Projekt der Landwirtschaftskammer:

Bauern setzen sich für Artenvielfalt ein

Blühende Aussichten: Für den Artenschutz setzen sich (vorne von links) Andreas Kemper, Klaus und Marianne Albersmeier sowie (hinten von links) Dirk Schulze-Gabrechten, Josef Lehmenkühler, Henrik Plaas-Beisemann, Klaus Klinger, Anke Bienengräber, Ralf Jost, Harald Lopotz und Marko Kneisz ein.
+
Blühende Aussichten: Für den Artenschutz setzen sich (vorne von links) Andreas Kemper, Klaus und Marianne Albersmeier sowie (hinten von links) Dirk Schulze-Gabrechten, Josef Lehmenkühler, Henrik Plaas-Beisemann, Klaus Klinger, Anke Bienengräber, Ralf Jost, Harald Lopotz und Marko Kneisz ein.

Hüttinghausen – Ziemlich ungewöhnliche Gewächse zeigten sich gestern am Hof Albersmeier in Hüttinghausen: 

Mitten in einer „mega-diversen Blühmischung“ roch es gleich neben den offenen Schweineställen nach frischem Fenchel. Landwirte, Berater und Umweltschützer mischten sich prompt unter die Blüher – um ein neues Artenschutz-Projekt zu feiern.

Satte 10 Prozent seiner Flächen will Landwirt Klaus Albersmeier künftig zu Blühstreifen machen. Die entsprechenden Anträge sind gestellt, an vielen Stellen blüht es bereits. „Die Diskussion um Klimaschutz und Artensterben geht ja nicht an uns vorbei“, meinte Albersmeier. „Ich kann zwar nicht die Welt retten, aber was ich selber verbessern kann, das kann ich tun.“

Hilfe bei der Umsetzung fanden Klaus und Marianne Albersmeier bei der Landwirtschaftskammer. Da machte der „Biodiversivitätsberater“ Andreas Kemper das heimische Landwirte-Ehepaar auf ein Projekt zum Natur- und Artenschutz aufmerksam.

Im Rahmen eines von der EU geförderten Maßnahme erhalten Landwirte in der Hellwegbörde seit dem 1. April ein individuelles Beratungsangebot, um Natur- und Artenschutzmaßnahmen auf ihren Vogelschutz-Flächen umzusetzen. Die Maßnahmen sollen helfen, Lebensraum für Insekten und Vögel zu sichern. Inzwischen haben 80 Betriebe das Beratungsangebot in Anspruch genommen, weit mehr als erwartet.

Das Besondere am neuen Projekt: Landwirte erhalten von Andreas Kemper Hilfe, um den richtigen Antrag an die richtige Stelle zu schicken. Und parallel werden Landwirtschaftskammer und Betriebe von Umweltorganisationen wie der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) in Lohne oder der Biologischen Station Kreis Unna/Dortmund unterstützt.

Landwirte zeigen hohe Bereitschaft

Ein Konzept, das bei allen Beteiligten gut ankommt. „Bei vielen Landwirten ist die Bereitschaft hoch, Maßnahmen zum Artenschutz zu ergreifen“, sagte Andres Kemper. Und in jedem Betrieb seien auch Maßnahmen möglich.

Das Ergebnis: Auf mehr als 300 Hektar gibt es inzwischen Oasen für Insekten und seltene Vögel. „Dabei geht es gar nicht so sehr um die Größe der Flächen, als vielmehr darum, die Dinge intelligent voranzubringen“, meinte Harald Lopotz von der Landwirtschaftskammer. Wenn etwa irgendwo Kiebitze geschlüpft seien, dann gehe es im nächsten Schritt darum, auch angrenzende Grünflächen anzubieten.

Es gibt noch viele weitere Maßnahmen, die gefördert werden. Besonders hilfreich ist etwa ein größerer Saatreihenabstand beim Getreide. Das bietet im Frühjahr und Sommer mehr Lebensraum für Jungvögel. Auf anderen Flächen gönnen die Landwirte den Flächen ein Jahr Pause und säen eine bunte Mischung Gräsern, Wildblumen und anderen Pflanzen. Während der Projekte werden Vögel- und Insektenpopulationen von den Biologischen Stationen gezählt, um die Wirksamkeit der Maßnahme zu beurteilen.

Von einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen der Betriebe einerseits und ökologischen Notwendigkeiten auf der anderen Seite sprach Andreas Kemper. Das unterstrich auch Ralf Jost, Biologe der ABU. Gerade in guten Ertragslagen sei es schwierig, Landwirte zu überzeugen. Mit dem neuen Projekt sei nun aber Bewegung in die Sache gekommen. Überhaupt seien die Möglichkeiten zukunftsweisend wegen der neuen Partnerschaft zwischen Landwirten und Naturschutz.

Blühstreifen sind Neuland

Das klingt, als wenn die Beteiligten Neuland betreten mit dieser Partnerschaft. Genauso wie die Landwirte, die sich um Blühstreifen kümmern. „Nach dem Gespräch übers Wetter unterhalten wir uns jetzt oft über die Blühstreifen“, plauderte Klaus Albersmeier aus dem Nähkästchen. „Meistens ist das Thema, wenn etwas schief gegangen ist“, fügte Kreislandwirt Dirk Schulze-Gabrechten hinzu. „Ganz genau“, meinte Albersmeier, „die Landwirte müssen erst noch lernen wie Blühstreifen gehen.“

„Da ist noch viel Luft nach oben“, räumte auch Andreas Kemper ein. Sowohl bei den Maßnahmen als auch bei den Rahmenbedingungen gebe es noch reichlich Verbesserungsbedarf.

Dass aller Anfang schwer ist, daran zweifelte gestern auf dem Hof Albersmeier niemand. Keinen Zweifel ließ der Hofherr aber auch daran, dass er weiter gehen wird auf dem Weg des Arten- und Naturschutzes. „Natürlich zahlen wir auch mal Lehrgeld“, sagte er. Doch angesichts der klimatischen Kipppunkte und des Artensterbens bleibe ihm gar keine andere Wahl als seinen Beitrag zu leisten.

Kontakt

Informationen zum Projekt gibt es bei Andreas Kemper unter Tel. 02945/989580 oder andreas.kemper@lwk.nrw.de

Mit rund 50000 Hektar ist die Hellwegbörde das größte der 28 EU-Vogelschutzgebiete in NRW. Hier sind zahlreiche gefährdete Vogelarten wie Wiesenweihe, Kiebitz oder Rebhuhn zu Hause. 1600 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften hier 95 Prozent der Äcker und Wiesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare