Bauern wollen ins Gespräch kommen

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Am heutigen Freitag laden Lucas Deimel, Norbert Renner und Ludger Belmann auf den Parkplätzen der Supermärkte zum Meinungsaustausch.

Lippetal – Die Initiative „Land schafft Verbindung“ ist auch in Lippetal präsent. Der Grund: Die heimischen Landwirte fürchten wegen der geplanten neuen Gesetze und Verordnungen zum Insekten- und Grundwasserschutz um ihre Existenz. Was die Landwirte besonders wurmt: Sie als Betroffene finden einfach kein Gehör. Grund genug für einen Anzeiger-Besuch auf dem Hof Deimel in Hovestadt.

„Wenn die neuen Gesetze kommen, dann kann ich einpacken.“ Lucas Deimel vom gleichnamigen Hof Deimel findet klare Worte, wenn es um die Zukunft seines Hofs geht. Sein Berufskollege Ludger Belmann fürchtet Qualitätsprobleme, Ertragseinbußen und einen „Bärendienst für die Artenvielfalt“. „Es ist im Moment so, als ob ein Nichtschwimmer erklärt, wie man sich über Wasser hält“, geht er mit der Politik hart ins Gericht. 

Und auch Norbert Renner fürchtet Ertragseinbußen und sieht in der Politik „ein blindes Nachlaufen des Mainstreams ohne Rücksicht auf Fakten“. Beim Besuch auf dem Hof fällt draußen ein Plakat der Initiative „Land schafft Verbindung“ ins Auge. Der Inhalt ist eine Einladung zum Dialog. Drinnen findet eben dieser Dialog statt. 

Zuerst aber wird klar: Die Bauern in Lippetal sind sauer. Und enttäuscht. Weil sie, wie sie sagen, dauernd als Prügelknabe herhalten müssten und für alles verantwortlich sein sollen von der Verseuchung des Grundwassers über das Insektensterben und die Methan-Emissionen der Kühe bis hin zum Klimawandel und dem Rückgang der Artenvielfalt“. 

Stimmt also alles gar nicht? „Doch“, sagt Ludger Belmann, der in Lippborg Kühe hält und auf 120 Hektar ackert, „wir sind sicher auch keine Waisenknaben.“ Doch längst seien die Kollegen bereit, ihren Beitrag zu leisten für eine intakte Umwelt. „Es liegt doch in unserem ureigensten Interesse, dass wir dem Boden nicht schaden“, sagt Norbert Renner, der eine Schweinemast in Herzfeld betreibt und zudem 50 Hektar bewirtschaftet. 

Lucas Deimel vom Hof Deimel mit seinen 65 Hektar und einer Direktvermarktung in Hovestadt ist es vor allem leid, immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. „Die Bürger sollen mit uns reden, nicht über uns.“ Zuhören, vor allem das Zuhören wünschen sich alle drei. Denn wenn es um Fakten geht, haben sie einiges zu sagen. Norbert Renner etwa liegt mit seinen Flächen komplett auf einem „roten Grundwasserkörper“, was künftig mit einem Dünge-Minus von 20 Prozent quittiert wird. 

80 Prozent der Flächen von Ludger Belmann sind ebenfalls betroffen, der Rest ist Vogelschutzgebiet. Und Lucas Deimel weiß seine Flächen entweder über rotem Grundwasser oder als Schutzgebiet ausgewiesen. Die Folge: Kommen die neue Düngeverordnung der Bundesregierung im April und später der „Aktionsplan Insektenschutz“, dann ist flächendeckend eine deutliche Düngemittel-Reduzierung Gesetz. 

„Wir wollen, dass die Flächen individuell untersucht werden, weil die hohen Werte im Grundwasser womöglich von ganz bestimmten Flächen auch außerhalb de Landwirtschaft kommen – und trotzdem alle betroffen sind“, wünscht sich Ludger Belmann eine Binnendifferenzierung der betroffenen Grundwasserkörper. Norbert Renner weist auf das geplante Düngeverbot bei Zwischenfrüchten hin, „einem Plan ohne Sinn und Verstand“. 

Und Lucas Deimel fordert mehr Experimente mit weniger Düngemitteln auf den heimischen Höfen, „weil die Bauern ihre Flächen am besten kennen“. Klar ist: Umwelt-, Natur und Klimaschutz auf der einen und konventionelle Landwirtschaft auf der anderen Seite, das wollen die Landwirte verbinden. „Sagt uns, welchen Beitrag wir leisten sollen“, fordert Renner; Belmann verweist auf die vielen Blühstreifen, die schon jetzt üblich seien; und Deimel ruft ins Bewusstsein, dass die Landwirte „sieben Tage die Woche und mit großem persönlichen Einsatz“ am Werk seien. Jetzt geht es um Wertschätzung. Und um Diskussionen mit Bürgern, die bei jedem Düngereinsatz die Giftspritze wittern. 

Am heutigen Freitag machen die Landwirte aus dem Lippetal mobil. Ins Gespräch kommen wollen sie mit den Menschen, für die sie ihre „hochwertigen und sauberen Lebensmittel“ produzieren. Denn in einem Punkt sind sich alle einig: Trotz der aktuellen Schwierigkeiten ist die Landwirtschaft immer noch „der schönste Beruf der Welt“.

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