt es die besonders bevorzugten Frösche. 

Die Renaturierung der heimischen Gewässer trägt dazu bei, dass die Störche ausreichend Platz und artgerechtes Futter finden, in diesem Jahr waren das zum Beispiel reichlich Mäuse, die vor allem die erwachsene Tiere gerne fressen.

Die Storchen-Fürsorge außerhalb der ausgewiesenen Betreuungsgebiete ist eigentlich kein Projekt der ABU, „aber wir haben natürlich ein Auge drauf“, sagt Petra Salm. Das heißt: Die ABU als Verein kann keine finanzielle Unterstützung leisten. Aber sie berät Menschen, die Horste für die Vögel bauen möchten. Petra Salm und ihre Kollegen freuen sich auch über jedes weitere Brutpaar, sind die Vögel doch ein Indikator dafür, dass die Auen „naturnäher“ werden. Besonders wichtig sind die Störche als Sympathieträger und Besuchermagneten. 

Die beliebten Tiere helfen dabei, dass das Interesse an Natur und Naturschutz und die Akzeptanz für Schutzgebiete bei den Besuchern und den Bewohnern der Region steigen. Störche werden im Alter von zwei, drei Jahren geschlechtsreif. Viele kehren dann in die Region zurück, in der sie selber zur Welt gekommen sind. Gut möglich also, dass unter den Brutpaaren dieses Jahres „alte Bekannte“ sind.

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