Wetter spielt keine Rolle

Schäfer, Hund und Schafe – immer draußen

Sie kennen sich mit Wetter aus: Franz Schröer und seine Mischlingshündin Jenny lassen ihre Schafe derzeit in Hünninghausen grasen.
+
ks_vwd-xia0mztk-20f2606a86b1926759ffa59ebd89820b.jpg

Ein Besuch bei Franz Schröer auf dem Hof Albersmeier

Hüttinghausen – Weites Land, weißes Land – Schnee, soweit der Blick reicht. So sah es noch am Wochenende kurz vor der großen Schneeschmelze aus am Anfang von Lippetal, wenn man vor Weslarn nach links in die Felder abbiegt und an einem Bauernhof vorbei ist. Danach kommt lange, lange erst mal nichts.

„Wir haben uns hier selber ordentlich freischaufeln müssen“, berichtet Hofbetreiber Klaus Albersmeier von der Eiszeit, die da so plötzlich über ganz Deutschland hinweggefegt ist: „Knackig kalt ist es wie selten, Schnee ohne Ende – da hat man gut zu tun, den an die Seite zu bekommen.“ Festgesteckt im Schnee, das habe zuerst er selber mit seinem Fahrzeug – und seinen Gast, den habe er auch schon aus dem Schnee ziehen müssen, als der mit seinem Auto samt Anhänger und den vierbeinigen Rasenmähern nicht mehr vor und zurück kam.

„Ja, das kann schon mal passieren“, lächelt Franz Schröer mit stoischer Ruhe, während er seine eingepferchten Schützlinge betrachtet. Ein leichter, aber scharfer Wind geht, der Himmel ist strahlend blau, die Sonne funkelt auf der wettergegerbten Haut des Seniors aus Bad Westernkotten. Seine treue Mischlingshündin Jenny blickt zu ihm auf, dann wieder zu den Schafen: Da wird doch wohl hoffentlich noch alles seine Ordnung haben?

Die bringt nichts aus der Ruhe

Die Wollknäuel blicken zurück – die Lämmer neugierig, die Alttiere stoisch ungerührt. „So schnell bringt die nichts aus der Ruhe“, sagt Franz Schröer: „Die kennen mich, die kennen den Hund – alles gut. Und wegen der Kälte muss man sich keine Sorgen machen: Bei der dichten Wolle haben die es schön warm. Wenn nicht, dann rücken sie dicht an dicht zusammen und wärmen sich gegenseitig.“

Mit dem Lastwagen sind rund 200 Tiere nach Hüttinghausen gekommen. Gras und Zwischenfrucht, das ist, was sie finden werden, wenn sie mit den Hufen Schnee und Eis beiseite scharren. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Der Landwirt ist glücklich, wenn die Flächen sorgsam abgehütet werden, wie sich das nennt, der Schäfer ist glücklich, wenn seine Schafe was zu fressen finden und das machen können, was sie am liebsten machen: Mähen, kauen, hinlümmeln, draußen in der freien Natur. So haben sie es schon getan, als die drei Könige dem Stern nach Bethlehem folgten. Schon da waren sie auf den Feldern bei den Hirten, und eigentlich noch viel, viel früher – seit dem sechsten Tag, und noch vor Adam.

Zurück nach Hüttinghausen. Dort erzählt Franz Schröer, dass er eigentlich Schweißen gelernt hat, in einer Fabrik gearbeitet habe. Dann aber sei er dem Vater gefolgt, schon der habe die Schäferei betrieben. Bis nach Hamburg sei er dann selber gezogen mit seinen Schafen, habe dort mehr als dreißig Jahre lang den Deich entlang der Elbe gepflegt mit seinen Tieren, als Auftragsarbeit und immer von April bis November. Nichts mit einsam und Nomadenleben: Reichlich Leute habe er immer getroffen. Die einen seien wissbegierig gewesen, die anderen eher nervig – und manchmal waren es ihm auch einfach zu viele Leute, die schwimmen und sich bräunen wollten, sagt er: Als Schäfer, da hat hat man lieber seine Ruhe. Nicht, dass er nichts zu erzählen wüsste und sich nicht unterhalten wolle, aber Schäfer, Hund und Schafe, das ist eine Familie für sich, und die ist lieber ungestört.

Warum er sich mit seinen bald 73 Jahren immer noch bei Wind und Wetter auf den Weg mache – Tiere aufladen, Tiere abladen, den Hütezaun aufstellen und wieder abbauen, nur damit er an der nächsten Stelle wieder aufgebaut wird?

Blickkontakt zu den Schafen

Schröer schaut Jenny an, die schaut ihren Zweibeiner an und legt den Kopf schief, dann schaut sie wieder herüber zu den Schafen und die schauen zurück. Einen Anflug von feuchten Augen hat der alte Schäfer, wenn er sagt: „Ist jetzt so ein Hobby von mir. Alleine zuhause sitzen will ich nicht. Und außerdem: Man hängt halt an dem Viehzeugs – schreib‘ mir bloß nicht soviel….“

Eine Weile noch wird Franz Schröer in Hüttinghausen bleiben, dann kommt wieder der Laster und die Schafe treten die nächste Reise an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare