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Flüchtling Shokufe aus Iran fand im Kirchenasyl neuen Glauben an das Leben

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Die 56-jährige Shokufe will nach dem Kirchenasyl in Lippetal bleiben. Foto: Limbrock © Ali Limbrock

Herzfeld/Weslarn –Shokufe kann wieder lachen. Kein Vergleich mehr zu der Frau, die im September 2019 in Herzfeld von der Evangelischen Gemeinde Weslarn ins Kirchenasyl aufgenommen worden ist.

Damals war sie zutiefst verängstigt, völlig verzweifelt und mutlos. „Dann haben wir ihr unsere Kirche gezeigt und hat man hat gespürt, wie sie vor dem Altar aufgeatmet hat. Schon am nächsten Morgen war sie wie ausgetauscht“, erinnert sich Pfarrer Ralph Frieling an die erste Begegnung mit der 56-jährigen Iranerin. Über die zentrale Unterbringung für Flüchtlinge in Wickede hatte sie den Weg ins Lippetal gefunden. Da lag bereits eine lange Fluchtgeschichte hinter ihr. 

Aus dem Iran nach Schweden

2014 war sie aus dem Iran nach Schweden ausgereist, um einen dort lebenden Iraner zu heiraten. Doch das Glück sollte nicht lange halten, denn ihr Mann verstarb bereits kurz nach der Hochzeit, und Shokufe Mirjahan geriet in die Mühlen der bisweilen so unbarmherzigen Asyl-Maschinerie. Ein paar Jahre zuvor hätte sie im vermeintlich so liberalen Schweden vermutlich problemlos eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, doch inzwischen gehen auch die Skandinavier recht rigoros gegen Flüchtlinge vor: Zurück in den Iran! lautete die Forderung der Behörden. 

Im Iran droht Gefängnis

„Das aber“, so Frieling, „hätte den sicheren Gefängnisaufenthalt bedeutet.“ Da Shokufe inzwischen Christin geworden war, hätte sie bereits am Flughafen in Teheran mit der Verhaftung rechnen müssen. Ja sogar mit der Todesstrafe, denn wer im Staat der Ayatollahs zum Christentum konvertiert, wird mit dem Tod bedroht. Da sie Verwandte in Dortmund hat, schien ihr die Flucht nach Deutschland der einzige Ausweg. Doch auch hier entschieden die Behörden auf alsbaldige Abschiebung – zurück nach Schweden. Als einzige Alternative blieb der Weg ins Kirchenasyl. Bereits seit einigen Jahren hatte man sich im Presbyterium der Kirchengemeinde mit der Möglichkeit, Menschen ins Kirchenasyl aufzunehmen, beschäftigt. Aber erst als die Wohnung im Gemeindehaus in Herzfeld in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dankes-Kapelle frei wurde, konnten die Überlegungen konkretisiert werden. 

"Wir halten es für absolut notwendig"

„Wir haben das intensiv diskutiert und uns dann dazu entschieden, weil wir es für absolut notwendig halten, dass unsere Kirche Menschen, die geflüchtet sind, in bestimmten humanitären Notsituationen Hilfe anbietet. Und dazu gehört auch das Kirchenasyl als ultimo ratio“, fasst Frieling die Motivation seines Presbyteriums zusammen. Die Gemeinde konnte sich vom ersten Tag an auf ein breites Netzwerk an Unterstützung und Unterstützern verlassen. „Ich bin froh, dass das Kirchenasyl nach den zuverlässigen Absprachen mit den Kirchen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geduldet wird“, so Frieling. 

Kirchengelände darf nicht verlassen werden

Zu der Absprache gehört, dass Flüchtlinge im Kirchenasyl das Areal der Kirche nicht verlassen dürfen; andernfalls könnten sie verhaftet werden. Ein besonderer Glücksfall ist es, dass der Asylarbeitskreis in der Gemeinde Lippetal mit praktischer Hilfe unentwegt zur Seite steht. Die freiwilligen Unterstützer, die auf eine lange Erfahrung in der Betreuung geflüchteter Menschen zurückblicken können, übernehmen Einkäufe und sorgen mit Sprachunterricht, gemeinsamem Kochen und Kreativangeboten für Abwechslung im sonst doch oft eintönigen Alltag der Geflüchteten. 

Asyl ist formal beendet

Frieling: „Es war überraschend und erfreulich zugleich, wie gut das alles ineinander gegriffen hat. Aber ohne eine solch breite Unterstützung geht es auch nicht. Das würde einfach nicht funktionieren.“ Inzwischen ist das Kirchenasyl für Shokufe Mirjahan formal beendet; sie darf vorläufig nicht abgeschoben werden und kann sich wieder frei bewegen. Über ihren Asylantrag wird nun neu verhandelt. Die Chancen, dass sie in Deutschland bleiben kann, stehen nicht schlecht. Und sie weiß auch schon genau, wo sie ihre Zukunft am liebsten verbringen möchte: „Ich möch

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