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Bäder-Holding: Nachbar-Therme in Westernkotten in Schieflage

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Die Hellweg-Sole-Therme in Bad Westernkotten, die zur Bäder-Holding mit Sitz in Bad Sassendorf gehören, ist in finanzielle Not geraten. © Assmann

Bad Sassendorf - Die Bäder-Holding mit Sitz in Bad Sassendorf hat wegen der wirtschaftlichen Lage bei den Hellweg-Sole-Thermen in Bad Westernkotten Alarm geschlagen. Die Therme befinde sich in finanzieller Not, Verzögerungen bei der Sanierung hätten die Lage bedrohlich verschärft.

Um die Zukunft des Bades zu sichern, soll die Therme aus dem Verbund der Westfälischen Gesundheitszentrum Holding GmbH (WGZH) ausgegliedert und der Stadt Erwitte überlassen werden. 

Einen ähnlichen Schritt hatte die Holding mit der Sole-Therme in Bad Sassendorf bereits vorgenommen. Hier hatte die Saline Bad Sassendorf GmbH als Teil der Holding Anfang 2017 ihre Anteile an der Sole-Therme sowie am Tagungs- und Kongresszentrum auf die Gemeinde Bad Sassendorf, beziehungsweise die Gemeindewerke Bad Sassendorf übertragen. Die Saline soll sich seither voll und ganz auf das Kerngeschäft ihrer Kliniken konzentrieren. 

Über die aktuelle Lage der Hellweg-Soletherme in Westernkotten wurden die rund 70 Mitarbeiter jetzt von Holding-Geschäftsführer Stephan Eydt informiert. In einer Pressemitteilung der WGZH heißt es dazu, der Aufsichtsrat habe ein Strategie- und Zukunftskonzept für das Thermalbad beschlossen, das eine Konzentration auf die Bereiche Schwimmbad und Sauna sowie die Vitaminbar vorsehe. 

Für die Bereiche Gesundheitszentrum mit Sportpoint und Wellnessbereich sei eine Schließung oder Verpachtung vorgesehen. Die gebuchten Behandlungen würden jedoch bis auf weiteres fortgeführt. Für ihn sei es wichtig, so Eydt, „dass die Abteilungen nicht geschlossen werden müssen, sondern dass sich Pächter finden, die die Bereiche fortführen.“ 

Besucherrückgang durch Bauverzögerung 

Die noch laufende Sanierung des Bades sollte eigentlich bereits Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen sein. Auf Nachfrage bestätigte Eydt, dass die Verzögerung mit einem erheblichen Besucherrückgang und daraus resultierend fehlenden Einnahmen verbunden gewesen sei. Signifikante Baukostensteigerungen habe es nicht gegeben, dementierte der Geschäftsführer anderslautende Gerüchte. Bis Ende Februar sollen alle Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein. 

Die Stadt Erwitte, mit 5,1 Prozent an der Holding und mit 8 Prozent direkt an der Solbad GmbH beteiligt, wird nun prüfen, ob und wie die Therme übernommen und gegebenenfalls mit privaten Investoren weitergeführt werden kann. Außerdem soll der Kreis Soest als Hauptgesellschafter für die Rettung tief in die Tasche greifen. „Das ist Gegenstand der Verhandlungen“, bestätigte Wilhelm Müschenborn, der Pressesprecher des Kreises. 

Mit der Übernahme der Therme in die Bresche zu springen, komme mit Blick auf die Kosten für die Stadt Erwitte „absolut zur Unzeit“, machte Bürgermeister Peter Wessel deutlich. Die Kommune steckt in der Haushaltssicherung. Die Entscheidung über eine Übernahme soll bis Ende Februar fallen. 

Scharfe Kritik äußerte Wessel nach Offenlegung des finanziellen Dilemmas: „Wir haben immer angemahnt, dass da rote Bereiche sind, andere haben tatenlos zugesehen. Herr Eydt ist der erste, der die wirtschaftlichen Sorgen anpackt. Das rechne ich ihm hoch an.“ Die bisherigen Strukturen des Solbads seien in Teilen ein Misserfolg. Wessel: „Die Lage ist ernst“. 

Erwitte soll die Therme übernehmen

Sollte eine Entlassung von Mitarbeitern unumgänglich sein, teilt die Holding mit, „werden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, diese in anderen Konzernbereichen der WGZH unterzubringen“. Wie Bürgermeister Wessel sieht Eydt die Existenz des gesamten Badbetriebes aber nicht akut gefährdet. In Westernkotten, wie alle Kurorte von den Folgen der Gesundheitsreformen seit 1997 betroffen, gibt es zudem zwei Reha-Einrichtungen, nämlich die Klinik Solequelle mit 160 Betten und die Klinik Wiesengrund mit 140 Betten. Diese beiden Kliniken gelten als gut aufgestellt. - bt/tbg

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