Was in der Lippe als Gradmesser für die Wasserqualität dient

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Mit Wathose, Schwimmweste und Kescher gehen Sylvia Mählmann und ihre Kollegen ins Wasser, um nach vorgegebenen Kriterien Proben zu entnehmen.

Lippetal – Kaum jemand ist näher dran an der Lippe, oder vielleicht sogar mittendrin, als Sylvia Mählmann und ihre Kollegen. Das Team der Hydrobiologen des Lippeverbandes ist nämlich für die Überwachung der Wasserqualität der Lippe und ihrer Nebenläufe zuständig.

„Unsere Labormitarbeiter und -mitarbeiterinnen stehen regelmäßig hüfthoch im Wasser, um die Proben zu entnehmen“, berichtet Pressesprecherin Anne-Kathrin Lappe vom Lippeverband.

Sylvia Mählmann ist eine von sieben Labormitarbeiterinnen und -mitarbeitern, die die biologischen Gewässerproben im Bereich des Lippeverbands nehmen und analysieren. Mit Wathose und Schwimmwesten und zur Sicherheit immer im Zweierteam stehen sie dann im Wasser. Das Laborteam erlebe damit vor Ort hautnah mit, wie sich die Wasserqualität in den vergangenen Jahren entwickelt hat, so Lappe. Seit knapp 30 Jahren arbeitet Sylvia Mählmann im Labor: „Nicht ein Tag ist wie der andere“, sagt die Biologisch-Technische Assistentin. 

„Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit in der Hydrobiologie spielt sich draußen ab. Von März bis Oktober sind wir an mindestens drei Tagen in der Woche zur Probenentnahme an unseren Gewässern.“ Ihr Arbeitsgebiet umfasst mit allen Nebengewässern immerhin 431 Kilometer, allein die insgesamt 220 Kilometer lange Lippe kommt im Gebiet des Lippeverbands von Lippborg bis Wesel auf 147 Kilometer. Der Maßstab für die Wasserqualität ist der Artenreichtum. Tiere, aber auch Pflanzen, werden den Fließgewässern regelmäßig entnommen, etwa um neu angesiedelte Arten nach der erfolgreichen Renaturierung eines Gewässers nachzuweisen. 

Aktuell erwarten die Spezialisten in Sachen Wasserqualität, dass sich das Programm „Lebendige Lippe“ auswirken dürfte. Sylvia Mählmann: „Wir sind sehr gespannt, wie sich das Programm, mit dem wir den Fluss in den nächsten Jahren natürlicher gestalten werden, auf die Anzahl an Lebewesen auswirkt.“ Für die biologische Überwachung der Gewässer nehmen die Biologen mit dem Kescher je Gewässerabschnitt 20 Teilproben eines mindestens 30 Meter langen Abschnitts. Dies erfolgt nach einem genau festgelegten Schema, damit die Proben, wie vorgeschrieben, EU-weit vergleichbar sind. 

Anschließend werten die Fachleute die Proben im Labor aus. Mit Binokular und Fachliteratur erfolgt die Bestimmung der Arten, denn der ökologische Zustand eines Flusses wird hauptsächlich über die im Wasser lebenden Organismen definiert. Etwa über den Dreieckstrudelwurm, der in der Lippe bei Lippborg nachgewiesen werden konnte, der auf hohe Wasserqualität angewiesen ist. Weitere Werte wie Temperatur, Sauerstoffgehalt und Nährstoffgehalt fließen ebenfalls in die Bewertung ein. Plankton, Insekten, Fische, aber auch Algen und ihre Zusammensetzung ergeben dann ein Bild der jeweiligen Gewässergüte. 

Damit dienen die Beprobungen auch als Grundlage für Gewässergütekarten, die gemeinsam mit dem Land NRW mit Blick auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU erstellt werden. Die Gewässerqualität wiederum ist stark von der Reinigungsleistung der Kläranlagen abhängig. Dank hoher Investitionen in die Klärtechnik könne der Lippeverband auch entsprechende Erfolge nachweisen, bekräftigt Anne-Kathrin Lappe.

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