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„Frech“: Welver kassiert Lippetalschule-Broschüre ein

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Das Lippetaler „Schulministerium“ hat Informationen herausgegeben, die an die umliegenden Grundschulen verteilt wurden. Der Hausmeister hat die Prospekte zum Tag der offenen Tür auch an die Welverschen Grundschulen geliefert. Dort wurden die Infos jedoch eingezogen und nicht an die Schüler verteilt. Grund: Konkurrenz für Schulen in Welver. ▪
Das Lippetaler „Schulministerium“ hat Informationen herausgegeben, die an die umliegenden Grundschulen verteilt wurden. Der Hausmeister hat die Prospekte zum Tag der offenen Tür auch an die Welverschen Grundschulen geliefert. Dort wurden die Infos jedoch eingezogen und nicht an die Schüler verteilt. Grund: Konkurrenz für Schulen in Welver. ▪ © M. Dülberg

LIPPETAL/WELVER - Der Kampf um die Schüler der Region hat begonnen. Flugblätter, die über den Tag der offenen Tür an der neuen Lippetal-Schule in Herzfeld informieren sollten, sind an den beiden Welverschen Grundschulen in Borgeln und Welver von den Schulleitungen aus dem Verkehr gezogen worden.

Offensichtlich handelten Verwaltung und Schulen gemeinsam. „Das ist frech – das kann ja wohl nicht wahr sein“, kommentiert Fachbereichsleiterin Schulen, Heike Grümme-Kutznik, von der Gemeindeverwaltung Welver die Lippetaler Vorgehensweise zur Verbreitung der Prospekte an den Schulen ohne vorherige Abstimmung mit dem Schulamt in Welver und den Schulleitungen als „unschönen Akt“.

In Welver fühle man sich „irritiert“ vom Vorgehen Lippetals. Es handele sich insofern um eine besondere Situation, da Welver in Sachen Gemeinschaftsschule schon bald in eine Konkurrenzsituation zu Lippetal treten werde und bei der Einrichtung einer eigenen Gemeinschaftsschule das eigene Schülerpotential ausschöpfen können müsse, um den eigenen Schulstandort zu halten.

Rektorin Gudrun Baie von der Grundschule Borgeln wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Sie begründete dies gegenüber dem Anzeiger mit Zeitnot, müsse sich um die Schüler und später um eine Konferenz kümmern.

Rektor Müller sieht

„Konkurrenzverfahren“

Rektor Johannes Müller von der Bernhard Honkamp Grundschule in Welver fürchtet hingegen konkret ein „konkurrierendes Verfahren“. Er sieht in der Lippetaler Gemeinschaftsschule eine Einrichtung, die die Hauptschule in Welver und später eine Gemeinschaftsschule mit gymnasialem Zweig in Welver gefährden könnte – wenn nämlich weitere Schüler aus Welver zur neuen Ganztagsschule mit Gymnasium und eigener Mensa nach Lippetal wechseln. Schon bisher besuchten einige Kinder aus der Nachbargemeinde die Lippetaler Realschule.

Allerdings räumt Schulleiter Johannes Müller ein, dass in seiner Schule üblicherweise Informationen über weiterführende Schulen ausgelegt werden, die es in Welver nicht gibt. Bei der Gemeinschaftsschule Lippetal wird dies offensichtlich anders gesehen, da Welver bekanntlich frühestens 2012 mit einer eigenen Gemeinschaftsschule an den Start gehen kann. Ob es dazu allerdings eine Genehmigung geben kann und wird, ist allein schon wegen der Finanzlage Welvers fraglich. Nach dem neuen Gemeindefinanzierungsgesetz fehlen der hoch verschuldeten Kommune – wie berichtet – in den kommenden zehn Jahren neben den bestehenden Schulden voraussichtlich allein weitere rund 13 Millionen Euro an Einnahmen aus Schlüsselzuweisungen des Landes.

Lippetals Bürgermeister Matthias Lürbke hat für den Informationsentzug kein Verständnis. Schließlich gehe es darum, die Eltern über Angebote zur Bildung ihrer Kinder zu informieren. Dass hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt würden, findet er nicht nachvollziebar. Lürbke weist auch den Vorwurf von sich, in anderen Gemeinden Schüler fischen zu wollen. Der Informationsfluss von der Realschule Lippetal in die Grundschulen des Umfeldes von Benninghausen über Bad Sassendorf und Welver laufe seit Jahren intern zwischen den Schulen. Lürbkes allgemeiner Vertreter Bernhard Bitter ergänzt noch, dass es gar nicht sicher sei, ob Lippetal Schüler aus Welver aufnehmen könne.

Er hat für den Antrag auf die Gemeinschaftsschule exakt nachweisen können und müssen, dass Lippetal die Lippetalschule zahlenmäßig aus eigener Kraft stemmen kann. Darüber hinaus sei die Informationsveranstaltung zur Gemeinschaftsschule am 8. November in der Oestinghauser Gemeinschaftshalle auch von interessierten Welveraner Eltern genutzt worden um Fragen zu stellen. Diesen Eltern seien seinerzeit weitere Informationen über den Tag der offenen Tür zugesagt worden.

Das Schulzentrum der Gemeinde Lippetal in Herzfeld stellt am heutigen Freitag, 21. Januar, von 16 bis 19 Uhr die neue „Lippetalschule“ vor, die wenn sie vom Land genehmigt wird, als Gemeinschaftsschule mit gymnasialem Zweig ab September 2011 eingerichtet werden soll. Anmeldung ist dann ab dem 14. Februar.

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