Um die Corona-Krise zu meistern:

Töpferladen von Claudia Nattkemper zieht in den Schrank

Claudia Nattkemper stellt ihren kleinen Töpferladen an der Nordwalder Straße in Hovestadt vor..
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„Man muss sich was einfallen lassen“, sagt Claudia Nattkemper, die hier ihren kleinen Töpferladen vorstellt.

Der wohl kleinste Töpferladen weit und breit steht an der Nordwalder Straße und passt in einen Schrank mit zwei Fächern. Auf der Tür steht „Öffne mich“ – eine Einladung, die die Kunden gern annehmen, aber auch Spaziergänger und Radfahrer, die vorbeikommen und kurz anhalten.

Hovestadt – Claudia Nattkemper, die aus Ton Kunstvolles für Haus und Garten formt, reagiert kreativ auf die Einschränkungen durch die Pandemie. Sie geht nach draußen und bietet dort die handwerklichen Arbeiten an. Beet, Parkplatz und der Weg zum Wohnungseingang werden zum Atelier und zur Ausstellung unter freiem Himmel.

Töpferladen zieht in den Schrank: Meiste Menschen sind ehrlich

Wie sie das Finanzielle regelt? Claudia Nattkemper weist auf eine Kasse neben den Waren hin sowie auf einen Block mit der Bitte, Einkauf und Preis zu notieren – eine einfache Methode, die ihrer Erfahrung nach auf Vertrauensbasis bestens funktioniert, die bargeldlos und praktisch ist. „Die allermeisten Menschen sind ehrlich“, meint sie. Dass sich jemand bedient, aber vergisst, anschließend das Portemonnaie zu zücken, komme so gut wie gar nicht vor. „Kontaktlos“ lautet eines der Gebote in Corona-Zeiten, das gilt auch im Töpferatelier, wo es möglich ist, mitzunehmen, was gefällt, und das Bezahlen online zu erledigen.

Töpferladen in Hovestadt: Kurse und Märkte müssen ausfallen

„Man muss sich was einfallen lassen“, sagt Claudia Nattkemper, die sich mit ihrem eigenen Geschäft einen lang gehegten Traum erfüllte. Sie entdeckte schon früh die Begeisterung fürs Töpfern. Die Leidenschaft, mit der sie ihr Hobby von Anfang an ausübte, ebnete der Ergotherapeutin und Altenpflegerin schließlich auch den Weg zu neuen beruflichen Zielen. Doch das Virus macht es ihr im Moment nicht leicht, den Kraftakt der Selbstständigkeit zu meistern. „Einfach ist es nicht“, sagt Claudia Nattkemper. Dann fügt sie hinzu: „Ich liebe die Herausforderung.“ Besonders am Herzen liegen ihr die Kurse, zu denen sie immer gern eingeladen hatte. Die Teilnehmer – oft junge Mütter oder Kinder, die mit ihren Freunden Geburtstag feierten – saßen in gemütlicher Runde zusammen, ließen sich inspirieren, setzten eigene Ideen um, modellierten, walzten, schnitten, bogen das Material und freuten sich über die Ergebnisse. Anfänger staunten, wenn sie ihr erstes eigenes Werk in Form einer hübsch verzierten Deko-Kugel in den Händen hielten, ein besonderes Stück, das zuhause einen Ehrenplatz bekam.

Töpferladen in Hovestadt: Märkte fallen reihenweise aus

Diese Treffen in größerer Runde sind im Moment nicht erlaubt. Auch Märkte fallen reihenweise aus, Einnahmen brechen weg. Claudia Nattkemper berichtet, wie schön es immer war und wie viel Spaß es ihr gemacht hat, im Duo mit ihrer Freundin – „Die kleine Zuckerfee“ aus Herzfeld – diese auch beim Publikum beliebten Veranstaltungen zu besuchen. Der erste Termin stand sonst im Frühjahr an, dann ging es munter weiter bis kurz vor Heiligabend.

„Die Töpferstube ist mein Wohnzimmer“

„Die Töpferstube ist mein Wohnzimmer“, erzählt die zweifache Mutter. Was sie immer wieder neu motiviert? Die Antwort: „Der Laden gehört mir, ich habe treue Kunden und eine tolle Familie.“ Alle packen im Familienunternehmen mit an und stärken ihr den Rücken. Claudia Nattkemper: „Ich habe sehr viel Glück.“ Sie freut sich über Anrufe von zufriedenen Kunden, die Anteil nehmen, fragen, wie es ihr geht, Aufträge geben und sich für zuhause eine Töpfer-Kiste zusammenstellen lassen. In Hovestadt, seit einigen Jahren ihr Lebensmittelpunkt, fühlt sie sich rundum wohl. „Es ist klasse“, betont sie, „wie sich die Menschen hier schon zu Beginn der Pandemie geholfen haben.“ Sie lobt den guten Zusammenhalt und ergänzt: „Ich bin froh, ein Teil dieses Ortes zu sein.“

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