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Lippetals Schutzmann sagt tschüss

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Von: Nico Rading

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Lippetal - Den Abreißkalender an der Wand hat Erich Brörken von seinem Schreibtisch aus gut im Blick. Das aktuelle Blatt reicht bis zum 31. März. „Passt genau, ist nämlich ein Freitag“, sagt der Lippetaler Bezirksbeamte.

Dieser Tag wird der letzte Arbeitstag Brörkens sein. Der Polizist blickt dem Datum mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits freut er sich nach 42 Dienstjahren auf den Ruhestand. Dann ist endlich Zeit, das alte Hobby Radfahren aufleben zu lassen. „Ich werde mir wohl ein Neues zulegen“, verrät er. Er wird bald mehr Zeit für seine Frau haben, die praktisch während der gesamten Ehe die Familienorganisation übernommen hat. „Sie muss erstmal damit klarkommen, dass ich acht Stunden länger am Tag zuhause bin“, schmunzelt der passionierte BVB-Fan. Und dann ist da ja noch der Schützenverein. „Da bin ich mit meinem Vorstandsposten auch ganz gut beschäftigt“, so der 61-Jährige.

 Andererseits war er sein Leben lang gern Polizist. „Ich habe diese Entscheidung keinen Tag bereut“, betont Brörken. Beim Fototermin vor seiner Amtsstube in Hovestadt direkt gegenüber dem Rathaus wird klar, wie stark er in den letzten 15 Jahren als Bezirksbeamter wahrgenommen wurde. Fast jeder zweite vorbeifahrende Autofahrer winkt herüber. Und das durchaus freundlich. Brörken kennt hier viele und ihn kennen fast alle. 80 Prozent seiner Dienstzeit verbringt der Hauptkommissar draußen in seinem Revier. Eine der Aufgaben: Die so genannte „anlassunabhängige Kontaktaufnahme“ zu Vereinen und Verbänden. Abends nimmt er deshalb auch mal an Sitzungen Feuerwehr teil. Der Brandschutz ist zwar nicht sein Aufgabengebiet, doch der enge Kontakt hilft, schnell Lösungen zu finden, weiß Brörken: „Wenn ich einen Ast entdecke, der den Verkehrsraum gefährdet, kann ich mich auf schnelle Hilfe der Kameraden verlassen.“ 

Zu seinen Lieblingsaufgabengebieten zählt aber auch die Verkehrserziehung. Genauer gesagt: das Schulwegtraining mit den zukünftigen Erstklässlern sowie das Radfahrtraining in der 4. Klasse. Den Kindern bei den ersten Pedaltritten im öffentlichen Raum zu begleiten, ist für den Familienvater „eine feine Sache“.  Und so mancher von denen, die er als Grundschüler über die Spielregeln im Straßenverkehr aufgeklärt hat, begegnet ihm jetzt als Teenager wieder – nicht immer ganz im Einklang mit der Straßenverkehrsordnung. Dann gibt es eine klare Ansage. Oder wie Brörken es formuliert: „Die gelbe Karte.“ Das und seine stattliche Erscheinung reichen oft schon für einen schnellen Erfolg. Sauer wird er, wenn sich jemand wiederholt daneben benimmt. „Dann gibt es Konsequenzen“. Rot. 

Soweit kommt es meist nicht. Auch, weil Brörken allen mit einer Mischung aus Klarheit und Respekt entgegentritt. „Zu mir kann jeder kommen, ich helfe jedem, der sich helfen lässt.“ Auch bei Angelegenheiten, die nicht direkt ins Aufgabengebiet der Polizei gehören. Dem gelernten Kfz-Mechaniker hat in all den Jahren die Erkenntnis geholfen, „dass ich weiß, wo ich herkomme“. Die Polizeiarbeit sei im Laufe der Zeit komplexer und komplizierter geworden. „Als ich anfing, hatten fast alle bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung“, erinnert er sich. Heute erfolgt der Start ins Schutzmann-Dasein als Bachelor-Studiengang. Dennoch würde er seinen Beruf auch heute noch jederzeit weiterempfehlen. 

Wer nach ihm seinen Kalender in der kleinen Wache in der Bahnhofstraße aufhängt, ist noch nicht klar. Es könnte eine Lücke von mehreren Monaten geben, weil die Hochschulabsolventen erst im Herbst zur Verfügung stehen und dann das Personalkarussell bei der Kreispolizei in Bewegung gerät. Als Bezirksbeamte wählt die Führung meist sehr erfahrene Kräfte. Leute wie Brörken eben. 

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